NRW-Forum Düsseldorf

Bilder der Pop Society

Das NRW-Forum Düsseldorf zeigt in 400 Fotografien die Quintessenz der Schweizer Nicola Erni Collection, die sich auf Fotos der 60er und 70er Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts fokussiert. Über den Weg des Visuellen, des Fotografischen erschliesst sich im musealen Zusammenhang auch eine gesellschaftliche Revolution: Der gesellschaftliche Wandel dieser beiden Dekaden ist bestimmt durch die Medienkultur; überhaupt ist Kultur die treibende Kraft dieser Zeit. Der gesellschaftliche Wandel, auch als „Wertewandel“ deklariert, wurde geprägt durch Medien, Musik, Jugend- und Protestkultur.

Die Verbindung von Pop Art und Popmusik, von kultureller Rebellion und Rockmusik, von Sexualität und Wohlstand, von Normverletzung und Marketing bestimmte die Jahre von 1964 bis 1974, konstatiert der Popkultur-Theoretiker Thomas Hecken. Die Grenzen zwischen Hochkultur und Pop, zwischen Design und autonomer Kunst, zwischen Nonkonformismus und Fun wurden erfolgreich und spektakulär übertreten und durch die sich neu aufstellenden Massenmedien in alle Welt verbreitet. Mode, Film, Architektur bilden eine neue Ästhetik der Zukunft aus, der Jet wird zum Symbol einer neuen Zeit, und bringt neue Orte auf die Landkarte des Tourismus, Airports sind die neuen Icons. Die Werbung trägt den „Duft der großen weiten Welt“ selbst in die entlegendste Ortschaft.

„Demokratischer Wandel“ ist das Schlagwort, dem sich auch die Yellow Press nicht verschliessen kann und der zeigt sich im Niederreissen jener Schranken, die bislang soziale Klassen trennte. So entstand eine neue gesellschaftliche Elite aus Schriftstellern, Schauspielern, Musikern aus Hi und Low, Modemachern, Werbeleuten, Fotografen vermischt mit Adeligen, Bankern, Reedern, Erben … eben der traditonellen Geld-Elite.

Tom Wolfe beschreibt die neue Gesellschaft als eine Pop Society, die sich über die Medien formatierte. Sie schafft problemlos den Spagat zwischen Hochkultur und Avantgarde, zwischen Protestkultur und Jet Set, zwischen alternativen Lebensformen und einer Boheme des Wohlstandes. Die Fotografie und der Film sind das Medium dieses Zeitpunktes. In Ihnen zeigt sich eine janusköpfige Gesellschaft von ihren beiden Seiten: Pressefotos setzen erfolgreich Andy Warhols Diktum um, dass jeder für 15 Minuten berühmt sein könne. Pressefotos stimulieren die Gesellschaft zum erfolgreichen Protest gegen den Vietnamkrieg.