Zum Fest etwas zu spät, aber als gut gemachte Guerilla-Werbeaktion auch jetzt noch sehenswert: Der Taschenhersteller Eastpak ließ Anfang Dezember einen Weihnachtsmann durch Berlin skaten, und zwar per Lichtprojektion.
Ein Auto fuhr dazu durch die Innenstadt und warf das Bild mit einem Hochleistungs-Beamer auf die Gebäudefassaden.
Dies ist ein Buch, das sozusagen aus dem Auge des Zyklons heraus geschrieben ist: Über die Krise von Kunst und Markt. Noch während uns die Finanzmisere durcheinanderwirbelt, geht Isabelle Graw in Der Große Preis dem komplexen Verhältnis zwischen Markt und Kunst auf den Grund. Mit dem Begriff der „Celebrity Culture“ enthüllt sie das wahre Gesicht eines Marktgeschehens, in dem das gesamte Leben erfolgreich veräußert wird.
Neben den Büchern von Georg Franck: “Ökonomie der Aufmerksamkeit” und “Mentaler Kapitalismus”, ein wirklich interessantes Werk mit einer neuen Betrachtungsweise zu den (gesellschaftlich bedingten) Veränderungen der Kunstwelt.
Isabelle Graw, geboren 1962, lebt als Kunstkritikerin in Berlin. 1990 gründete sie gemeinsam mit Stefan Germer die Zeitschrift “Texte zur Kunst”, deren Herausgeberin und Redakteurin sie seither ist. Erste Buchveröffentlichung: “Silberblick. Texte zu Kunst und Politik” (1999). Sie schreibt unter anderem für Wolkenkratzer Art Journal, Flash Art, Artis und artforum, außerdem verfasste sie Beiträge für zahlreiche Ausstellungskataloge. Derzeit ist sie Professorin für Kunsttheorie an der Städelschule Frankfurt.
Isabelle Graw, Der große Preis, 255 Seiten, mit Schwarz-Weiß-Abbildungen, kartoniert (TB), DuMont Verlag 2008, Euro 20,50
Zu bestellen z.B. bei der Buchhandlung Walther König
Pamela Anderson für Vivienne Westwood
Im September saß sie bei der Modenschau der exzentrischen Londoner Designerin in der Front Row. Sofort spekulierte man über mögliche Verbindungen zu Westwoods Red Label. Nun meldet das New York Magazine Vollzug: Die ehemalige Baywatch-Darstellerin ist das Gesicht für Westwoods Frühjahrskollektion ‘09. Fotograf ist der Erfinder des “Heroin Chic” Jürgen Teller, die Bilder wurden angeblich in Andersons Wohnwagen aufgenommen. Wenn das kein Punk ist.
Am 16. und 17. Dezember versteigerte das Auktionshaus Christie’s in New York 280 Ikonen des Glamours und Stils, unter anderem rund hundert Porträts von Marylin Monroe. Angeboten wurden Werke solch bedeutender Fotografen wie Richard Avedon, Guy Bourdin, Helmut Newton, Irving Penn, Herb Ritts und Bert Stern. Der Gesamterlös von rund 7,7 Millionen Dollar lag zwar im unteren Bereich des Schätzwertes, angesichts der momentanen Flaute auf dem Kunstmarkt ist das Ergebnis allerdings beachtlich. So bewertet das Witschaftsmagazin Artinvestor die Verkaufssummen immerhin als “repektabel”. Offenbar bleibt Fotokunst, besonders exquisite Mode- und Glamourfotografie, für Investoren auch in Krisenzeiten interessant.
Chanel bricht Mobile Art Tour ab

Chanel Contemporary Art Container by Zaha Hadid
Die Finanzkrise hat ein weiteres Opfer: Der Moving Art Container, den Stararchitektin Zahah Hadid für den Modegiganten entwarf, wird eingemottet. Das Projekt galt als einer der ehrgeizigsten – und teuersten – Versuche, Fashion und Kunst zusammenzubringen. In dem Ufo-artigen Pavillion stellten 20 internationale Künstlergrößen, darunter Yoko Ono, Daniel Buren, Sylvie Fleury und Stephen Shore, ihre Interpretationen des legendären 2.55 Handbag von Chanel zu Schau. Gestartet war das Spektakel im April dieses Jahres in Hong Kong. Nach Zwischenlandungen in Tokio und New York wurde die Tour nun abgesagt, offenbar aus Geldmangel. Man wolle sich auf das strategische Wachstum konzentrieren, heißt es zur Begründung aus dem Hause Chanel. Weitere Berichte gibt es hier.
Foto: nyclovesnyc, weitere Bilder des Künstlers auf dessen flickr-Seite
Vor einigen Jahren erregte der Pariser Streetart-Künstler Zevs Aufsehen durch eine aberwitzige Entführung. Aus einem großflächigen Werbebanner einer Espressomarke schnitt er das Modell heraus und verlangte für die Rückgabe ein Lösegeld von 500 000 Euro, zahlbar an ein Kunstmuseum in Paris. Anstatt gegen dieses “visuelle Kidnapping” vorzugehen, erfüllte die Firma die Forderung und konnte ihr Markenimage damit sogar aufpolieren. Das Verhältnis zwischen markenkritischen Streetart-Künstlern wie Zevs oder Banksy und den Marketingstrategen der großen Unternehmen erinnert bisweilen an einen sportlichen Wettstreit, bei dem es jedoch keinen wirklichen Verlierer gibt. Denn letzlich profitieren beide Seiten von diesem Spiel aus kreativem Angriff auf die Marke und deren gewitztem Konter. Durch mediengerechte Inszenierung steigern schließlich beide das eigene Image und damit ihren Marktwert.
Wie leicht die Balance der Kräfte in diesem Spiel gestört wird, zeigte sich jüngst im Hamburger Stadtviertel St. Pauli. Der Künstler Filomeno Fusco brachte über einem leer stehenden Ladengeschäft den Schriftzug der Modemarke Versace an und vernagelte das Schaufenster mit Brettern. Damit wollte er die zunehmende Gentrifizierung des Viertels anprangern. Doch anstatt den Ball aufzunehmen und elegant zurückzuspielen, etwa durch die spontane Eröffnung eines Guerilla-Shops im Stil des japanischen Modelabels Comme des Garcons, erwirkte die Luxusmarke eine einstweilige Verfügung gegen Fusco. Der muss nun alles wieder in den Urzustand zurückführen.
via whats-wrong-with-the-zoo.de
Pikantes unterm Weihnachtsbaum

Es raschelt in den Supplementseiten der Fashion- und Lifestyle-Magazine. Zum Jahreswechsel überbieten sich die Blätter mit provokativ-pikanten Zugaben. Hier davon zwei, die für ein wenig Stimmung unterm Weihnachtsbaum sorgen dürften. In ihrer Dezember-/Januarausgabe wartet die Vogue Paris auf mit einem Jahreskalender vom Agent Provocateur der Fashionfotografie, Terry Richardson, bekannt durch seine feucht-fröhlichen Sisley-Kampagnen. Für den Vogue-Kalender hat er nun vierzehn Star-Models in hübscher Pin-Up-Ästhetik abgelichtet – bekleidet mit, nennen wir es einmal, luftigen Dessous von Vuitton. Für Terrys Verhältnisse sieht das zwar fast schon ein wenig zahm aus, aber so kann man es sich wenigstens an die Wand hängen.
Richard Kern, auch nicht unbedingt ein Kind von Traurigkeit, hat für das Berliner Kunst- und Lifestylemagazin Monopol in die Vollen gegriffen. Für alle diejenigen, die ihr Weihnachtsgeschenk noch ein wenig aufpeppen wollen, hat er einen Bogen Geschenkpapier gestaltet, der es in sich in hat. Das Coverbild der Ausgabe, die Eingeweihten werden es sofort erkannt haben, stammt übrigens von Terry Richardson.
Zum Abschluss noch ein paar Weihnachtsmänner: Der britische Guardian hat zehn international renommierte Künstlerinnen und Künstler, darunter den deutschen Fotografen Jürgen Teller gebeten, den Weihnachtsmann neu zu interpretieren (das erinnert irgendwie an Andy Warhols De- und Rekonstruktion von Alltagsmythen, die noch bis vor kurzem im NRW-Forum zu sehen waren). Herausgekommen ist dies hier. Tellers Interpretation knüpft an seine Fotos aus der Serie “Märchenstüberl” an und unterstreicht noch einmal seine Position als ironiefähiger Dokumentar unter den Fashionfotografen: ungeschminkt, bis auf die Pausbäckchen und den Rauschebart.
Interview Albert Watson
Ist doch immer wieder wunderbar, wenn Star-Fotografen sozusagen aus dem Fotokoffer plaudern. Besonders, wenn sie so viel Interessantes zu erzählen haben wie Albert Watson (hier im Interview).
Albert Watson Interview zur Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf, 2008/2009 from nrwforumduesseldorf on Vimeo.
Ein schönes Fundstück gibt es noch auf der Webseite des Guardian. Dort spricht der Künstler über eine seiner eigenen Lieblingsfotoserien: die Malcolm X Fashion Story, die das Face Magazine zum Start des gleichnamigen Films im Jahr 1992 brachte. Es ist zwar schon ein Weilchen her, doch beeindruckt es noch immer, zu lesen, wie präzise Watson eine Bildidee in eine Fotostrecke umsetzt.


