Visual Kidnapping by ZEVSVor einigen Jahren erregte der Pariser Streetart-Künstler Zevs Aufsehen durch eine aberwitzige Entführung. Aus einem großflächigen Werbebanner einer Espressomarke schnitt er das Modell heraus und verlangte für die Rückgabe ein Lösegeld von 500 000 Euro, zahlbar an ein Kunstmuseum in Paris. Anstatt gegen dieses “visuelle Kidnapping” vorzugehen, erfüllte die Firma die Forderung und konnte ihr Markenimage damit sogar aufpolieren. Das Verhältnis zwischen markenkritischen Streetart-Künstlern wie Zevs oder Banksy und den Marketingstrategen der großen Unternehmen erinnert bisweilen an einen sportlichen Wettstreit, bei dem es jedoch keinen wirklichen Verlierer gibt. Denn letzlich profitieren beide Seiten von diesem Spiel aus kreativem Angriff auf die Marke und deren gewitztem Konter. Durch mediengerechte Inszenierung steigern schließlich beide das eigene Image und damit ihren Marktwert.

interim-injunction-against-artist-filomeno-fusco Wie leicht die Balance der Kräfte in diesem Spiel gestört wird, zeigte sich jüngst im Hamburger Stadtviertel St. Pauli. Der Künstler Filomeno Fusco brachte über einem leer stehenden Ladengeschäft den Schriftzug der Modemarke Versace an und vernagelte das Schaufenster mit Brettern. Damit wollte er die zunehmende Gentrifizierung des Viertels anprangern. Doch anstatt den Ball aufzunehmen und elegant zurückzuspielen, etwa durch die spontane Eröffnung eines Guerilla-Shops im Stil des japanischen Modelabels Comme des Garcons, erwirkte die Luxusmarke eine einstweilige Verfügung gegen Fusco. Der muss nun alles wieder in den Urzustand zurückführen.

via whats-wrong-with-the-zoo.de

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