Vor dem Adbusting

Vor dem Adbusting

In Zeiten knapper Kulturbudgets gehen auch Museen zunehmend dazu über, mit ausgefallenen Werbeaktionen auf sich aufmerksam zu machen. Eine Institution, die recht früh die Scheu vor modernem Marketing ablegte, ist das Museum of Modern Art in New York. Dessen Museumsshop gilt als eines der verkaufsstärksten Ladengeschäfte überhaupt. Um die eigene Sammlung auch außerhalb von Downtown zu bewerben, gingen die Marketingstrategen des Museums kürzlich buchstäblich in den Untergrund. Für eine nicht bekanntgegebene Summe kauften sie die Bespielungsrechte für eine gesamte U-Bahn-Station. In den Hallen und Gängen der Haltestelle AtlanticPacific in Brooklyn ließen sie großformatige Reproduktionen ihrer berühmtesten Sammlungsstücke plakatieren, darunter Warhols Marilyn Monroe sowie Bilder von Picasso, Lichtenstein, Pollock oder Mondrian.

Diese Präsenz der ikonografischen Bilder erregte aber nicht nur die erwünschte Aufmerksamkeit bei Medien und potenziellen Museumsgängern, sondern rief sogleich auch das Kollektiv des Streetart-Künstlers Posterboy auf den Plan, das durch seine Adbustings in New Yorker U-Bahn-Stationen einige Berühmtheit erlangt hat.

(c) Doug Jaeger

© Doug Jaeger

Ausgerüstet mit einem Tapeziermesser, stellte Posterboy Kollagen aus einigen der Reproduktionen her, verpasste Marilyn eine Nasenkorrektur und ließ einen Rennwagen in ein anderes Gemälde platschen.

Kurz darauf wurde bekannt, und hier beginnt es seltsam zu werden, dass Posterboy bei seiner Aktion begleitet wurde von Doug Jaeger, eben jenem Werbefachmann, der die Kampagne für das Museum geplant hatte. Jaeger verschaffte Posterboy eine Windjacke, die ihn als Angestellten des MoMA auswies und so Sicherheitsbeamte von ihm fernhielt. Außerdem ließ er ein Model vor den veränderten Bildern posieren und filmte dann das Ganze. Das MoMA gibt sich in ersten Reaktionen verschnupft und lässt die collagierten Reproduktionen austauschen. Ein leiser Zweifel bleibt jedoch, ob die Kampagne mit Posterboys Auftritt nicht erst begonnen hat.

Weitere Bilder hier, ein Video über Posterboy hier.

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