Interview mit Thomas Wagner von Stylepark

Richard Prince: Nurse Hat Chair. UFO des Tages vom 10 April
Für unsere Ausstellung U.F.O. – Grenzgänge zwischen Kunst und Design sind wir eine Medienpartnerschaft mit der Designplattform Stylepark.com eingegangen. In dem folgenden Interview sprachen wir mit Thomas Wagner, dem Chefredakteur von Stylepark, über unsere Medienpartnerschaft und die Frage nach den Grenzen zwischen Kunst und Design. Thomas Wagner war lange Zeit Kulturredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er sich mit der Schnittstelle zwischen beiden Bereichen beschäftigte.
NRW-Forum: Zunächst möchte ich Sie bitten, sich vorzustellen. Was machen Sie, Herr Wagner, was macht Stylepark?
Thomas Wagner: Stylepark ist entstanden als Produktdatenbank im Internet, auf der High-End-Designfirmen sich und ihre Produkte präsentieren. Außerdem betreiben wir eine Internetplattform zu aktuellen Themen des Designs, aber auch zu kulturellen und zu Kunstthemen. Ich selber bin seit etwa anderthalb Jahren bei Stylepark unter anderem dafür zuständig, diese Plattform auf der redaktionellen Seite mit aufzubauen.
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist es, Themen des Designs in die Öffentlichkeit zu bringen. Das geschieht zum einen dadurch, dass wir Produkte vorstellen oder man in unserer Datenbank nach bestimmten Produkten und Produktgruppen suchen kann. Wir beraten aber auch große Firmen, oft zusammen mit Designern, und haben nun auch eine Rubrik, die sich mit neuen Materialien befasst. Außerdem werden wir bald einen Bereich anbieten, der sich um Architektur dreht und um alle Dinge, die Architekten brauchen können. Und schließlich haben wir immer auch Events geplant. Da erinnert man sich vielleicht an die Möbelmesse in Köln. Dort gab es lange Jahre „Stylepark in Residenz“. Zuletzt gab es im vergangenen Jahr zum dritten Mal „The Design Annual“ zusammen mit der Messe Frankfurt als große Messe für avanciertes Design.
Sie sind sowohl Kunstkritiker als auch Designkritiker. Was ist für Sie das Spannende an Design?
Das ganz Wichtige für mich an Design ist, dass es im Unterschied zur Kunst nicht auf das Nutzlose setzt, sondern immer angehalten ist und sich immer in der prekären, aber auch spannenden Situation befindet, an der Schnittstelle zwischen Kunst und Ökonomie zu agieren. Sie können sich leicht vorstellen: Innerhalb eines Wirtschaftssystems wie dem unseren, das auf Verwertbarkeit setzt, ist Design als die „angewandte“ Form von Kunst natürlich ein Bereich, der in den letzten Jahren immer stärker in den Vordergrund gerückt ist. Daraus ergibt sich auch das Thema: Wie verhalten sich Kunst und Design zueinander? Die Frage hat mich seit vielen Jahren beschäftigt und wird mich auch weiter beschäftigen. weiter »
Marcel Wanders gestaltet Concept Store für Villa Moda in Bahrain

Villa Moda, Bahrain, Fotos: Studio Marcel Wanders
Der Shootingstar des jungen holländischen Designs, Marcel Wanders, hatte schon immer eine Vorliebe für das Märchenhafte. Besonders sieht man dies bei seinen Interieurs. Das Mondrian-Hotel in Miami etwa, dessen Innengestaltung er besorgte, lässt unmittelbar an ein Dornröschenschloss denken. Florale Dekors ranken an Wänden empor, und Wendeltreppen mit Geländern wie aus Rosengeflecht winden sich hinauf in den nächsten Stock. Es scheint, als sei hier per Design die Zeit angehalten.
Dass Wanders auch dem orientalischen Märchenschatz zugetan ist, hat er in seiner Innengestaltung für den Concept Store von Villa Moda in Bahrain bewiesen. Für die Luxusmodekette, die 2002 von Scheich Majed al-Sabah, einem Mitglied des kuwaitischen Königshauses, gegründet wurde, kombinierte er die entrückte Märchenwelt mit dem dichten Treiben des Souk. Für seinen Entwurf wurde Wanders nun auf die Shortlist für den renommierten Traveller Innovation and Design Award gesetzt, der jährlich vom Condé-Nast-Verlag verliehen wird.
Den Concept-Store von Villa Moda in Dubai gestaltete der spanische Designer Jaime Hayon, der wie Wanders mit eigenen Objekten in unserer Ausstellung U.F.O. zu sehen sein wird.
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Lass mich deinen Namen in meine Wade stechen – Tätowiertes Artwork von Ed Templeton

Foto: Lars Wöhning
Nicht nur Deanna Templeton, auch ihr Mann Ed war auf der Ausstellungseröffnung zu “Scratch my name on your arm” am 3. April eine begehrte Person. Eine Gruppe von Skateboardern, die aus dem Ruhrgebiet angereist waren, ließ es sich nicht nehmen, sich von Streetstyle-Legende Ed ein Autogramm geben zu lassen, samt Jabba-the-Hood-Artwork – und das Ganze passend zum Anlass direkt mit Edding auf die Haut. Währenddessen hielt Deanna trotz gebrochenem Arm mit ihrer Kamera drauf (weitere Bilder davon auf unserem Flickr-Stream).
Wenn man sich die Gesichtszüge von Ed Templeton so anschaute, war nicht ganz klar, ob er den Troubel genoss. “Jungs, ich werde euch zwar nicht die Tour vermasseln, aber wisst ihr wirklich, was ihr da tut?”, murmelte er einmal zur Seite gewandt. Was war geschehen? Ed Templeton enthüllt es auf seinem Blog:
A young man approached me and lifted his pant-leg to reveal no less than 3 tattoos of Toy Machine related artwork.
Then asked me to draw on his leg with my worn out sharpie, so he could tattoo over it the next day.
This always stresses me out because this will be with the person for life – and it all rests on what I do right there. If I make a sub-standard drawing, then they have a sub standard tattoo I guess. I always advise against it, but I can’t stop them, it’s their body.
Wie man uns kürzlich mitteilte, ist das Werk des Tätowierers nun vollendet und der Name von Ed Templeton samt (akkurater) Zeichnung in die Wade geritzt. Ein leicht verwackeltes Handy-Foto davon gibt es nach dem Sprung.
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Cartier I love you: Bruce Weber gesteht seine Liebe zu Hochkarätern – mit einem voluminösen Fotobuch

© Bruce Weber
Der amerikanische Starfotograf Bruce Weber hat sich in der Vergangenheit nicht gerade einen Namen in der Schmuckfotografie gemacht. Trotz dieses scheinbaren Mankos produziert er für den traditionsreichen Juwelier aus Paris ein monumentales Fotobuch. Gefeiert wird mit dem Werk, das im Laufe des Jahres (genauer mag sich der Verlag teNeues nicht äußern) erscheinen soll, das hundertjährige Bestehen der Firma in den USA. Laut einem Bericht im W Magazine war Weber äußerst überrascht, als Pierre Rainero, der Chef von Cartier International, bei ihm anklopfte und ihm das Projekt antrug. Angesichts von Webers Hang zum modischen Understatement und der Abwesenheit funkelnder Juwelen in seinem Werk eine durchaus nachvollziehbare Reaktion. Aber in dem Buch werden eben nicht nur Edelsteine von Cartier zu sehen sein. Vielmehr soll darin die Verbundenheit der Firma mit ihrem Standort USA zum Ausdruck kommen, und mit deren Kultur kennt Weber sich aus.
Für das Projekt erhielt er uneingeschränkten Zugang zum Firmenarchiv und grub Film- und Bilddokumente sowie Geschichten über die Firma aus, etwa jene von einer gewissen Ms. Plant aus New York, die es Anfang des vorigen Jahrhunderts trotz ansehnlichen Reichtums nicht wagte, in der frisch gegründeten New Yorker Niederlassung von Cartier ein Perlenkollier im Wert von 1 Million US Dollar zu erwerben, bis Pierre Cartier, der Enkel des Firmengründers, es ihr im Tausch gegen eine Immobilie an der Ecke 635th Avenue und 23rd Street plus einen Hundertdollar-Schein anbot. Endlich erfüllte sie sich ihren Traum, und Cartier kam in den Besitz neuer Geschäftsräume, in denen die Firma heute noch residiert.
Oder jene Geschichte von dem Chansonnier Serge Gainsbourg, der als Kind jüdischer Eltern im nazideutsch besetzten Frankreich einen Judenstern tragen musste und sich später als Mahnung an diese Zeit ein Exemplar des Sterns aus unvergänglichem Platin fertigen ließ – von der Firma Cartier. Doch Weber hat nicht nur jede Menge Anekdoten und Porträts von prominenten Kunden in dem Buch versammelt, sondern auch in eigenen Fotos die Kreationen von Cartier in Szene gesetzt. Dabei ging es ihm darum, das “Spielzeughafte von Schmuck” zu zeigen, wie er dem W Magazine gesteht. Das Bild am Anfang des Artikels zeigt das Amethyst-Kollier von Daisy Fellowes, der legendären ersten Chefredakteurin von Harper’s Bazaar, als Zierrat zwischen Erdnussbutter und Frühstücksmarmelade.
Bruce Weber ist bekannt für seine Modefotografien für Calvin Klein, Gianni Versace oder Ralph Lauren. Seine Arbeiten erschienen in Vogue, GQ, Vanity Fair, Interview oder dem Rolling Stone. Bekannte Buchpublikationen von ihm sind die All-American-Bände 1–8, Gentle Giants, Branded Youth oder The Chop Suey Club. In der Ausstellung Radical Advertising im NRW-Forum waren seine verstörenden Bilder von Teenagern zu sehen, die er für Werbekampagnen von Calvin Klein anfertigte.

Jeff Koons: Monkey Train
Kürzlich berichteten wir von den Skatedecks, die der britische Künstlerstar Damien Hirst für das New Yorker Streetwear-Label Supreme gestaltete. Hirst steht mit seiner Edition nicht allein, die Firma hatte schon in der Vergangenheit immer wieder mit renommierten Künstlern zusammengearbeitet: Larry Clark, Raymond Pettibon, Richard Prince oder Jeff Koons sind nur einige der bekannten Namen. Anders aber als beispielsweise das Modelabel Louis Vuitton mit seinem Stephen-Sprouse-Skateboard (Edition von drei, je 8000 Dollar) achtet Supreme darauf, die Decks bezahlbar zu halten: Die Editionen von Hirst etwa kosteten im Laden (die kurze Zeit, die sie erhältlich waren) je 68 Dollar – das bezahlt man auch für gewöhnlichere Stücke von der Stange.
Nun werden einige der Künstler-Decks bei Phillips de Pury New York in der Saturday Auction versteigert. weiter »
Gespiegelte Stühle von Kai Linke – Ist das Design?
Bei Stühlen sollte es eigentlich keine Frage sein, ob sie Design sind oder Kunst. Stühle sind so etwas wie der Inbegriff des Funktionalen. Entweder man kann darauf sitzen, dann sind sie brauchbar und zählen nach landläufiger Meinung zum Design. Oder man kann es nicht, dann sind sie noch lange keine Kunst, aber auf keinen Fall Design. Was aber, wenn ein Designer mit Diplom Stühle kreiert, auf denen man beim besten Willen nicht sitzen kann? Der Offenbacher Kai Linke ist so einer. In seiner neuesten Serie bringt er unsere guten alten Gartenstühle aus Plastik in verstörende Formen, indem er sie an verschiedenen Achsen spiegelt und die Hälften neu zusammenfügt. Die Ergebnisse sind erfrischend ambivalent, der Gartenstuhl, der eigentlich nichts anderes kann, als uns zum Sitzen zu dienen, verweigert sich dieser Funktion. Und besitzt dabei etwas rätselhaft Filigranes, dass ihn als Skulptur begehrenswert werden lässt. Linke steht noch am Anfang seiner Karriere, aber die Fragen, die er stellt, haben schon Gewicht.
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Im amerikanischen Sprachgebrauch versteht man unter einem „Maverick“ einen Freigeist, jemanden, der gegen den Strom schwimmt und seinen eigenen Kopf hat. Schaut man sich die Herkunft des Begriffes an, entdeckt man Erstaunliches: Er geht zurück auf den texanischen Viehzüchter Samuel Augustus Maverick (1803–1870) und ist eng verknüpft mit der Geschichte des Brandings. Zu einer Zeit, als in den Schlachthöfen von Chicago erfahrene Einkäufer die Qualität des Fleisches an den Brandzeichen der Rinder ablasen, entschloss sich Maverick, seine Tiere als einzige nicht mit einem Brandzeichen zu versehen, und machte sie dadurch umso besser erkennbar. Der Freigeist in der amerikanischen Kultur wurde offenbar aus der Idee geboren, Branding durch Nichtbranding zu betreiben.
Diese und andere denkwürdige Episoden aus der Geschichte der Markenzeichen finden sich in einem lesenswerten Überblicksartikel des Unternehmensberaters Steven Kroeter auf designobserver.com, dem Blog des renommierten Designkritikers und Gründers der Zeitschrift Eye Magazine, Rick Poynor. Für alle, die sich einen ersten Überblick zu dem Thema verschaffen wollen, eine empfehlenswerte Lektüre.
Wachsende Stühle von Ronan & Erwan Bouroullec – Ist das Kunst?
“Stühle wachsen nicht”, das schreibt der Kunst- und Designkritiker Thomas Wagner in einem Artikel über organoide Stuhldesigns auf der Internetseite der Designplatform Stylepark.com
Wagner bespricht darin unter anderem den neuen Stuhl “Vegetale” der Brüder Ronan und Erwan Bouroullec, die mit einer Arbeit auch in unserer Ausstellung “U.F.O. – Grenzgänge zwischen Kunst und Design” vertreten sein werden. Das folgende Video scheint dem Ausspruch des Rezensenten zu widersprechen: Stühle wachsen doch. Zumindest wenn man den Prozess des Entwerfens als eine Art kreatives Wachstum begreift.
Vegetal Chair from Ronan & Erwan Bouroullec on Vimeo.
Damit aber nicht genug, umgeben die beiden Designer Ronan und Erwan Bouroullec ihren Entwurf mit einer Erzählung von dessen Ursprung, die Thomas Wagner in dem oben genannten Artikel wiedergibt:
Was die Genese des Stuhl betrifft, so wird eine nette Geschichte erzählt: Es sei das Wissen um eine eigenwillige Technik gewesen, mit der im 19. Jahrhundert in Nordamerika junge Bäume während ihres Wachstums in die Form von Stühlen gebracht wurden, die die Designer auf die Idee gebracht habe, selbst einen Stuhl zu entwerfen, der aussehen sollte, als wäre er gewachsen.
Wird hier einem Designprodukt ein Mythos verpasst, um es werbekräftig zu inszenieren, oder erlangt der Stuhl durch die Geschichte einen Überschuss, der ihn aus dem Bereich der funktionalen Objekte hinüberreichen lässt in den Bereich der Kunst? Immerhin schlug der Kunstkritiker Matthew Collings in einem Gespräch mit dem israelischen Designer-Künstler Ron Arad als Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Disziplinen vor, dass Design eine Funktion, Kunst dagegen einen Mythos habe.
Im Fall der Stühle aus der Serie “Vegetale” zögert Thomas Wagner nicht, sie als Designobjekte einzuordnen. In einem Gespräch, dass wir mit ihm führten weist er darauf hin, dass Design ebenso wie Kunst immer mit derartigen Geschichten operiert hat. Es zeige sich daran jedoch, dass die Strategien, mit denen Kunst und Design Aufmerksamkeit erregen, ganz ähnliche sind.
Unser Interview mit Thomas Wagner wird in den kommenden Tagen hier auf diesem Blog gepostet. Der Chefredakteur des Designmagazins Stylepark spricht darin über die Verbindung zwischen Kunst und Design, die Aktualität einer Diskussion, die beide Disziplinen überspannt, und über die Medienpartnerschaft, in deren Rahmen Stylepark die Ausstellung “U.F.O.” im NRW-Forum kommuniziert.
“I want them to be ridden” Damien Hirst gestaltet Skateboarddecks für Supreme
Der britische Künstler Damien Hirst hat nun auch Skatedecks als Fläche für seine Kunst entdeckt. Zusammen mit dem Streetwearlabel Supreme brachte das Marketing-Genie Hirst kürzlich eine Auflage mit drei verschiedenen Designs aus seiner Beautiful-Painting-Serie auf den Markt. In einem Video auf YouTube wünscht er sich, dass die Decks auch gefahren werden und nicht irgendwo an der weiß getünchten Wand landen.
Zuletzt hatte Hirst für Levi’s eine Jeans-Kollektion mit seinem schlagzeilenträchtigen Schädelmotiv gestaltet (hier ein kurzes Interview mit ihm darüber) und am 20. April erscheint das neue Album “See the Light” von “The Hours”, ebenfalls mit Beauty-vollem Hirst-Design.
via artschoolvets
Ron Arad in der Timothy Taylor Gallery in London
Einige neue Arbeiten des in Israel geborenen Designers und Architekten Ron Arad sind derzeit in der Timothy Taylor Gallery in London zu sehen. Arad ist bekannt für seinen spielerischen Umgang mit Formen und die Verwendung modernster Techniken für seine Objekte, die zwischen Design und Kunst changieren und sich einer eindeutigen Bestimmung entziehen. Einige ikonische Arbeiten des Designers, etwa die “Box in four movements”, werden ab Mai auch in unserer Ausstellung U.F.O. präsentiert.
Ron Arad war von 1994 bis 1997 Professor für Produktdesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seit 1997 ist er Professor am Royal College of Art in London, zunächst für Möbeldesign, später für Produktdesign. Die Frage, ob seine Entwürfe Kunst oder Design seien, ist für ihn unbedeutend. Er sagt: “The division is between hideous boring things and exciting things.”

