vegetal0-550x309“Stühle wachsen nicht”, das schreibt der Kunst- und Designkritiker Thomas Wagner in einem Artikel über organoide Stuhldesigns auf der Internetseite der Designplatform Stylepark.com
Wagner bespricht darin unter anderem den neuen Stuhl “Vegetale” der Brüder Ronan und Erwan Bouroullec, die mit einer Arbeit auch in unserer Ausstellung “U.F.O. – Grenzgänge zwischen Kunst und Design” vertreten sein werden. Das folgende Video scheint dem Ausspruch des Rezensenten zu widersprechen: Stühle wachsen doch. Zumindest wenn man den Prozess des Entwerfens als eine Art kreatives Wachstum begreift.


Vegetal Chair from Ronan & Erwan Bouroullec on Vimeo.

Damit aber nicht genug, umgeben die beiden Designer Ronan und Erwan Bouroullec ihren Entwurf mit einer Erzählung von dessen Ursprung, die Thomas Wagner in dem oben genannten Artikel wiedergibt:

Was die Genese des Stuhl betrifft, so wird eine nette Geschichte erzählt: Es sei das Wissen um eine eigenwillige Technik gewesen, mit der im 19. Jahrhundert in Nordamerika junge Bäume während ihres Wachstums in die Form von Stühlen gebracht wurden, die die Designer auf die Idee gebracht habe, selbst einen Stuhl zu entwerfen, der aussehen sollte, als wäre er gewachsen.

Wird hier einem Designprodukt ein Mythos verpasst, um es werbekräftig zu inszenieren, oder erlangt der Stuhl durch die Geschichte einen Überschuss, der ihn aus dem Bereich der funktionalen Objekte hinüberreichen lässt in den Bereich der Kunst? Immerhin schlug der Kunstkritiker Matthew Collings in einem Gespräch mit dem israelischen Designer-Künstler Ron Arad als Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Disziplinen vor, dass Design eine Funktion, Kunst dagegen einen Mythos habe.

Im Fall der Stühle aus der Serie “Vegetale” zögert Thomas Wagner nicht, sie als Designobjekte einzuordnen. In einem Gespräch, dass wir mit ihm führten weist er darauf hin, dass Design ebenso wie Kunst immer mit derartigen Geschichten operiert hat. Es zeige sich daran jedoch, dass die Strategien, mit denen Kunst und Design Aufmerksamkeit erregen, ganz ähnliche sind.

Unser Interview mit Thomas Wagner wird in den kommenden Tagen hier auf diesem Blog gepostet. Der Chefredakteur des Designmagazins Stylepark spricht darin über die Verbindung zwischen Kunst und Design, die Aktualität einer Diskussion, die beide Disziplinen überspannt, und über die Medienpartnerschaft, in deren Rahmen Stylepark die Ausstellung “U.F.O.” im NRW-Forum kommuniziert.

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