
Untitled, 2008, MDF, Acryl, Polypropylen Bänder, 162 x 290 cm, Courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln
Ein Bildhauer sei er, sagt Jorge Pardo von sich selbst. 1963 in Havanna auf Kuba geboren, floh er später in die Vereinigten Staaten. Er studierte am Art Center of Design im kalifornischen Pasadena und lebt heute in Los Angeles. Dort steht auch sein Sculpture Studio, wo er Design, Architektur, Skulptur und Malerei eine neue Verbindung miteinander eingehen lässt. Pardo interessieren die Hinterlassenschaften der klassischen Moderne und der Designgeschichte, gleichzeitig aber auch die wichtigsten Zeugnisse der Konzeptkunst. Form, Farbe und vor allem Raumerleben sind für ihn vorrangig. Fast alle seine Arbeiten entstehen am Computer und werden in digital gesteuerter Produktion gefertigt. Pardo geht es bei seinen Installationen nicht nur um Präsentation und Gestaltung, sondern auch um die Frage, mit welchen Formen wir uns heute umgeben wollen.
Ausstellungen im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf:
U.F.O. – Grenzgänge zwischen Kunst und Design 23.05.2009–05.07.2009

Long Liquid Bench, 2007, poliertes Aluminum, 96,6 x 292,9 x 61 cm, Edition von 10, senkrecht gestellt. Courtesy Ross Lovegrove, Lovegrove Studio, London
Mit seinem Anspruch, die Grenzen zwischen Naturwissenschaft, Technologie, Design und Architektur zu überschreiten, versteht sich der 1958 in Wales geborene Ross Lovegrove eher als evolutionärer Biologe denn als Designer. Seinen Stil nennt er »organischen Essentialismus« – isomorphe, neo-organische Formen sind sein Markenzeichen. Nach einem Abschluss 1983 am Royal College of Art arbeitete Lovegrove zunächst als Designer für Frog Design. 1990 gründete er in London sein eigenes Studio. Sein Kundenstamm rekrutiert sich aus den Top-Unternehmen des internationalen Designs: darunter Namen wie Cappellini, Sony, Apple, Driade, Luceplan, Edra, Biomega, Moooi, Zanotta, Mandarina Duck, Kartell, Artemide oder Herman Miller.
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One and Three Chairs, 1965, Stuhl und zwei Fotovergrößerungen, Maße variabel. Courtesy Sammlung Paul Maenz, Berlin
Joseph Kosuth gilt als Vater der Konzeptkunst. Mit seiner Arbeit »One and Three Chairs« von 1965 wird zum ersten Mal ein Gegenstand in seinen verschiedenen Erscheinungsformen untersucht – als wirkliches Sitzmöbel, als Foto desselben und als Eintrag in einem Wörterbuch. Der Zuschauer ist gefordert, das Objekt für sich zu definieren und die Bedeutung von Sprache zu erkennen. Kosuth, 1945 in Toledo (Ohio) geboren, gilt als strenger Analytiker, der das Verhältnis zwischen Begriff und Wirklichkeit immer wieder neu ausgeleuchtet hat. Geprägt von den philosophischen Schriften Wittgensteins oder Textpassagen Freuds, Becketts oder Foucaults hat Kosuth Bilder für die Sprache gefunden und damit Denkprozesse visualisiert. Sein Einfluss – auch auf nachfolgende Generationen – ist immens. (Text: Ingolf Kern)
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Wintergarden Bench, 1980, 91,4 x 172,7 x 87,6 cm, Pinie, Edition von 17, Courtesy JGM.Galerie, Paris
Bunte Metallboxen, rhythmisch übereinander an die Wand gehängt oder einzeln im Raum platziert, könnten auch als Regalböden oder Couchtische durchgehen. Doch Donald Judds (1928-1994) »Spezifische Objekte« gehören zu den wichtigsten Kunstwerken des 20. Jahrhunderts. Anfang der 1960er Jahre erklärte der in New York lebende Amerikaner, dass nun endlich »Schluss mit dem Problem des Illusionismus« sein müsse. Traditionelle künstlerische Methoden wie das Ausbalancieren einzelner Bildelemente gegeneinander ersetzte er durch die Präsentation monochromer, geometrischer Objekte aus Metall, die nur sich selbst darstellten. Sie evozierten Industriematerialien und Massenproduktion – typische Eigenschaften des amerikanischen Zeitalters. Der Betrachter sollte sich auf Form und Farbe des Objekts konzentrieren anstatt Assoziationen aus ihm herauszuziehen. (Text: Ingolf Kern)
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Homework, Tower, 2007, Bronzeguss, Sockel aus Wenge, 113 x 51,5 x 51,5 cm, Edition von 5. Sammlung Groninger Museum, Groningen
Das belgisch-niederländische Paar Job Smeets (geboren 1970) und Nynke Tynagel (geboren 1977), beide Absolventen der Design Academy Eindhoven, zitiert gerne die handwerkliche Tradition und bekennt sich offen zu seiner Liebe zum Klischee. Bei den Objekten aus dem Studio Job stellt sich die Frage nach der Funktionalität nicht mehr: riesige Töpfe und Kannen, hochglanzpoliert auf teuren Sockeln, vergoldete Schränke oder Melkschemel, Spaten und Grabgabel aus makelloser Bronze laden nicht zum Gebrauch ein. Smeets und Tynagel spielen virtuos mit den ikonografischen Bildwelten der modernen Gesellschaft. Da finden sich schon einmal Spermien oder Totenköpfe als Dekor auf einem Porzellan-Service wieder oder eine Sammlung von unterschiedlichen Gerippen auf einer Tapete. Es verwundert nicht, dass die beiden Designer von sich selbst sagen, sie empfänden eine größere Nähe zu Jeff Koons als zu Philippe Starck. Zu den Kunden des Antwerpener Designstudios gehören Schwergewichte wie Moss, Bisazza, Royal Tichelaar, Swarovski oder Venini.
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Paravent, 2008, Stahl, 211 x 302 x 5 cm, Edition von 3, Courtesy The Sander Collection
Mona Hatoums Skulpturen wirken wie surrealistische Metaphern für verdrängte Ängste. Es scheint, als habe sie Marcel Duchamps »Flaschentrockner« mit der schlichten Ästhetik der Minimal Art gekreuzt. Die Objekte der 1952 in Beirut geborenen, in Berlin lebenden Künstlerin sind von einfacher Schönheit, doch voll brutaler Anspielungen. Es geht um Macht, Körper und Identität – Themen, die aus ihrer Studienzeit im London der 1970er-Jahre stammen. Heute schätzt man die erste international zu Renommé gelangte Künstlerin aus dem arabischen Raum für ihre mit scharfen Stahlschnüren bespannten Gitterbetten oder die unter Starkstrom gesetzte Wohnstube von der documenta 11. Hatoums Psycho-Skulpturen verweisen auf Entfremdung und Heimatlosigkeit, spielen mit dem Unbewussten und Unheimlichen durch eine einfache Verschiebung des Kontextes. (Text: Ingolf Kern)
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Iceberg, 2003, MDF lackiert, 208 x 268 x 200 cm, Edition von 6. Courtesy Sammlg. Anke Bornemann/Harald Seick, Designer's Gallery/Gabrielle Ammann, Köln
Zaha Hadid war die erste Frau, der die Ehre zuteil wurde, den Prizker-Preis, die höchste Auszeichnung in der Architektur, verliehen zu bekommen. Dabei gehört die 1950 in Bagdad geborene britische Architektin gar nicht zu den »Vielbauern« der Zunft. Aber Hadid ist ohne Zweifel eine der einflussreichsten Architekten unserer Zeit. All ihre Entwürfe – Gebäude, Möbel, Interiors, Gebrauchsgegenstände – zeichnen sich durch eine radikale Konsequenz aus. Geprägt durch ihr Studium an der Londoner Architectural Association (mit Lehrern und Kommilitonen wie Koolhaas, Libeskind, Alsop oder Tschumi) und von ihren Vorbildern, den russischen Suprematisten und Konstruktivisten Malewitsch und El Lissitzky, entwickelte sie eine starke eigene Handschrift – eine neo-modernistische Architektur mit multiplen Perspektiven und fragmentierter Geometrie. Wände, Decken, oben, unten, rechte Winkel: alles scheint bei ihr in Frage gestellt und zu einem, wie sie selbst sagt, »neuen Fluid, einer neuen Räumlichkeit« verschmolzen zu werden.
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Missing Object, 2004, Struktur von 9 Elementen aus geöltem Eichenholz, 40 x 40 x 20 cm, Edition von 30. Courtesy Konstantin Grcic
Konstantin Grcic gilt als eigenwilliger Design-Minimalist. 1965 in München geboren, studierte er, nach einer Möbelschreinerausbildung am Parnham College, Design am Royal College of Art in London. Es folgte eine kurze Zeit als Assistent von Jasper Morrison und 1991 die Gründung des eigenen Designbüros (KGID) in München. Grcics Entwürfe sind am besten als minimalistisch, simpel oder gar karg zu beschreiben. Auf ironische und humorvolle Weise enthalten sie oftmals nur die allernotwendigste Struktur, um das darzustellen, was sie sein sollen. Konstantin Grcics Kunden gehören zum Who is Who der Designhersteller: Agape, Authentics, Driade, Flos, Muji, Moroso, Vitra, Plank oder Thonet sind nur einige von ihnen.
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Multiplied Discussion Structure (Bench), 2007, pulverbeschichtetes Aluminiumrohr, drei Farbversionen, 41 x 245 x 61 cm. Courtesy Edition Schellmann Furniture, München
Der britische Künstler Liam Gillick (geboren 1964), der in diesem Jahr den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielen wird, ist bekannt für seine farbigen, eleganten Raumkonstruktionen aus Plexiglas und Stahl. Zwischendecken, Raumteiler, Pinboards – seine Interventionen ähneln Designkonzepten á la De Stijl und Bauhaus. Gillick zeigt, was die Idee der Moderne übrig ließ: Fertigmodule, Stellwände, Büroboxen. Seine Arbeiten sind assoziativ aufeinander bezogen und wollen zum Dialog anregen – so dürfen sich Besucher seiner Ausstellungen auf, neben und unter den Modulen versammeln und diskutieren, konferieren, schwadronieren. Die Installationen, die perfekt in den Eingangsbereich von Firmenlobbys passen würden, visualisieren Gillicks Idee bisher ungeschriebener Romane, in denen weniger bekannte historische Figuren wie etwa Erasmus Darwin, der ältere Bruder von Charles, auftauchen und neue Möglichkeiten des Handelns innerhalb unserer Gesellschaft aufzeigen.
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A 100 Chairs in 100 Days, 2007, Rosso Nero (5. Januar 2006). Courtesy Nilufar Gallery, Mailand, Martino Gamper, London
Wahrscheinlich ist die Lehre als Schreiner Schuld daran, dass der 1971 in Meran (Italien) geborene Martino Gamper eine so große Liebe zu Ecken hat und so viel Gefallen an den Emotionen findet, die durch die Grenze, die ein rechter Winkel setzt, entstehen. Gamper interessiert sich für die psychosozialen Aspekte des Designs. Er beschäftigt sich mit ungenutzten Räumen und mit unerwünschten Objekten. Seine Umarbeitungen von Möbelentwürfen anderer Designer oder von Stücken, die er vom Müll gerettet hat, bilden eine zusammengewürfelte Objektfamilie, in der dennoch jedes Mitglied eindeutig ein »Gamper« ist. Hinter jedem von Gampers Stücken steckt eine Geschichte, die Material, Techniken, Menschen und Orte einbezieht. Das fertige Objekt ist eine Quintessenz aus dem allem. Martino Gamper studierte Skulptur und Produktdesign an der Akademie für Angewandte Künste in Wien und am Royal College of Art in London.
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