
Für die cultural omnivores unter unseren Lesern gibt es auf misscreativeclassy ein wunderbares Interview von Eva Kaczor mit Jan Joswig. Der Publizist, Kurator, Art Director, DJ, De:Bug-Redakteur … wünscht sich selbst, eine Art universal gebildeter Weltbürger zu sein – in Zeiten hoch entwickelten Spezialistentums weitet sich da unverhofft der Horizont. Unten ein Ausschnitt aus dem Interview, das vollständig hier zu lesen ist.
WAS FASZINIERT DICH?
Ich habe mal für das ZOO Magazine über mich selbst geschrieben: „I prefer interesting people doing boring stuff to boring people doing interesting stuff“. Ich finde es extrem spannend zuzugucken, welche Menschen sich zu welchen Dingen wie verhalten.DU HAST SCHON RECHT FRÜH DEN WUNSCH GEHEGT, EINE ART UNIVERSAL GEBILDETER WELTBÜRGER ZU WERDEN. WIE KAM DAS?
Ich war als Schüler der totale REINBUDDELNERD und habe unter den Begrenzungen gelitten, die das mit sich brachte: Wir waren eine typische Jungsclique, die mit extremen Musik-Spezialwissen um sich schmiss. Alles was von aussen kam konnten wir nicht honorieren. Wenn z.B. ein Mädchen das zehnte Bootleg unserer psychedelischen Gitarrenrocksachen nicht kannte, dann nahmen wir ihren Beitrag schon nicht mehr ernst.
Mein OFFENBARUNGSERLEBNIS kam als meine Heimatstadt Kiel immer enger wurde: entweder ich wäre explodiert oder ich ging…nach Berlin. Seitdem habe ich nie wieder was mit mehr als zwei Jungs gleichzeitig gemacht…WAS IST SEITDEM MIT DIR GESCHEHEN?
Ich habe mir ein NETZ AUS WISSEN aufgebaut, das eine gewisse Aufgehobenheit schafft. Die Sachen stehen dann nicht so vereinzelt herum, sondern bilden ein Netz, in dem man sich bewegen kann. Es muss gar keinen Mittelpunkt haben, aber man kann Verknüpfungen aufbauen und Dinge zusammen bringen, die eigentlich total fern voneinander zu liegen scheinen. Das macht es KOMPLEXER aber auch BEWEGLICHER.
Jan Joswig schreibt unter anderem für die taz und Die Zeit und hat eine Kolumne auf fashionlab. Alle Fotos © Yuna Yagi

Visions in an Absolute World: Style-Blogger auf Vogue TV
Wer für seine tägliche Dosis an Inspiration auf die Looks gekonnter Streetstyle-Fotos setzt und gerade Zeit für einen Trip nach München hat, sollte sich dort in der Temporary Gallery die Ausstellung “Visions – In an Absolute World” anschauen. Die 121 Arbeiten von elf internationalen Stil-Bloggern – darunter Bryanboy, Facehunter, The Cobrasnake, Glamcanyon, f&art, der Styleclicker und Les Mads, sind noch bis zum 24. Juni zu sehen. Zur Eröffnung war ein Kamerateam von Vogue TV vor Ort und befragte die versammelte Blogger-Elite nach ihren persönlichen Vorlieben und dem eigenwilligen Style der Straße.
Das Video gibt es hier, Bilder von der Vernissage – aufgenommen natürlich von den Bloggerinnen und Bloggern selbst – hier und hier und hier.
Die Straße – der größte Catwalk der Welt

Foto: Katja Hentschel
Einst waren es ausschließlich die großen Modezeitschriften, die Trends aufspürten, oder besser: sie verkündeten. Mit Streetstyle- und Modeblogs scheinen sich die Verhältnisse demokratisiert zu haben. Der Style geschieht auf der Straße, und es sind die Modeblogger, die ihn zeigen und übers Internet verbreiten. Die bekannteren unter ihnen wie The Sartorialist, Glamcanyon oder Facehunter sind mittlerweile feste Größen im Geschäft, sitzen selber in den Frontrows der Catwalk-Shows und liefern den Designern durch ihre Bilder von der Straße, dem größten Catwalk der Welt, neue Inspiration. So erlauben ihre täglichen Impressionen vielleicht auch einen Blick auf zukünftige Entwicklungen in der feinen Couture.
Nokia, der Kooperationspartner unserer Ausstellung Catwalks, hat im Rahmen dieser Zusammenarbeit einige der stilbildenden Streetstyle-Fotografen dafür gewinnen können, den Look in ihrer jeweiligen Umgebung exklusiv für Catwalks festzuhalten. Die Ergebnisse werden während der Ausstellung im Café des NRW-Forum gezeigt.
Ein sehr schönes Interview mit Katja Hentschel, einer der kooperierenden Modebloggerinnen, gibt es auf dem auch sonst sehr lesenswerten Fashionblog des Handyherstellers. Die Betreiberin des Streetstyleblogs Glamcanyon spricht darin über die Kunstform des Streetstyle-Fotos und den Einfluss einer Kreativität der Straße auf die Entwürfe der großen Designer.
Nach dem Sprung gibt es weitere Bilder: weiter »
Catwalks – die spektakulärsten Modenschauen

2005 feierte das Haus Dior seinen 100 Geburtstag mit einer so opulenten wie spektakulären Modenschau. © Dior
Der Begriff des Spektakels fällt schnell, wenn man heute über Mode spricht. Auf den weltweit abgehaltenen Fashion Weeks überbieten sich Halbjahr für Halbjahr die Top-Designer mit der Inszenierung ihrer Kreationen. Immer selbstverständlicher steht dabei nicht mehr die Mode selbst im Mittelpunkt, sondern deren Darstellung auf dem Laufsteg. Ob Alexander McQueens dramatische Inszenierungen, die grandiose Märchenwelt zu Diors Jubiläum, Dries van Notens festlich gedeckter Dinner-Table als Laufsteg oder John Gallianos künstlicher Schneesturm: Durch Bühnenzauber werden die Affekte der Zuschauer verstärkt und Kleidsames erlangt die Aura des Einmaligen.
Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass Mode schon seit jeher mit dem Spektakel auf der Bühne verknüpft war, zunächst an den europäischen Adelshöfen, dann auch an einem zentralen Schauplatz bürgerlicher Selbstdarstellung, den Theatersälen des 19. Jahrhunderts. Mode also als ein Inbegriff des Spektakulären: das wollen wir ab Ende Juli in unserer Ausstellung Catwalks erfahrbar machen. In 3-D-Videoprojektionen werden wir die im Wortsinne spektakulärsten Modenschauen der vergangenen Jahre in Szene setzen und den Besucher zu einem Teil des “Théâtre de la Mode” werden lassen.
Clemens Weisshaar im Interview mit Frame Magazine
Nach dem Interview, das das Design-Magazin Frame anlässlich unserer Ausstellung U.F.O. mit Richard Prince geführt hat, hier noch der Auszug aus einem weiteren Gespräch von Frame mit dem Münchner Designer Clemens Weisshaar über sein Verhältnis zur Kunst und zum Design:
Frame: The U.F.O. exhibition focuses on the question: Where does design end and art begin? Do you have an answer?
Clemens Weisshaar: I grew up in a country [Germany] where the separation of arts – Trennung der Künste – has been celebrated with almost religious bigotry. Today we can happily report that a lot of interaction, cross pollination and osmosis is occurring among the sometimes overlapping fields and subcategories that exist within art, architecture, design, fashion, sciences, etc. It is at the intersections of the various fields that some of the most interesting work is being produced.
Hier das vollständige Interview.
Skate Study Houses – Designklassiker aus Skateboarddecks

Stax, Skate Study Houses, 2008
Stuhl erkannt? Ganz recht, es ist nicht nur das edle Walnussfurnier, dass einen bei diesem Entwurf des Designers Gil Le Bon De LaPointe an Möbel von Charles Eames denken lässt. Zusammen mit seinem Kompagnon Pierre Andre Senizergues hat De LaPointe den ikonischen Lounge Chair Wood des großen Designers nachempfunden. Und zwar mithilfe von Skateboarddecks.
Die Konzeptmöbellinie mit dem (lustig) klingenden Namen Skate Study Houses wurde 2008 erstmals vorgestellt. Die Referenz im Namen ist Programm: Wie in der Serie von Musterhäusern, die zwischen 1945 und 1966 im Großraum von Los Angeles durch einige der bekanntesten Architekten und Designer jener Zeit verwirklicht wurde, setzt man bei den Möbeln auf die klaren Formen der kalifornischen Nachkriegsmoderne – und verknüpft das Ganze mit den Wurzeln der designaffinen Skateboardkultur.
Und da es heute im Design um Nachhaltigkeit geht, werden die neuesten Entwürfe von De LaPointe aus Abfall hergestellt: Die Verschnittreste aus der Skatboardproduktion lassen sich hervorragend zu Regalen stapeln und zu Tischen kombinieren. Und das Schöne daran: Jedes Stück ist ein Original:

Cobble Chair, Skate Study Houses, 2009
Weitere Bilder nach dem Sprung:
Richard Prince im Interview mit Frame Magazine
Das Interiordesign-Magazin Frame hat anlässlich unserer Ausstellung U.F.O. ein Interview mit Richard Prince geführt und ihn zum Verhältnis von Design und Kunst befragt. Hier ein Auszug:
Frame: What do you think of design entering the art world?
Richard Prince: The next environment. Great art. Great books. Great furniture. Great house. I look at furniture in a completely different way now. For me, it has more of a future.What kind of future is that?
There will always be beautiful objects – anything from a piece of jewellery, a sofa or a chair to the first issue of Mad magazine in a plastic case. Whether it lasts or not depends on the plastic case.
Das vollständige Interview gibt es hier.

Kodustuhl, 1999, Eisen, Holz, Schaumstoff, Leinen, Baumwolle, 88 x 46 x 54 cm, Courtesy Franz West und Galerie Eva Presenhuber, Zürich
Er hat die Grenze zwischen freier und angewandter Kunst früh eingerissen, um aus beidem etwas Neues entstehen zu lassen. Seine Möbel-Skulpturen machten den 1947 in Wien geborenen Künstler bekannt. Nicht immer sieht man seinen Sofas, Kommoden, Hockern oder Liegen an, daß sie aus der Recyclingwerkstatt des Franz West stammen. Der Österreicher legt es darauf an, daß seine Objekte benutzt und damit dem Körper angepasst werden. Das war auch beim Wiener Aktionismus nicht anders, dessen Tradition sich Franz West verpflichtet fühlt. Seine biomorphen Gebilde, besonders die auf den menschlichen Körper bezogenen »Passstücke«, zählen mittlerweile zu den wichtigsten bildhauerischen Arbeiten der Gegenwartskunst.
Ausstellungen im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf:
U.F.O. – Grenzgänge zwischen Kunst und Design 23.05.2009–05.07.2009

Bella Brigitta 2007, Polyester, handbemalt, 150 x 176 cm, aus der Serie »personal editions«, Courtesy Marcel Wanders Studio, Amsterdam
Bei seinen Entwürfen, so Marcel Wanders, denke er oft an das Bild einer schlafenden Schönheit in einem rosenumwucherten Schloss, die nach hundert Jahren Schlaf plötzlich aufwacht und verwundert durch die von ihm geschaffenen Räume geht. Seine Interieurs sind eher Installation als Inneneinrichtung – sie sind fließend, floral, sinnlich, besitzen eine fast königliche Haltung und erinnern an komplexe Bühnenbilder oder an Stillleben alter holländischer Meister. Wanders, 1963 in Amsterdam geboren, ist Absolvent der Kunstakademie in Arnheim und durch und durch Humanist. Funktionalität und Reduktion haben für ihn kein Primat; er will der Seele schmeicheln. Wanders ist Mitbegründer und Artdirector des Möbelherstellers Moooi, betreibt in Amsterdam ein Designstudio und arbeitet unter anderem für Droog, Bisazza, Moroso, Puma und Apple. Seine Hoteldesigns für die Mondrian-Hotelgruppe sind legendär.
Ausstellungen im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf:
U.F.O. – Grenzgänge zwischen Kunst und Design 23.05.2009–05.07.2009

Untitled (Daybed Coffin), 1989, Holz, Mies van der Rohe Liege »Barcelona«, 176,2 x 257,8 x 208,6 cm, Collection Fond régional d'art contemporain Bretagne
Mit dem Versuch, Alltagsobjekte als schillernde Ware zu präsentieren, wurde der Künstler Haim Steinbach bekannt. 1944 in Israel geboren, ging er nach dem Studium nach New York, um aus Staubsaugern, Sportbällen und Spielzeugbaggern Ausstellungsstücke zu machen. Steinbach bezieht sich in seinen Kompositionen bewusst auf Pop- und der Minimal Art, seine Arbeiten selber sind eher der Appropriation Art zuzurechnen. Sein Ziel ist es, den Betrachter als Konsumenten anzusprechen und »eine Reihe bedingter Reflexe« in ihm auszulösen. Dem Künstler, der bereits zweimal auf der documenta vertreten war und auch auf der Biennale in Venedig ausstellte, geht es in seinen anspielungsreichen Alltagsgegenständen um Fragen von Begierde, Besitz und Befriedigung. (Text: Ingolf Kern)
Ausstellungen im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf:
U.F.O. – Grenzgänge zwischen Kunst und Design 23.05.2009–05.07.2009

