Antibodies – Fernando und Humberto Campana im Vitra Design Museum

Fernando und Humberto Campana, Cartoon Chair: Mickey, Minnie, Pluto, 2007
Sie setzen Holzabfälle zu Stühlen zusammen, weben Sessel aus Resten von Tau und lassen uns auf Plutos und Mickey-Mäusen aus Plüsch Platz nehmen: Die beiden Brüder Humberto und Fernando Campana gehören mit ihren eigenwilligen Design-Kreationen zum Jetset ihrer Zunft. Dabei sind die Materialien, die sie für Ihre Entwürfe verwenden, alles andere als glamourös: Die Holzleisten aus Karibischer Kiefer, aus denen ihr “Favela Chair” zusammengestückelt ist, dienen in den Elendsvierteln ihrer Heimatstadt São Paulo als Gerüst für schnell errichtete Unterkünfte, die ebenso schnell wieder verschwinden können. Und mit dem Tau werden Plastikplanen als Wetterschutz für die Wohnverschläge festgezurrt. Die Plutos und Mickey-Mäuse ihres “Cartoon Chair” schließlich mögen ein niedlicher Verweis auf kindliche Kuschelwelten sein, aber als Disney-Plüsch-Produkte erzählen sie auch etwas über den Verlust der Kindheit in einer globalisierten Welt.
Mit solcherart tiefgründigen Sitzgelegenheiten gelten die beiden Designer, die als Architekt und als Jurist über Umwege zu ihrer Disziplin gelangten, nicht umsonst als Protagonisten einer Tendenz zum küstlerischen Design. Sehr früh haben sie auch begonnen, limitierte Editionen herzustellen, was bei ihnen allerdings dem Produktionsprozess geschuldet ist. Alle ihre Entwürfe werden in Einzelarbeit mit traditionellen Handwerkstechniken in ihrer Werkstatt angefertigt.

Blick ins Studio der Campana-Brüder (© Estudio Campana)
Anders also als Designer wie Reed Kram und Clemens Weisshaar, die limitierte Auflagen ihrer Entwürfe durch komplizierte Computeralgorithmen generieren und sie so für die industrielle Massenproduktion erschließen, arbeiten die beiden Campanas noch eher althergebrach wie Künstler oder Handwerker in ihrem Atelier.
Die Ausstellung “Antibodies” – ihre erste große Werkschau – im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, zeichnet nun das Schaffen der beiden Brüder bis in seine Frühzeit nach. Dabei legt man besonders großen Wert darauf, die handwerkliche Tradition im Werk der beiden aufzuzeigen. In einem Video erklärt der Kurator der Ausstellung Matthias Schwartz-Claus unter anderem, warum Humberto und Fernando Campana gerade in einer globalisierten Welt für Designer ein Vorbild sein können.
Und hier gibt es noch zwei Interviews mit den Künstlern selbst.
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