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“Es sind Gebäude wie diese, die den Menschen den Atem stehlen.” Gesprochen wird dieser Satz von einer Katze, einem Teil der Installation, mit der der britische Künstler Liam Gillick ab heute den deutschen Pavillion auf der Kunstbiennale in Venedig bespielt. Die sprechende Katzennachbildung sitzt auf einer modular aneinandergereihten Einbauküche aus hellem Fichtenholz, die sich durch den Haupt- und die zwei Nebenräume des in den 1930er-Jahren von den Nationalsozialisten aufgeprotzten Gebäudes ziehen.

Wie die Künstler in den Jahren zuvor setzt sich damit auch der Brite Gillick mit der Geschichte des deutschen Pavillions auseinander. Und zwar indem er die Architektur der menschenverachtenden Naziutopie mit der demokratischen Utopie einer industriellen Moderne konfrontiert. Denn Gillicks Endlosküche nimmt Bezug auf einen Markstein des Produkdesigns: die “Frankfurter Küche” der Gestalterin Margarete Schütte-Lihotzky. Diese beschäftigte sich mit der Frage, wie man durch richtigen Wohnungsbau der Frau im Haushalt Arbeit ersparen könne. Als ein Ergebnis ihrer Überlegungen präsentierte sie im Jahr 1927 den Vorläufer unserer modernen Einbauküche, der bald darauf in Massenproduktion rund 10000 Mal hergestellt wurde.

Was aber emanzipatorische Ziele hatte, stützte letzlich auch ein Rollenverständnis, in dem die Frau auf ihren Platz in der Küche festgelegt war. Das aus heutiger Sicht etwas spießige Bild von der glücklichen Hausfrau, die in ihrem ergonomisch optimierten Küchenreich waltet, wäre ohne diese Erfindung Schütte-Lihotzkys nicht denkbar gewesen. Und hier kreuzen sich vielleicht sogar die Utopien: Der Muttertag, in dem das Bild ein wenig nachlebt, ist bekanntermaßen eine Erfindung der Nationalsozialisten.

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