Im Gespräch mit Luca Gadjus | „Wir rannten, haben getanzt, sind gefallen …“
In unserem letzten Post haben wir schon darauf verlinkt, hier das Interview mit Luca Gadjus noch einmal vollständig, weil es so schön ist und weil Julia Christian von fashionlab es uns dankenswerteweise zur Verfügung gestellt hat:
Luca Gadjus ist Muse und Mutter. Ersteres von Karl, Letzteres von Gustav. Die gebürtige Hamburgerin zählt zu den meistgebuchten deutschen Models, unterschrieb mit 17 Jahren einen Prada-Exklusivvertrag und ist der Modebranche gegenüber so unaufgeregt, wie es sich Roger Willemsen von Heidi Klum wohl beim Nachtgebet wünscht. Keine Vermarktungsmaschinerie, fast keine öffentlichen Auftritte, nur ihr feenhaft entrücktes Gesicht mit den stahlblauen Augen auf Covern von Vogue oder Harper’s Bazaar, in Kampagnen von Hussein Chalayan oder Louis-Vuitton-Kampagnen oder auf dem Laufsteg bei Balenciaga, Alexander McQueen oder Chanel. Anlässlich der Ausstellung „Catwalks“ im NRW-Forum sprachen wir mit der 25-Jährigen über Mood-Whisperer, die spektakulärsten Laufstege und antike Masturbationsaccessoires.
Wo bist Du geboren? Hätte es einen besseren Ort gegeben?
In Hamburg-Barmbek. Genau richtig.
Nenne uns deine liebsten Fashionitems.
Antiker Fingerschmuck zum Masturbieren; ein Kleid mit Karussell im Bauch und Spitzenschuhe mit Absatz, in denen man nur sitzen oder liegen kann.
Was war der surrealste Moment deiner bisherigen Karriere?
Eigentlich komplett erledigt nach 37 Stunden Reise aus New York mitten im Busch in Kenia aus einer Propellermaschine zu steigen – und sich zu Hause zu fühlen.
Die spektakulärsten Catwalks für die Du bisher gearbeitet hast?
Meine definitive Lieblingsshow war Alexander McQueens S/S 2004. Die Show war inszeniert wie der Tanzwettbewerb in Pollacks’ „They shoot horses, don’t they?“. Wir rannten, haben getanzt, sind gefallen, stolpert, schleppt…. toll. Außerdem die Dries van Noten Show, anlässlich seines Jubiläums: es gab ein großes Dinner an einer irre langen Tafel –als Dessert liefen wir unter den Kronleuchtern über den Tisch. Und dann noch eine Boss Show in Berlin im alten Postbahnhof. Der, Hintergrund einfahrende ICE (zum Ostbahnhof) war der Start der Show, dann liefen wir durchs Wasser, alle Schuhe gingen kaputt und die Party danach war berauschend

Glaubst Du, Catwalks und deren opulente Inszenierung sind inzwischen wichtiger als die Mode selbst?
Im günstigsten Fall ergänzen sich Mode und Show. Ich mag ganz simple minimalistische Shows, wie die von Balenciaga, die sich auf die Mode konzentrieren genauso wie aufwendige Shows…und alle bei denen viel Adrenalin dabei ist.
Wie wichtig ist die Musik? Und welche eignet sich am besten zum Laufen?
Musik ist wichtig. Sie trägt viel zur Atmosphäre bei und Takt hilft beim Laufen. Yohji Yamamotos Schauen sind manchmal ohne Musik, das ist sehr speziell. Man hört nur die eigenen Schritte und die klickende Fotografenfront am Ende des Laufstegs.
Bleibt überhaupt Zeit, sich mit dem Kollektions- und Showkonzept jedes Designers zu beschäftigen?
Für fast jede Show bekommt man ein kurzes Briefing zur Idee, ein Moodboard hängt meist am Eingang zum Catwalk und beim Fitting bekommt man ein Gefühl für die Kollektion. Mehr ist nicht nötig. Einer meiner Lieblings Make-up Artisten, James Kaliardos ist mein persönlicher Mood-Whisperer: Er denkt sich jedes Mal für mich ein Thema aus, zu dem ich laufen soll, das macht am meisten Spaß.
Was hältst Du von der Entwicklung, Kollektion nicht mehr physisch auf dem Laufsteg zu zeigen, sondern als Bewegtbild? So wie man das in der letzten Saison bei Gareth Pugh oder Boudicca sah?
So lange ich weiterhin Teil davon bin, ist mir alles recht.
Was hasst Du an deiner Arbeit? Was liebst Du?
Ich liebe und hasse Windmaschinen, auf Locations zu fotografieren, Haare im Gesicht, die Freiheit, die der Job mir lässt, die Unberechenbarkeit des Jobs, das Fliegen und die Suche nach einem Moment – dem Besonderem.
Welchen Look bevorzugst Du privat?
Gummistiefel und Jogginghose und einen Mann, der einen glauben lässt, man sähe darin vortrefflich aus.
Was macht Dich glücklich?
Chips mit Joghurt
Interview: Julia Christian
Tags: Alexander McQueen, Catwalks, Interview, Luca Gadjus
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