QetYBVC4rqgo5c25Wf6Gknh5o1_500

Im Jubiläumsjahr von Darwins “Entstehung der Arten” erinnert uns der Jeanshersteller Wrangler mit seiner (leider nur in Frankreich und auch schon vor ein paar Monaten) lancierten Kampagne “We are animals” an unseren eigenen Ursprung. Der Fotograf der Bilder, Ryan McGinley, sucht die Wurzeln der Menschheit allerdings entgegen Darwins vorsichtiger Spekulation auf einer etwas tieferen Etage im Geäst der Evolution: Bei den Amphibien und Reptilien.

QetYBVC4rqgo2b21hzfrBLb5o1_500

Es muss ein grauer, regnerischer Tag gewesen sein, als der Mensch sich aus dem Krokodil entwickelte. Die ersten Exemplare unserer Art lagen offenbar noch faul im Uferschlamm und lauerten auf Beute, den Oberkörper ins trübe Wasser getaucht, während die Hinterbeine auf festem Boden ruhten, um den Körper dann unerwartet plötzlich ins Wasser schnellen zu lassen.

Aber Spaß beiseite, Ryan McGinleys fantastische Bilder von halb bekleideten schönen Models, aufgenommen wie für McGinley typisch in unspektakulären Landschaften (und diesmal meistens im Wasser), sind die gelungene Visualisierung einer Kampagne, mit der die amerikanische Jeansmarke in Europa Fuß fassen will. Wie ihr Macher Fred Raillard in einem erhellenden Videointerview erklärt, bestand die Aufgabe darin, das in den USA erfolgreiche Cowboy-Image an den Gusto des europäischen Kulturmenschen anzupassen. Und die Lösung war ein einfacher Dreh: nicht der Cowboy soll im Zentrum stehen, sondern das Vehikel seiner Existenz, das Tier. Und so wie McGinley die Idee in seinen Fotos übersetzt, möchte man Wrangler beinahe dankbar sein, dass es damals, an jenem regnerischen Tag, schon feste Jeanshosen gab.

Beim diesjährigen Werbefestival in Cannes wurde die Kampagne mit dem Goldenen Löwen in der Kategorie Print ausgezeichnet.

Nach dem Sprung mehr Fotos und zwei Videos.

weiter »

Post to Twitter Tweet This Post

152_Stahl 86

Übermalungen eines Drehbuchs, 2008 © Armin Mueller-Stahl

„Das Malen, Schreiben, Musizieren und die Schauspielerei gehören für mich einfach zusammen.” Das sagt Armin Muelller-Stahl von sich, der vor allem durch sein nuanciertes Schauspiel international bekannt geworden ist, sein nicht minder facettenreiches bildkünstlerisches Werk aber erst seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit zeigt. Wie sehr die verschiedenen Medien im Werk des vielbegabten Künstlers ineinandergreifen, sieht man eindrucksvoll an seinen Übermalungen von Drehbüchern, die oft während der Drehtage und im Anschluss daran entstehen und direkte Reaktionen des Malers auf die Erlebnisse des Schauspielers Armin Mueller-Stahl darstellen.

Vom 16. August an sind nun 173 von insgesamt 357 Übermalungen des Drehbuchs zu Heinrich Breloers Verfilmung der Buddenbroks bei uns im NRW-Forum zu sehen. In dem epochalen Film verkörpert Armin Mueller Stahl die Figur des Johann Buddenbrook. Breloer selbst war von der wahren Bilderflut vollkommen überrascht: “Wir hatten es nicht bemerkt. Von allen hat er offenbar ein ‘inneres Bild’ mit nach Hause genommen, das er dann auf einem Blatt umsetzte”, schreibt er in dem umfangreichen Kunstbuch, das zum Buddenbrooks-Projekt erschienen ist.

Weitere Übermalungen nach dem Sprung: weiter »

Post to Twitter Tweet This Post

Chanel_Resort

© Chanel 2009

Über dreihundert geladene Gäste versammelten sich im Mai diesen Jahres am Lido von Venedig zum Defilee. In Sonnenstühlen machten sie es sich bequem, während ein Streicherduett im Frack sein Spiel begann, untermalt vom Meeresrauschen und beschienen von der untergehenden Sonne, die einen schier endlosen Plankenweg mit goldenem Glanz überzog.

Eine stimmungsvollere Kulisse konnte man sich für eine Chanel-Modenschau kaum wünschen, aber es war ja nicht nur das: Kulisse. Denn Karl Lagerfeld verwob hier die Entwürfe seiner Frühjahr/Sommer-Kollektion 2010 über verschiedenste Bezüge mit dem Ort ihrer Präsentation – und schuf so ein glamouröses Gesamtkunstwerk: Auf Thomas Manns “Tod von Venedig” wurde angespielt, den Karneval, die Gondolieres, das Symbol des goldenen Löwen, aber besonders auf einen wichtigen Abschnitt in der Biographie Coco Chanels, die an dieser Stelle von 1919 an über Jahre hinweg ihre Sommermonate verbrachte und nun an allen Ecken und Enden der Kollektion als Bezugspunkt wieder auftauchte.

Er habe hier kein Kostümfest veranstalten wollen, kommentierte Lagerfeld, vielmehr sei es ihm um die Caféhaus-Atmosphäre der dreißiger Jahre gegangen, und um das Leben, das Coco Chanel an diesem Ort geführt habe und das nun vergangen sei. Von der poetischen Kraft dieser Schau schwärmten am Ende alle Rezensenten, und Karl Lagerfeld hatte wieder einmal bewiesen, dass große Mode heute immer auch große Inszenierung ist.

Der Designer, dessen Modearbeiten noch nie zuvor in einer Ausstellung zu sehen waren, hatte erst zwei Wochen vor Eröffnung von “Catwalks” einer Präsentation der Schau auf großer Leinwand zugestimmt. So kommt nun auch der Ausstellungsbesucher in den Genuss von Lagerfelds Poesie, Meeresrauschen inklusive.

Post to Twitter Tweet This Post

Danke, Fashion Week Daily! Hier die ganze Rezension:

Catwalks Revisited
German Vogue and Alex de Betak put on the greatest fashion show exhibit at NRW cultural center in Düsseldorf

Fashion Week Daily, Friday, July 31, 2009

(NEW YORK) Oddly enough, Düsseldorf is housing the most exciting fashion exhibit up anywhere in the world right now. German Vogue and industry maestro Alex de Betak have teamed up in envisioning The Catwalks. The show just opened at NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf and will run through November 1. The exhibit highlights about a dozen of most spectacular fashion shows over the last three decades. The visitors can relive memorable showings by Alexander McQueen, Chanel, and Dries van Noten in a never-before seen 3D spectacle complete with video projections and multimedia installations. De Betak’s own work like Dior’s unforgettable anniversary effort and most recent John Galliano show are also featured.
VALENTINE UHOVSKI

Post to Twitter Tweet This Post

Rodarte_SS_2009

Videostill © Rodarte

Was fängt man an als Geschwisterpaar mit Studienabschlüssen in Literatur und Geschichte einer kalifornischen Elliteuniversität? Man zieht zurück ins Elternhaus – und gründet ein Modelabel. So jedenfalls haben es die Schwestern Kate und Laura Mulleavy gehalten, die beiden Köpfe hinter dem amerikanischen Modewunderlabel Rodarte.

Ihre Schneiderkenntnisse haben sie angeblich beim Sezieren eines Dior-Kleides erworben, aber ihre Obsession für Vielschichtiges scheint noch aus Studientagen herzurühren: Die Entwürfe der Mulleavys bestechen durch das Schichten und das ungewohnte Kombinieren von Stoffen, und im übertragenen Sinne gilt das auch für die Inszenierung ihrer Kollektionen. Erzählstoffe sind es hier, die, aus ihrem Kontext gelöst und überraschend wieder zusammengefügt, die Catwalkschau zu einem räumlichen Kunsterlebnis werden lassen.

Besonders intensiv war das zu spüren bei ihrer Frühlings/Sommer-Schau 2009 in der New Yorker Gagosian Gallery, die erste Station in unserer Ausstellung Catwalks. Inspiriert wurden die Mulleavys durch ein Foto von Boris Karloff als Patchworkmonster Frankenstein sowie die Ansicht eines in der Mitte zerteilten Mehrfamilienhauses von dem amerikanischen Konzeptkünstler Gordon Matta-Clark, der mit seinen Gebäude-Dekonstruktionen völlig neue Sichtweisen auf Architektur ermöglichte. Und was sich an den präsentierten Flickenkleidern in Form von faltig eingenähten Lederlappen zeigte, wurde in den Räumen der Star-Galerie durch einen Wanddurchbruch im Stile Matta-Clarks verstärkt. So sah das Publikum durch die Lupe architektonischer Dekonstruktion auf kunstvoll konstruierte Kleider, die eine wunderbare, dabei leicht morbide Eleganz besaßen.

Inszeniert wurde das Spektakel von Alexandre de Betak, der auch das Creative Design unserer Ausstellung besorgte – und dafür den Wanddurchbruch wiederholte: weiter »

Post to Twitter Tweet This Post

Vor einiger Zeit hatten wir von einem Fotoshooting Michel Comtes mit Michael Schumacher berichtet. Die Arbeit stand in Zusammenhang mit einer Reihe von Werbespots des Mineralwasserherstellers Rosbacher, für den der Ex-Rennfahrer als Markenbotschafter tätig ist. Auf YouTube gibt es nun ein Video vom Making-of der Spots: Schumacher beim kunstschweißtreibenden Sandsackboxen und wie er einen Fußball in die Scheinwerfergalerie donnert.

Post to Twitter Tweet This Post