111 Jahre Frisuren

27.10. 2009
Kategorie: welovehair

Eine haarsträubende, haarscharf recherchierte Chronik, die unter die Kopfhaut geht, die Gelegenheit beim Schopf greift und jedes Haar spaltet.

1898
Anfangen, wo es anfängt: Hans Schwarzkopf legt den Grundstein für sein Imperium. Das Shampoo wird unentbehrlich

1900
Der Föhn erblickt das Licht der Welt. Er ist 2000 Gramm schwer und schon bald 300 Watt stark. Seine Mutter AEG gibt ihm 1909 seinen endgültigen Namen

1906
Auf dem Friseurstuhl sitzend schreit Katharina Laible, nicht vor Freude, nicht vor Entsetzen. Sondern vor Schmerz. Für die Erfindung ihres Mannes Karl Ludwig Nessler muss sie ihren Kopf hinhalten. Sie gibt Kopf und Haar. Und bekommt – die erste Dauerwelle.

1907
„Unser Haartonikum tönt Ihre Haare blond, braun oder schwarz. Nach der Behandlung fallen die Haare besonders schön aus!“ Eugène Schueller erfindet synthetische Haarfärbemittel.

1909
Locken rocken zum ersten Mal!
Glattes Haar ist das Zeichen für einen eigenwilligen Charakter, weiche Wellen wirken dagegen gefälliger. Um diesen Eindruck zu erwecken, ist jedes Mittel recht:
Brenneisen, Dauerwellen und künstliche Haarteile laufen heiß.

1915
Wenn vorher niedliche Locken á la Mary Pickford die Köpfe der Frauen regierten, bekommen die Haare nun einen glatten strengen Scheitel.
Die Männer an der Front sollen schließlich wissen, dass ihre Frauen jeglicher Koketterie entsagen.

1920
Ups! Meine Haare brennen!
Die Schauspielerin Louise Brooks macht es vor: Der Bubikopf wird zum Allgemeingut, ob mit oder ohne Stirnfransen, ob glatt oder gewellt. Männer mit Vorliebe für lange Haare werden kurzerhand angeschwindelt: Plötzlich verbrennen sich alle Frauen ihre Haare aus Versehen an Öllampen und offenen Feuerstellen

1932
Aschblond, nordischblond, lichtblond, silberblond, ährenblond, strohblond, tizianblond, weißblond, mittelblond, dunkelblond, goldblond, weizenblond, semmelblond, rotblond, hellblond, hochblond, honigblond, fahlblond, straßenköterblond – doch das genügt nicht. Das platinblonde Sexbombenwesen muss her. Die Filmdiva Jean Harlow macht noch vor Marilyn Monroe Platinblond zu der Trendfarbe und salonfähig.

1945
Zeigt her eure Haare? Nein!
Nach dem Krieg können sich nur die wenigsten Frauen den Friseurbesuch leisten.
Wohin also mit den ungepflegten Haaren? Entweder hoch- oder verstecken.
Am liebsten unter einem zum Turban gebundenen Tuch.

1955
„Pump up the Volume“. Frauen werden zu wahren Hochstaplern. Man spricht nicht mehr länger vom sprühen – sondern „taften“. Der Name „Taft“ wurde allgemein zum Synonym für das Haarspray. Es war das erste Aerosol-Haarspray auf dem deutschen Markt und plötzlich wollten alle Frisuren a là Sophia Loren.

1958
Marge Simpson trägt sie. Amy Winehouse zeigt sich mit ihr. Die Beehive-Frisur ist eine schon lang bekannte Damenfrisur, die einem Bienenstock ähnelt.

1961
Stundenlange Friseurbesuche, bei denen Haare frisiert, toupiert, mit Haarspray und Chemikalien malträtiert werden, sind passé. Nun heißt es „wash and go“ mit dem geometrischen Kurzhaarschnitt Mary Quants durch Vidal Sassoon.

1962
Die Perücke ist auf Erfolgsmarsch. Jackie Kennedy nimmt 16 Modelle mit auf Weltreise. Die Frauen dieser Welt eifern ihr nach: Jede will, kauft und hat eine. Egal ob dichtes oder lichtes Haar.

1968
Langhaarige sind Nichtstuer und Gammler? Das Musical „Hair“ beweist das Gegenteil. Langes, ungestyltes, wildes und lockiges Haar wird zum Ausdruck der Hippiebewegung. Eine haarige Angelegenheit.

1976
Üppig, aufgeföhnt, überschulterlang: Das ist der Stufenschnitt von Farrah Fawcett Majors. Die Frisur des Stars aus der Serie „Drei Engel für Charlie“ ist die erfolgreichste in der Film- und Fernsehgeschichte. Ihre dichte glänzende Mähne wird stilbildend für die Frauen der 70er Jahre.

1977
Die „Black-Power-Bewegung macht den Afro-Look beliebt. So wurde „queer hair“ oder auch „nappy hair“ zum ersten Mal in den USA mit Stolz getragen. In der Disco-Ära sorgen die Jackson Five für ein neues Schönheitsideal. „Black is beautiful“.

1989
„Hamburg, 8:30 Uhr, wieder mal Regen. Perfekter Halt fürs Haar – Drei Wetter Taft. Zwischenstopp München, es ist ziemlich windig. Perfekter Sitz – Drei Wetter Taft. Weiterflug nach Rom, die sonne brennt. Perfekter Schutz – Drei Wetter Taft.“ Ende der 80er entsteht der legendäre Spot der Weltenbummlerin. Tammy Hopkins fliegt acht Jahre für Schwarzkopf. Seit 1989 hält die Frisur… bei jedem Wetter.

1990
Im Schlaf zur neuen Frisur. Kate Moss macht den Out-of-Bed-Look populär. Natürlich, ungekämmt, verstrubbelt. Abhängen wird zum Kult. Bloß kein Aufwand!

1991
Lang, länger, noch viel länger, am Längsten. Der Engländer David Anthony Gold entwickelt für Great Lengths ein völlig neuartiges und schonendes System zur Haarverlängerung, das „Schalenbonding“. Jetzt heißt es: Nie mehr feiern mit Knoten und Schweißnähte. Lange Haare, kurzer Sinn.

1993
Nicht ohne mein Glätteisen!
Glatte Sache. Langes, glattes Haar ist der große Trend der Runway-Shows. Das Glätteisen wird zur unverzichtbaren Geheimwaffe. Der Sleek-Look lässt niemandem mehr die Haare zu Berge stehen.

2006
„The satorialist“ bloggt „On the Street… This is Effortless Chic!“ in New York an einem Freitag, im August 2006. Natürlichkeit wird neu interpretiert. Aerin Lauder verkörpert den Effortless Chic mit tollem Haar, das trotz Styling unangestrengt aussieht.

2009
Ob geglättet, geföhnt, gelockt oder gegelt:
extreme Looks verlangen nach extremem Styling.
We love hair!

Autoren: Doppelt blond: Mona H., 53 cm, Mirjam G., 42 cm

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