Jung, hip und trendy: Die Frisuren der Bibel

Beim Durchblättern der gängigen Lifestyle- und Modezeitschriften präsentiert sich dem Leser der neueste Haartrend. Glamour, Elle und InStyle liefern Anleitungen für die perfekte Haarfarbe, den neuesten Kurzhaarschnitt und die richtige Frisur für jeden Typ. Blickt man 2000 Jahre zurück, waren es vor allem die Herren der Schöpfung, die ihren Lesern die richtige Haarmode diktierten: Moses, Paulus und Samson waren die Trendsetter der Stunde Null.

So wusste schon der Meeresteiler Moses schon genau, dass graue Haare Seriösität und Weisheit symbolisierten: „Sie sind die Krone der Ehre, die auf dem Wege der Gerechtigkeit gefunden wird“. Prominente Nachahmer gibt es viele: Harald Schmidt, Hans Eichel und Sky Dumont stehen für Intellekt und Ernsthaftigkeit. Und wie Moses das Meer teilte, teilen sie heute noch das Publikum in zwei Lager. Auch der „Sexiest Man alive“, George Clooney steht zu seinen grauen Schläfen. Der zweifache Sieg des begehrten Titels gab ihm und seinen schwindenden Farbpigmenten Recht.

Ein anderes, haariges Beispiel für frühzeitliche Trendrecherchen liefert der starke Samson: seinerzeit der erste, bekannte Träger von Dreadlocks. Der Nasiräer verzichtete über mehrere Jahre hinweg auf das Schneiden seiner Kopfbedeckung. Damit wollte er die besondere Bindung zu Gott demonstrieren. Das Ergebnis: eine lange, verfilzte Matte, die seinem neuzeitlichen Kollegen, Mister Bob Marley, in nichts nachsteht. Auch Bobs Motive waren ähnlich: Dreadlocks zeugen von seinem innigen Glauben an Love, Weed and Reggaebeats.

Anhänger sämtlicher konservativer Parteien und Verbände sind dem frommen Paulus zu tiefstem Dank verpflichtet. Dieser stellte schon lange vor den 68ern fest, dass es als unehrenhaft und „wider der Natur “ sei, wenn Männer lange Haare tragen würden. Haarlängen symbolisierten die Zugehörigkeit zu einem bestimmten sozio-kulturellen Umfeld. Allzu kurze Haare und glattrasierte Gesichter gehörten zur heidnischen Tradition der Römer. Allzu lange Haare wurden als weibisch und Verweichlichung angesehen.

Die Bibel. Nicht nur ältestes Buch der Welt, sondern auch der erste Lifestyletitel. Die Redakteure waren Kirchenväter, Jünger Jesus’ und gläubige Anhänger. Die Themen auch heute noch brandaktuell. Psychologische Abhandlungen über die Bedeutung von grauen Haaren, die richtige Länge in jeder Position und extravagante Frisuren wie Dreadlocks beschäftigen die Gesellschaft schon länger als es Udo Walz gibt. The Holy Bible: Vogue of the early years.

Autorin: Lin Freitag, brünett, glatt, 40 cm

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Ein Kommentar zu “Du sollst nicht schneiden”

  1. Nick Knatterton sagt:

    Sehr amüsanter und gelungener Artikel, Daumen hoch!!

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