Über die Anstrengung, Haare typgerecht zu machen.

Ursprünglich rotblond, dünn und leicht wellig. Jetzt aber: Schwarz, nicht mehr ganz so dünn und aalglatt. Dank permanenter Haarfarbe, Volumen Haarspray und Glätteisen. Wir sind Fake…


…und wir sind nicht allein. Auch die Haare unseres Nachbarn sind nicht echt. Eigentlich hat er Locken. Doch nun im Hausflur: streng nach hinten gegeltes Haar. Jeden Tag. Mit viel Gel.
Auf der Straße sehen wir welche, die sind grün. Bestimmt nicht Natur. Und die Blonden da an der Bushaltestelle sind nie im Leben echt. Das verrät der pechschwarze Ansatz.
Glatze im Bus: Halb und halb. Eigentlich Haarkranz. Der wird wegrasiert. Aber der kommt wieder. Ganz im Gegensatz zum Deckhaar. Das ist weg. Endgültig.
Hinter der Theke der Bäckerei sind sie lockig. Eigentlich glatt. Dauerwelle.
In der Uni: 21 Köpfe und ein Schlaukopf. Alle Fake. Glätteisen, Tönung, Farbe, Spray, Gel, Anti-Frizz-Lotion. Vom Schlaukopf mal abgesehen. Wir sehen: Graue Haare. Eigentlich könnte man etwas dagegen unternehmen.
Im Café mit braun Gefärbten, rot Gesträhnten, glatt Geföhnten. Viel Haarspray für den jetzt gezackten Scheitel. Eigentlich würde der ganz anders fallen. Unser Seitenscheitel ist Natur. Ausnahmsweise. Bekannte von uns sind jetzt glatt. Dauerhaft. Waren mal lockig.
Im asiatischen Supermarkt beneiden wir die Kassiererin. Aalglatte, schwarze Haare. Natur. Wir könnten es so einfach haben. Aber Mittelscheitel? Niemals.
Beim Kochen ziehen wir uns zurück. Zopf ist Pflicht über den Töpfen. Wer will schon das Haar in der Suppe sein? Wir nicht. Wäre auch ekelig. Selbst wenn wir noch Natur wären.
Duschen: Volumenshampoo. Spülung für Glanz und gegen Spliss. Gut ausspülen. Lufttrocknen. Natürlicher werden wir nicht mehr. Natur pur? Fehlanzeige. Fake ist heute ganz natürlich.
Autorin: Nives Fischer, schwarz gefärbter Stufenschnitt, 40 cm

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Ein Kommentar zu “Fake – eigentlich ganz natürlich”

  1. Andy Only sagt:

    sehr amüsant geschrieben und doch so wahr!

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