Interview mit Werner Lippert

Wenn Haare und Kunst aufeinandertreffen ergibt das ein Buch und eine Ausstellung: „We love hair“. Werner Lippert über Düsseldorf, Samson und Männerhaare.
Konzern und Museum – Wie kam es zu einer Zusammenarbeit mit Schwarzkopf und wie ist es gelaufen?
Werner Lippert: Wir haben eine liebevolle Beziehung zu Schwarzkopf seitdem wir für „Catwalks“ zusammen gearbeitet haben. Als sie dann mit der Bitte an uns herantraten, eine Ausstellung zu ihrem Buch zu konzipieren, waren wir sofort dabei. Wir mussten das Event der Buchpräsentation mit der Ausstellung verbinden, Schwarzkopf hat uns künstlerische Freiheit gelassen. Mehr als man von einem kommerziellen Unternehmen eigentlich erwarten würde.

Und das Ergebnis?
Schwarzkopf hat sich selbst ein sehenswertes Geschenk zum 111. Geburtstag gemacht.
Haben sie keine Angst vor einem kommerziellen Image?
Wir würden nicht für jedes Unternehmen eine Ausstellung kuratieren. Für uns zählt am Ende, dass sich die Ausstellungen, die wir zeigen, zu einem homogenen Gesamtbild zusammenfügen.
Was hat ein Unternehmen davon, wenn es eine Ausstellung sponsort?
Werner Lippert: Beiden Seiten profitieren von einer solchen Kooperation: Schwarzkopf positioniert sich damit auf einer künstlerischen Ebene und das NRW-Forum gewinnt ein junges Publikum dazu.
Das Buch geht mit dem Thema seriös und humoristisch um, wie wird das in der Ausstellung umgesetzt?
Werner Lippert: Seriös ist die professionelle Umsetzung der Fotografie von Karl Lagerfeld, Russel James, Gabo sowie die Illustrationen von Olaf Hajek. Erkennt der Betrachter die Schönheit der Bilder, ist das erste Ziel erreicht. Denkt er beim zweiten Hinsehen „Hey, das ist aber schrill“, freuen wir uns noch mehr.
Welche Strecke gefällt ihnen am Besten?
Werner Lippert: Die Lagerfeld-Strecke gefällt mir am Besten. Die Präsentationsweise hebt sich von der der anderen Strecken ab. Sie hängt auf einer schwarzen Wand und auf Wunsch von Karl Lagerfeld sogar ohne Rahmen. Seine Herangehensweise an das Thema finde ich interessant: In Form von schwarzen Silhouetten interpretiert er das Firmenlogo auf künstlerische Art neu.
Das NRW-Forum ist bekannt für ein innovatives Kulturmodell, wie wird es durch die Ausstellung transportiert?
Werner Lippert: In allen Ausstellungen geht es um Konvergenz. Das macht unsere Ausstellung besonders. In diesem Fall ist es die Verschmelzung von Haar und Fotografie.
Was für ein Publikum erwarten sie und was kann es aus der Ausstellung mitnehmen?
Das interessante am NRW-Forum ist, dass es kein festes Publikum hat. Unser Programm ist nicht monothematisch: Zeigen wir eine Comic-Ausstellung ziehen wir Comic-Fans an. Und diesmal sind es Menschen, die sich für Haare und Fotografie begeistern. Wir hoffen, dass der Besucher mitnimmt, dass Haare etwas sehr ästhetisches sind und man sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit ihnen beschäftigen kann.
Drei Dinge, die eine gute Ausstellung ausmachen?
Werner Lippert: Gute Künstler, gute Installationen, gute Besucher.
Welche Rolle spielen Haare in der Kunst?
Werner Lippert: Die jeweilige Kunstrichtung einer Epoche spiegelt sich immer in den Haaren wider. Im verspielten Jugendstil wurde das Haar lang getragen und liebevoll dekoriert.
Auch die Symbolkraft der Haare macht sie automatisch zur Kunst. Im Mythos um Samson steht das Haar für die unbezwingbare Stärke der Bibelfigur. Heute ist das fehlende Haar Symbol für Jungfräulichkeit.
Was macht Düsseldorf zur Kunststadt?
Werner Lippert: Die Kunst ist schon immer fester Bestandteil der DNA von Düsseldorf. Kooperationen zwischen dem Aktionskünstler Joseph Beuys und dem Werbefachmann Charles Wilp sind nur eine von vielen kreativen Verschmelzungen. Die Vermischung der verschiedenen Disziplinen wie Kunst und Mode, Kunst und Design, Kunst und Architektur macht Düsseldorf in Deutschland einzigartig.
Männer und Hairstyling – Was ist erlaubt?
Werner Lippert: Alles.
Autoren: Alexandra Springer, Marjorie Kublun, Sarah Hermann, Carola Weingart – zusammen 2,50 m langes Haar.
Fotos: Lena Großmüller, Lars Wöhning
Tags: Ausstellung, Catwalks, Charles Wilp, Fotografie, Joseph Beuys, Karl Lagerfeld, Kunst, Kunst und Architektur, Kunst und Design, Kunst und Mode, Modefotografie
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