Zwei Porträts bezaubern weiterhin, weil sie zulassen, was in Mapplethorpes angestrengter Welt sonst keinen Platz findet: Versonnenheit und Ironie. So darf Isabella Rossellinis Gesicht zwischen ihren schönen Händen wie eine elegisch sich neigende Blüte erscheinen. Und die greise Künstlerin Louise Bourgeois lächelt uns verschmitzt an. Sie trägt eine Skulptur in der Form eines Riesenphallus wie ein Beutestück unter dem Arm. Robert Mapplethorpe – ein Mann mit Sinn für die versteckte Selbstpersiflage?
Ein solches Resümee wäre hoffnungslos übertrieben. Dafür repräsentiert dieser Künstler zu genau den Zeitgeist, dem er mit all seinen stilisierten Bildinszenierungen eben doch nicht zu entkommen vermag. Mapplethorpe nahm sich und seine Motive bitterernst. Das schließt das Pathos ein, mit dem er die Vergänglichkeit beschwor. Auf seinem berühmten Selbstporträt mit Totenkopf schwebt sein eigenes Gesicht wie eine hohle Maske im sinistren Nirgendwo des regelrecht in die Finsternis wegkippenden Bildraumes. Wer sich selbst so sieht, der hat das Leben als Instanz akzeptiert, die Vergnügen gewährt und am Ende kalt ihre Rechnung präsentiert. Mapplethorpe hat sie schließlich mit seinem frühen Aids-Tod beglichen.
Die Düsseldorfer Schau kennt dennoch einen Ruhepunkt in all dem ermüdenden Körpergewoge: Diesen Punkt markieren die Aufnahmen, die Mapplethorpe von seiner Lebenspartnerin Patti Smith machte. Sie atmen jene Atmosphäre der gelösten Zuwendung, die Mapplethorpes Bildwelten sonst so vollkommen fremd ist.
Eine schöne Besprechung
Quadriennale: Werner Lippert brachte frohe Kunde (DerWesten)
„Kunstgegenwärtig” lautet das Motto des zweiten Kunstfestes, geworben wird nicht etwa gegen, sondern gut verlinkt mit der Kulturregion 2010. Gemeinsam will man NRW als Standort stärken, verkündete Kulturdezernent Hans-Georg Lohe als Quadriennale-Geschäftsführer. Werner Lippert vom NRW-Forum brachte frohe Kunde. Sein Haus widmet sich dem US-Fotokünstler Stephen Shore, der Becher-Schule und ihrem gemeinsamen Einfluss auf die Düsseldorfer Fotografie der 70er und 80er – da kam die Vergabe des Kulturpreises der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) in dieser Woche grade richtig. Nun erhält Shore den DGPh-Preis am 11. September im NRW-Forum. Für die Stadt ein zweiter Preisträger im Quadriennale-Rahmen.
Deanna Templeton – erinnern Sie sich an ihre wunderbare Ausstellung von tätowierten jungen Mädchen in den Surferparadiesen Kaliforniens im NRW-Forum im letzten Jahr? Sie zeigt diese Ausstellung demnächst im Schunck Museum in der holländischen Stadt Heerlen, dort wird es auch einen Katalog zur Ausstellung geben. Eröffnung am 21. Mai, Infos unter http://schunck.nl/
Seit unserer Ausstellung hat sie sich verstärkt zwei Projekten zugewandt: "The Swimming Pool". Daran arbeitet sie schon seit 3 Jahren. Die Motive zeigen Leute, die nackt schwimmen und die keine Tattoos haben, auf jeden Fall nichts, was mit dem water/light/skin interagiert oder die Reflexe stört.
Ihr zweites Projekt heisst "Growing Up Female". Das ist ein Projekt an dem sie schon arbeitet, seit sie überhaupt begonnen hat, zu fotografieren; einfach, weil sie sich wohler fühlt, wenn sie Frauen fotografiert. Und sie sieht sich selbst darin wieder – wie Deanna selber sagt "Either the way I am right now, how I was as a youth, how I think I might be when I’m older and a lot of the time just how I wish I was." Jetzt kombiniert sie diese Bilder mit ihren eigenen Texten (aus Ihrer Jugendzeit) oder mit Songtexten, die sehr wichtig für sie waren. Und hier sehen Sie das Interview, das im Rahmen unserer Ausstellung entstanden ist: Abbildung (c) Deanna TempletonPosted via email from NRW-Forum Düsseldorf
Ralph Goertz, der Autor des wunderbaren biografischen Videos “Shapes” über Robert Mapplethorpe, hat jetzt eine kurze Preview durch die Ausstellung “Robert Mapplethorpe” im NRW-Forum gedreht. Der Blick schweift durch die minimalistisch inszenierten Ausstellungsräume und fährt über einzelne Bilder … und gibt so, ohne Worte, einen ersten Überblick über die Atmosphäre in der Ausstellung, über die Art und Weise der Installation. Die Auswahl von 150 Fotografien umspannt frühe Polaroids von 1973 bis hin zu Mapplethorpe’s letzten Selbstprotraits aus dem Jahr 1988, die ihn bereits gezeichnet vom nahen Tod zeigen, und präsentiert viele bekannte, geradezu ikonische Motive – aber auch bislang nie oder nur selten gezeigte Arbeiten. Sie schöpft aus dem Fundus der New Yorker Robert Mapplethorpe Foundation.
Schauen Sie sich den Film hier an, vielleicht animiert er ja zu einem Besuch der Ausstellung.
Robert Mapplethorpe – Retrospektive from nrwforumduesseldorf on Vimeo.
Noch einmal Stephen Shore – wir freuen uns auf die Preisverleihung
Kunstfreunde aus dem In- und Ausland freuen sich auf die zweite Quadriennale, die am Abend des 10.09.2010 eröffnet wird und im Januar 2011
endet. Zehn Düsseldorfer Museen und Ausstellungshäuser bereiten dafür hochrangige Ausstellungen vor und erhalten hierfür von der Landeshauptstadt erhebliche finanzielle Zuwendungen, ohne die die ambitionierten Ausstellungsvorhaben nicht realisierbar wären. Heute fand die
Pressekonferenz zur kommenden Quadriennale 2010 in Düsseldorf statt – es war eine überaus beeindruckende Präsentation ambitionierter Projekte. Und hier sind alle Ausstellungen der Quadriennale 2010 auf einen Blick …
Akademie-Galerie – Die Neue Sammlung
11. September 2010 – 16. Januar 2011 Joseph Beuys. Parallelprozesse
K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
11. September 2010 – 16. Januar 2011 Auswertung der Flugdaten: Kunst der 80er. Eine Düsseldorfer Perpektive
K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
11. September 2010 – 30. Januar 2011 Blick zurück nach vorn
KIT Kunst im Tunnel
11. September 2010 – 16. Januar 2011 Marcel Broodthaers und heute
Kunsthalle Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen
11. September 2010 – 16. Januar 2011 Nam June Paik. In Zusammenarbeit mit Tate Liverpool
museum kunst palast
11. September – 21. November 2010 Der rote Bulli. Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie
NRW-Forum Düsseldorf
11. September 2010 – 16. Januar 2011 James Lee Byars The Perfect Axis
Stiftung Schloss und Park Benrath
11. September 2010 – 16. Januar 2011 Katharina Sieverding. Projected Data Images
Imai – inter media art institute
11. September bis 21. November 2010
Der rote Bully. Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie (photoscala)
Der beispiellose Erfolg der so genannten Becher-Schule hat die künstlerische Fotografie der letzten Jahrzehnte nachhaltig beeinflusst. Den Grundstock für eine zeitgemäße Neudefinition bildkünstlerischer Positionen innerhalb der Fotografie legten Bernd und Hilla Becher, die mit ihren Dokumentationen von technischen Architekturen des Industriealters seit den 60er-Jahren einen konsequent konzeptuellen Anspruch einlösten, wie er zeitgleich von der US-amerikanischen Conceptual und Minimal Art propagiert wurde. Im Zuge der Lehrtätigkeit, die Bernd Becher von 1976 bis 1996 an der Kunstakademie in Düsseldorf ausübte, bildeten sich auf dieser Basis neue künstlerische Auffassungen, die die Bedingungen des fotografischen Bildes mitreflektierten. Seine Schüler Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Thomas Ruff und Thomas Struth zählen zu den Protagonisten dieser Entwicklung. Im internationalen Kontext erfuhren sie hohe Achtung und brachten Düsseldorf erneut in den Fokus der globalen Kunstwelt.
Die Ausstellung “Der rote Bulli. Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie” im NRW-Forum für Kultur und Wirtschaft wird erstmals die Entwicklung der Becherklasse aus einem rezeptionshistorischen Zusammenhang beleuchten. Im Mittelpunkt steht hierbei die vielschichtige Einflussnahme der US-amerikanischen New-Color Photography auf die in Düsseldorf entstehenden Bildkonzepte. Die Schau fokussiert die transatlantischen Wirkungsweisen in der Person des New Yorker Fotografen Stephen Shore, der seit Mitte der 70er-Jahre in freundschaftlichem und respektvollem Kontakt zu Bernd und Hilla Becher stand. Bereits seit den frühen 70er-Jahren waren die seriellen Arbeiten der Bechers durch Galerie- und Museumspräsentationen in der US-amerikanischen Kunstszene präsent. Die farbigen Bildserien von Stephen Shore, der neben William Eggleston als die Schlüsselfigur der New Color Photography gilt, fanden wiederum in Deutschland frühe Beachtung (u.a. documenta 1977). Im Frühjahr 1977 wurde ihm eine umfassende Einzelschau in der Städtischen Kunsthalle in Düsseldorf gewidmet. Shores fotografisches Werk inspirierte infolge über zwei Jahrzehnte die Studierenden der Becherklasse auf höchst unterschiedliche Weise. Die Ausstellung erkundet im Detail das spannungsreiche Geflecht der künstlerischen Innovationen, legt Wahrnehmungsweisen dies- und jenseits des Atlantiks offen und analysiert ein bedeutendes Kapitel der jüngeren Foto- und Kunstgeschichte.
Die erste “Generation” der sogenannten Becher-Schüler, wird mit ihren frühen Arbeiten, zum größten Teil in Serien, vorgestellt. Mit zum Teil nie gezeigten Bildern präsentiert die Ausstellung auch die Arbeit von Döhne, Nieweg oder Ronkholz und anderen Düsseldorfer FotografInnen.
Mit fast 200 Arbeiten widmet die Ausstellung Stephen Shore eine umfassende Retrospektive, die sich immer wieder in Korrespondenz zu den frühen Arbeiten der Bechers und ihrer Studenten stellt.
Eine Projekt im Rahmen der Quadriennale 2010
Die Quadriennale 2010 beginnt am 10. September 2010
Frühzeitig die Werbetrommel rühren!






