Unser kleiner Kreativwettbewerb ist zu Ende, die Sieger stehen fest. Bei der Durchführung haben wir einiges gelernt, was wir anderen Veranstaltern solcher Wettbewerbe nicht vorenthalten wollen.
Da es fast auschließlich um Fotos ging, haben wir uns zum Sammeln der Beiträge für die Einrichtung einer Gruppe auf Flickr entschieden, weil diese Plattform durch ihre Verbreitung am komfortabelsten ist und die beste Bildqualität bietet. Allerdings – so zeigte sich schnell – verfügen nicht alle potenziellen Teilnehmer über einen Account dort oder wollen einen anlegen. Dazu kam in unserem Fall die Problematik „nicht jugendfreier Bilder“ – denn es ist von den Einstellungen der Gruppe und von denen des individuellen Accounts abhängig, welche Fotos zu sehen sind. Bei nicht angemeldeten Besuchern der Flickr-Gruppe zeigt der Filter auch nur einen Teil der Wettbewerbsbeiträge. Trotzdem ist Flickr nach unserer Erfahrung die optimale Plattform zum Sammeln der Wettbewerbsfotos. Allerdings verfügt sie über kein Abstimmungstool.
Deshalb haben wir uns für das Voting auf Facebook entschieden. Denn dort existiert mit dem „Gefällt mir“-Button ein einfach zu bedienendes Abstimmungwerkzeug. Dieses stellt zudem sicher, dass jede/r Teilnehmer/in nur ein einziges Mal abstimmt. Bei allen anderen Varianten – zum Beispiel einem Voting in unserem Weblog oder auf der Website – hätten wir sehr aufwendig mit einer Kontrolle der IP-Adresse evtl. Manipulationsversuche verhindern müssen.
Was wir allerdings unterschätzt haben: Ein Fotoalbum auf Facebook hat nur Platz für 200 Bilder, so dass wir bei 258 teilnehmenden Fotos zwei Alben einrichten mussten – was etwas unbequem ist. Dazu kam der Hinweis von einigen Wettbewerbsteilnehmern auf die rigide Auslegung der Jugendschutzvorschriften durch Facebook, die unter Umständen zu einer sofortigen und unwiderruflichen Sperrung des Accounts und der Fanseite führen kann. Auf Grund der „Harmlosigkeit“ der eingereichten Fotos und nach dem Lesen der Geschäftsbedingungen von Facebook hatten wir mit einer solchen Gefahr nicht gerechnet. Aber nach den Negativerfahrungen mit Account-Sperrungen, über die uns berichtet wurde, wollten wir das Risiko nicht eingehen und lagerten deshalb alle potenziell „anstössigen“ Bilder in einen dritten Ordner unter einem eigenen Account aus. Das war zwar für die Abstimmung unbequem, weil man dort erneut „Freund“ werden musste, ließ sich aber nicht vermeiden. Heute wissen wir, dass Facebook uns wegen der Fotos den Zugang nicht gesperrt hat. Und darüber sind wir froh. Aber es macht auch deutlich, dass wir mit unseren Social Media-Aktivitäten immer sehr stark vom guten Willen des Plattform-Betreibers abhängig sein werden.
Im Laufe der Abstimmung gab es die Kritik, dass ein großer Teil der eingereichten Fotos nicht „durch Mapplethorpe inspiriert“ ist – was laut Ausschreibung ein Kriterium für die Teilnahme am Wettbewerb war. Auch wenn das natürlich sehr stark vom persönlichen Verständnis der Fotografin oder des Fotografen abhängt, teilen wir diese Kritik. Insbesondere die Tier- oder Architekturfotos haben in der Tat nur wenig mit Mapplethorpe und seiner Art der Fotografie zu tun. Wir haben uns aber bewusst für einen offenen Wettbewerb auf Facebook mit Publikumsvoting entschieden und wollten diese Fotos, die zum Großteil ja handwerklich auch gekonnt sind, nicht ausschließen. Zusätzlich zum ursprünglichen Plan haben wir deshalb kurzfristig durch das Ausstellungsmanagement des NRW-Forums und Profit-Fotografen einen vierten Wettbewerbssieger ermitteln lassen, bei dessen Auswahl ausschließlich das Kriterium „inspiriert durch Mapplethorpe“ zählte.
Es ist klar, dass bei einem Publikumsvoting unter Umständen andere Sieger ermittelt werden als bei einer Beurteilung durch eine Fachjury. Das mag mit der Zusammensetzung der TeilnehmerInnen an der Abstimmung ebenso zusammenhängen wie damit, wie einzelne Fotografinnen und Fotografinnen ihre Freunde auf Facebook besser als andere für das Voting mobilisieren können. Uns war dies schon zu Beginn der Aktion klar und wir haben uns bewusst dafür entschieden. In der Mischung der TeilnehmerInnen aus Profis und Amateuren sehen wir auch durchaus einen Reiz der Aktion. Für die Zukunft können wir uns aber auch die Durchführung oder Unterstützung einer Fotowettbewerbs mit einer professionellen Jury und einer Vorauswahl vorstellen.
Trotz der aufgetretenen Schwierigkeiten hoffen wir, dass die Aktion den TeilnehmerInnen Spaß gemacht hat – auf jeden Fall haben alle eingereichten Fotos durch den Wettbewerb eine Beachtung bei den BetrachterInnen gefunden, die sie sonst nicht gehabt hätten. Auch wir lernen im Umgang mit den Social Networks Tag für Tag dazu und freuen uns auf neue Facebook-Aktionen, die wir derzeit schon planen und vorbereiten. Und über Meinungen und Kommentare freuen wir uns natürlich auch. Zum Beispiel auf Google Buzz.
Kommentar (1)
Ein Kommentar zu “Kreativwettbewerb: Lessons Learned”

[...] Jüngst veranstaltete er aus Anlass der höchst sehenswerten Robert Mapplethorp-Ausstellung (noch bis 15. August) einen Fotowettbewerb, dessen Fazit für jeden, der in Sachen Social Media unterwegs ist lesenswert ist. [...]