Man möchte diesen Mann auf Anhieb duzen. Verlässlich, ehrlich, konsequent – so beschreibt er sich selbst. Sein Lieblingskleidungsstück: der Hut. Den er gerade trägt, ist nicht sein einziger. Hüte hat er ungefähr 30 bis 40 Stück. Als seine größte Schwäche bezeichnet Gunnar Hämmerle sein mangelndes Selbstbewusstsein. Doch das kommt einem nicht so vor, wenn man ihm gegenüber sitzt. An unterschiedlichen Menschen mag er, “wenn sie so sind wie sie sind”. Authentizität inspiriert ihn, genauso wie Bilder und gute Bücher.

Der Streetstyle-Blogger Gunnar Hämmerle aus München fotografiert hauptberuflich interessante Menschen, die ihm auf seinen Reisen begegnen. Seiner Meinung nach findet man die stilvollsten Modelle in Stockholm – die ausgefallensten in Helsinki. Denn sie “ziehen ihr eigenes Ding durch” und kümmern sich nicht darum, was der Rest der Welt von ihnen hält.

Der Halbschwede kam über die Münchener Hochschule für Film und Fernsehen zur Fotografie. Aus einer Laune heraus entwickelte er gemeinsam mit seinem Bruder den Freestyle Blog. Angefangen hat der 39-Jährige mit sieben Klicks auf seiner Homepage. Heute erreicht er mittlerweile 3000 bis 10.000 pro Tag. Damit ist er einer der berühmtesten Modeblogger unserer Zeit.

In seinen Fotografien geht es ihm primär um die Person. “Einen Einblick in interessante Menschen unseres Jahrhunderts” bieten seine Bilder. Seinen Job vergleicht er mit dem Speed-Dating – nur ohne Dating. Eine Stadt, eine Kamera – mit offenen Augen und scharfem Blick sucht er geeignete Modelle auf den Straßen großer Städte wie London, Barcelona und New York. Ein Paparazzi ist er nicht: Die Einverständniserklärung lässt er sich immer unterschreiben – “da kommt das Deutsche in mir hervor”.

In Zukunft wird Gunnar Hämmerle weiter fotografieren. Städte wie Tokio und Reykjavik will er unbedingt noch bereisen. Obwohl er viel unterwegs ist und ihn sein Beruf zeitlich in Anspruch nimmt, ist und bleibt seine Familie das Wichtigste in seinem Leben. Sie besteht aus seiner Frau, seinen Verwandten und den Menschen, die täglich seine Bilder sehen.

Portrait: Saskia Brand, Chrisula Karras

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