Mit „Styleclicker“ präsentiert das Düsseldorfer NRW-Forum vielleicht die erste Museumsausstellung mit einem Modeblogger der Welt. Wieso Blogging jetzt schon museumsreif ist, fragten wir Museumsleiter Werner Lippert.

Interview: Lisa Wagner und Mirjam Günther, Fotos: Lena Grossmüller

Warum Gunnar Hämmerle?

Für mich gibt es drei, vier nennenswerte Street-Blogger. Gunnar Hämmerle ist in meinen Augen der frischeste und glaubhafteste von ihnen. Außerdem ist er Deutscher und lebt in München. Das macht es logistisch sehr viel einfacher für uns.

Scott Schuman als „The Satorialist“ fotografiert meist im Umfeld von Modeschauen. Im Fokus steht jemand, der zum Beispiel gerade aus Prada kommt – das ist natürlich sehr selbstreferentiell. Er reproduziert genau das, was Modeleute selber propagieren. Gunnar Hämmerle dagegen macht sehr viel authentischere Fotos. Er knipst Persönlichkeiten und zeigt die einfache Realität. Er beschreibt sich selbst nicht als Fashion-Blogger, sondern als Stil-Blogger.

Verfolgen Sie selbst Blogs?

Ja, ich habe eine riesige Blogroll. Morgens stehe ich um sechs Uhr auf und vorm Kaffee, so um halb neun, habe ich mir um die 40 Blogs angeschaut.

Gunnar Hämmerle hat eben in der Pressekonferenz gesagt, er glaubte, Sie würden ihn auf den Arm nehmen, als Sie bei ihm angerufen haben. Mussten Sie ihn sehr überzeugen, um das Projekt zu verwirklichen?

Das ist immer so: Ich rufe jemanden an, um zu fragen, ob er eine Ausstellung im NRW-Forum machen möchte und erstmal nimmt mich keiner ernst. Wenn unsere ausgewählten Künstler dann mit Begeisterung dabei sind, ist das immer eine ganz schöne Geschichte. Von großem Vorteil bei unserem aktuellen Projekt ist, dass wir auch sehr gut bei Facebook vernetzt sind. Das verleiht uns in der Generation von Gunnar Hämmerle eine Art Akzeptanz. Die Identifikation von Personen findet sozusagen nicht mehr nur im Museum statt, sondern auch bei Facebook.

Warum Schwarzkopf und Qvest als Sponsoren?

Wir haben mit Schwarzkopf bereits bei unserem letzten Projekt „We love Hair“ sensationell gute Erfahrungen gemacht. Das Unternehmen hatte kein enormes Vorwissen über Street-Style-Blogs, aber sie besitzen eine extrem große Innovationsoffenheit und setzten großes Vertrauen in das NRW-Forum. Es gibt sehr viele Sponsoren, bei denen ich drei Monate gebraucht hätte, um sie zu überzeugen, was auch nicht unbedingt schlimm ist, wenn uns jemand Geld gibt. Die Planung dieses Projekts benötigte nur sechs Wochen – man sieht also, es geht auch anders.

Wir holten auch Yorca Schmidt-Junker, stellvertretende Chefredakteurin der Qvest ins Boot, da es das einzige Magazin ist, das passenderweise eine Rubrik allein dem Thema Blog widmet. Die Qvest veröffentlicht in jeder Ausgabe ein Interview mit einem Blogger. Jemand Besseres konnten wir also nicht bekommen. Und vielleicht ist Styleclicker sogar der nächste Blogger, der in der Qvest erscheint.

Woher kommt die Installationsidee?

Sie kommt von mir. Die Idee resultiert aus dem Gedanken, dass es eine Vielzahl von Bildern auf jedem Blog gibt. Diese verflüchtigen sich dort schnell. In der Ausstellung kann der Besucher auch nur einen kurzen Moment auf sie schauen. Die Installation reflektiert also dieses schnelllebige Medium. Es ist eine einfache Idee mit großem Effekt auf den Zuschauer. Von Gunnar Hämmerle selbst kam der Vorschlag, durch Geräusche wie Pferdeklappern, Vogelgezwitscher oder Flugzeuge eine realistische Atmosphäre zu schaffen, die er beim Fotografieren selbst vorfindet.

Haben Sie ein Lieblingsbild in der Ausstellung?

Wissen Sie, was komisch ist, wir haben sie jetzt seit drei Tagen aufgebaut und ich denke, ich kenne die Leute zum Teil. Dann sagt man sich „ach guck mal die schon wieder, die hab ich doch eben erst getroffen“. Man bekommt eine unglaubliche Vertrautheit und denkt, „die kenn ich alle“.

Wie empfinden Sie selbst die Entwicklung von den Fashion-Bloggern, weg von den Printmedien?

Da passiert was ganz Neues. Die klassischen Modehefte versuchen Trends zu schaffen. Ich glaube, dass Blogger einen extrem weiten Horizont besitzen und weniger voreingenommen an das Thema herangehen. Sie sind sehr viel offener für Überraschungen und sagen viel ehrlicher ihre Meinung. Der entscheidende Unterschied für uns ist das wahnsinnige Tempo, was ja auch in der Mode zählt. Bis die neue Vogue erscheint vergehen zwei, drei Monate. Das ist für einen Fashion-Blogger ja schon uralt.

Wollen Sie in der Zukunft weiterhin mit Bloggern zusammenarbeiten?

Wollen schon – die Blogger sind ja auch nicht das Problem. Die Frage ist, was dabei heraus kommt. Es gibt im Bereich Kunst wenige Blogger. Wir möchten das Blogging-Prinzig, also Schnelligkeit, in der Kunst nutzen. Allerdings ist man hier noch nicht so weit wie die Fashion-Blogger. Warten wir ab, was passiert. Ein Kunstmagazin spricht eine andere Sprache: eher kunsthistorisch und philosophisch. Vielleicht ist der Blog nicht das richtige Medium dazu, weil es hier um keine riesigen Gedanken, sondern um schnelle Reaktionen und Dialoge geht. Für uns ist das eine wichtige experimentelle Phase,

Wir hatten im letzten Jahr eine Ausstellung, die es nur im Internet zu sehen gab. Das waren 101 Filmchen. Jeden Tag wurde ein Film gezeigt. Es gab lange keine Reaktion, bis 101 Tage vorüber waren. Plötzlich liefen die Telefone heiß und die Menschen beschwerten sich, warum wir keine Filme mehr zeigten. Da merkten wir erst, dass es funktioniert. Wir sind immer auf der Suche und hoffen auch dieses Mal, dass es funktioniert.

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