Dieser Rückblick, den wir heute in der letzten Montagsfrage auf Facebook erbeten hatten, ging eindeutig aus: “A hoch A !!!” oder ganz einfach: Robert Mapplethorpe. Mit einem Achtungserfolg für “EEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEE”. Danke an alle, die bei dieser Montagsfrage und bei allen anderen in diesem Jahr mitgemacht haben.
Mit den Antworten für (a) und (e) hat sich unser Risiko ja gelohnt. Robert Mapplethorpe war eine große Anstrenung: lange Planung, hohe Kosten, eine andersartige reduzierte minimalistische Hängung in neuen Rahmen … da war alles anders als in bisherigen Mapplethorpe- Ausstellungen. Wir waren sehr gespannt auf die Reaktion des Vorstandes der Mapplethorpe-Stiftung – und natürlich auf die Besucher-Reaktion. Das Experiment ist geglückt! Und auf “Der Rote Bulli” haben wir uns ebenfalls sehr gefreut. Das ist Düsseldorfer Kunstgeschichte vom Feinsten.
Wenn ich aber zurückblicke auf 2010, dann habe ich mich ganz besonders gefreut, dass Hilla Becher bei einer Gala von Center TV zur “Düsseldorferin des Jahres” gekürt wurde. Zwischen den anderen Preisträgern wie Heino oder Timo Boll war die bescheidene Fotografin die grosse Überraschung an diesem Abend. Ich durfte die Laudatio halten … hätten Sie dabei auf Anhieb Hilla Becher erkannt?
Hier die Rede:
Der “Düsseldorfer des Jahres” ist eine Dame. Sie wurde 1934 in Potsdam geboren, und arbeitete als Fotografin in Hamburg und später in Düsseldorf. Ihre Arbeit zeichnet sich durch eine klare und ganz sachliche Fotografie aus. Schon während ihrer Lehrzeit in Potsdam interessierte sie sich für die eher spröderen Sachen. Für die Gesellenprüfung wählte sie als Motiv das Gaswerk von Potsdam. Und später, nachdem sie aus der DDR ausgewandert war und mit ihrer Familie in einem Hamburger Flüchtlingslager lebte, ging sie häufig in den Hafen und versuchte die Kräne zu fotografieren. Als sie dann in Düsseldorf lebte, schlich sie nach eigenen Worten um die Industrieanlagen des Ruhrgebiets herum und versuchte sie zu fotografisch zu bannen.
Dann, in einer Düsseldorfer Werbeagentur, traf sie einen Mann. Der hatte begonnen, ebensolche Industrieanlagen zu zeichnen. Er verzweifelte daran, dass er mit seinen Zeichnungen mit dem Tempo des Niedergangs der Industriekultur nicht Schritt halten konnte. Es kam, wie es vorauszusehen ist: Sie heirateten und machten ihr gemeinsames Interesse zum Lebensziel. Ihr Mann eignete sich die Fotografie an. Sie unterstützte ihn nach Kräften mit ihren Kenntnissen. Und sie begannen zusammen systematisch Fördertürme und Hochöfen und Fachwerkhäuser zu fotografieren.
Zumindest ihre prekäre finanzielle Lage änderte sich schlagartig, als Ihr Mann eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf erhielt. Warum er und nicht sie, die bereits ein Fotolabor an der Akademie eingerichtet hatte, das erklärt sie mit dem simplen Satz: “Er war der Mann.” Ohne jeden Zweifel waren sie beide überzeugt von einer klaren und technisch perfekten Wiedergabe der Objekte in ihren Fotografien. Ein Erfolg aber stellte sich zuerst nicht ein. Die Fotoszene mochte lieber dramatische Effekte. Der Kunstbetrieb lehnte fotografische Bilder ohnehin als un-künstlerisch ab.
Gleichwohl war es der Kunstbetrieb, der ihr fotografische Werk in die Erfolgsbahn beförderte. Eine Handvoll weitsichtiger Kunsthändler, Kritiker, Kuratoren und Verleger, von denen die meisten nicht ganz zufällig in Düsseldorf tätig waren, sind die Promotoren gewesen. Von 1976 an unterrichtete ihr Mann mit Ihrer Unterstützung an der Akademie 80 Studenten. Sie begründeten die neue „Düsseldorfer Schule“, die sich zu einer einzigartigen Erfolgsstory entwickelte, die weit über die Stadt hinausreicht und Düsseldorf zur Kapitale der Fotografie gemacht hat. Sie sind das weltweit berühmteste Fotopaar. Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft hielt bis zum Tod ihres Mannes am 22. Juni 2007. Heute setzt sie das gemeinsam begonnene Werk alleine fort.
Damals wie heute wirkte die Kunst-Akademie wie ein Magnet. Sicher befördert durch das kulturelle Klima in der Stadt Düsseldorf. Sie selber kommentierte dies jüngst erst mit dem Satz: “Für mich war Düsseldorf eine Stadt, die so offen war, und so fremden-freundlich für alle Einwanderer. Da gab es eine Toleranz und Offenheit Künstlern gegenüber, die aus Frankreich Italien, Amerika kamen.”
Alleine wegen dieser unvergleichlichen Liebeserklärung, haben Sie die Auszeichnung zur “Düsseldorferin des Jahres” verdient, liebe Hilla Becher.
Ich gratuliere aus vollem Herzen und bin als Düsseldorfer stolz, dass Sie diese Auszeichnung erhalten.
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