Die Online-Ausstellung “Internet killed the Video Star” wurde heute vormittag mit einem Pressegespräch eröffnet. Erstaunlich: Die iPad-Dichte unter den Kulturjournalisten ist mittlerweile ziemlich hoch. Und ein tragbarer Rechner mit WLAN war auch sinnvoll, als das Konzept der Ausstellung erläutert wurde. Sie besteht aus verschiedenen virtuellen Räumen, in denen unterschiedliche Themenkomplexe wie Theorie, Slide-Show, Stop-Motion, Cover-Versionen , VCR, Radiohead  oder Deep-Cut meist anhand von konkreten Beispielen vorgestellt werden. Insgesamt über 50 Fanvideos sind zu sehen, rund 2 Stunden wäre man alleine mit deren kompletten Betrachtung beschäftigt. Derzeit.

Denn die Internet-Ausstellung, die zwar einen Anfang aber kein Ende haben wird, ist lebendig. In der Rubrik “Fan Video der Woche” sollen jede Woche neue selbstgestrickte Clips vorgestellt werden. So hat jedes auf Facebook, YouTube, Vimeo oder einer anderen Plattform hochgeladene Video die Chance, ganz schnell dauerhaft “im Museum” zu landen und ein größeres Publikum zu finden – in unmittelbarer Nachbarschaft der von den Kuratoren der Ausstellung ausgesuchten typischen Beispiele für die einzelnen Genres. Einfach direkt uploaden oder den Link auf Twitter, Facebook oder hier im Blog posten.

Videostar_raumanordnung

Fans konsumieren nicht länger nur, Fans tragen zur Arbeit ihrer Stars bei”, sagt der Musikkritiker Johannes Boie in der Einführung zur Ausstellung und sieht damit Bertolt Brechts Utopie aus den 30erJahren des letzten Jahrhunderts Realität werden, nach der jeder Hörer (eines Radioprogramms) auch zum Sender werden soll. Dieses Selbst-aktiv-werden ist auch der wesentliche Unterschied zu den Musikvideos auf MTV, die eine ganze Generation geprägt haben. Stars wie Trent Reznor von Nine Inch Nails haben den Trend längst begriffen und stellen ihren Fans musikalische Rohdaten zum Remixen zur Verfügung – oder: Radiohead stellte zur Ankündigung ihres Songs „Lotus Flower“ ein Schwarzweiß-Video ins Netz, zu dem dann schon zwei Tage später auf YouTube Parodien und Hommagen zu finden waren, die in der Folge immer mehr weitere Fan-Videos nach sich zogen, wie bei einer Kettenbrief-Aktion.

Während im Jahr 2000 – als das NRW-Forum seine letzte große Videoausstellung hatte – die Clips noch explizit für das Format des Fernsehbildschirms gemacht worden waren und deshalb auf Monitoren ausgestellt werden “mussten”, kann die in Kooperation mit dem Berliner Projektbüro .HENKELHIEDL konzipierte und realisierte Ausstellung “Internet killed the Video Star” heute ganz neue Wege gehen. Verlinkung und Interaktivität ersetzen die Faktoren von Zeit und Raum des physischen Museumsbesuchs.

Trotzdem wird der virtuelle Ausstellungsbesuch auch künftig eher die Ausnahme bleiben. Darum gab es heute auf die Frage eines Journalisten nach der Zukunft der Museen nur die Antwort: Alles, was eine haptische Dimension hat, braucht einen realen Ausstellungsraum. Der ist durch den Computer nicht zu ersetzen. Aber für das Betrachten von Videoclips muss man heute keine Bildschirme mehr im Museum installieren. Die lassen sich auch gut am PC, auf dem Smartphone oder mit dem iPad präsentieren.

Und die Vernissage heute ab 19.00 Uhr im NRW-Forum, bei der DJ Toulouse Low Trax YouTube-Videos “auflegt”, findet ja ebenfalls im realen Raum statt. Dazu seid ihr nochmals alle recht herzlich eingeladen.

Posted via email from NRW-Forum Düsseldorf

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