FRONTLINE – NRW-Forum Düsseldorf
24.09.2011 – 08.01.2012
Können Bilder Kriege und Krisen beenden, können sie die Weltöffentlichkeit aufrütteln? Dieser Frage will die Ausstellung “Frontline” anhand der Arbeiten von neun Fotografen der berühmten Fotoagentur Magnum nachgehen.
„Frontline“ reiht sich ein in eine Reihe von Ausstellungen des NRW-Forum, die sich mit Reportage-Fotografie von Kriegen und Krisen beschäftigen: wie Requiem (2000) mit den Arbeiten von 200 Kriegsfotografen, die in Ausübung ihres Berufes starben (unter ihnen im übrigen auch Robert Capa und David Seymour), mit Here is New York (2002), eine Ausstellung die anonymen Aufnahmen vom Terroranschlag auf die Twin Towers ein Jahr nach dem Ereignis zeigte, und mit (Tat)Orte (2006), Bilder vom täglichen Krieg auf unseren Straßen mit Fotografien von Weegee , Arnold Odermatt, Enrique Metinides und aus dem LA Police Archiv.
Video: IKS / Isabel Hernandez
Das NRW-Forum Düsseldorf lädt am Freitag, 23. September ab 17 Uhr zu einer ungewöhnlichen Diskussionsrunde ein: Eine Stunde lang diskutieren Experten in einem Video-Livestream über die Macht von Kriegsbildern in den Medien und sozialen Netzwerken. Wer möchte, kann übers Internet mitdiskutieren.
Anlass für die Aktion ist die Ausstellung “Frontline” mit Bildern von Kriegsfotografen, die ab Samstag im NRW-Forum zu sehen ist. Die Online-Diskussion findet gemeinsam mit dem Medien-Magazin “Was mit Medien” statt. Die Diskussionsteilnehmer im NRW-Forum sind Dominic Nahr (Fotograf bei der bekannten Agentur Magnum), Professor Peter Geimer (Fotowirkungsforscher und Kunst-Historiker) sowie Gabriel Gonzalez Zorilla (Deutsche Welle). Per Video zugeschaltet ist Richard Gutjahr, der Journalist war während der dramatischen Tage in Kairo, um sich selbst ein Bild zu machen und hat von dort live gebloggt. Außerdem der Blogger und Journalist Thomas Wiegold, der als Bundeswehr-Experte lange beim Nachrichtenmagazin “Focus” für dieses Thema zuständig war und sich in seinem Blog intensiv damit beschäftigt. Auch mit dabei: Dennis Horn, der sich als freier Hörfunkjournalist intensiv mit der Wirkung von Social Media beschäftigt und auch den “arabischen” Frühling begleitet hat.
Wer selbst mitdiskutieren möchte, kann das über Chat, Facebook oder Twitter (Hashtag “#frontline”) tun, oder per Webcam über ein Hangout (eine Art Videochat) beim sozialen Netzwerk Google+. Eine genaue Anleitung, wie ein Hangout funktioniert, ist hier zu finden.
Der Livestream ist am Freitag auf der Website von “Was mit Medien” und auf der Internetseite sowie auf der Facebook-Seite des NRW-Forums zu finden. Außerdem hier und an verschiedenen anderen Stellen im Netz. Wer die Diskussionsrunde verpasst, kann sie sich anschließend bei “Was mit Medien” als Audio-Podcast anhören.
Die Ausstellung “Frontline” zeigt Arbeiten von neun Fotografen der berühmten Fotoagentur Magnum. Dabei werden sowohl ältere Bilder gezeigt wie die Werke von Robert Capa, George Rodger, Henri Cartier-Bresson und David Seymou als auch Aufnahmen von fünf Fotografen, die sich heute in Krisengebieten aufhalten: Thomas Dworzak, Dominic Nahr, Moises Saman, Peter van Agtmael und Alex Majoli. Die Ausstellung ist von Samstag, 24. September 2011, bis Sonntag, 8. Januar 2012, zu sehen.
Hören Sie doch heute schon mal rein: unter dem Reiter “Hörstücke” oben auf unserer Facebook-Seite finden Sie heute den ersten O-Tone von Kris Scholz – einem Becher-Schüler, der auch in der Ausstellung “Der Rote Bulli. Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie” vertreten ist.
Individualität auf den ersten Klick
Nun ist es offiziell: Bloggen ist eine Kunstform, wenn man sie denn richtig beherrscht. Im Fall von Gunnar Hämmerle trifft das voll und ganz zu. Der Wahlmünchner Fotograf stellt seit 2006 Bilder von echten Individualisten auf den Straßen der Welt auf seinen Blog “Styleklicker”und ist damit sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass es seine Fotos mit dem Titel „StyleklickerCity“ ins NRW Forum geschafft haben. Und zwar als Einzelausstellung. Mit dem Untertitel „Menschen des 21. Jahrhunderts“ stellt Hämmerle einen Bezug zu einem der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts her: August Sander. Dieser Fotografierte in den 1920er Jahren Menschen, die ein physiognomisches Abbild der gesellschaftlichen Struktur seiner Zeit darstellten. Grundlage der Arbeit Sanders waren Portraits von Menschen, die zu unterschiedlichen Berufsgruppen auf dem Lande und der in der Stadt zählten. Die in sieben verschiedenen Gruppen eingeteilten Fotografien unterteilten die Charaktere in verschiedene soziale Gruppen. Sander fotografierte, wie auch Hämmerle, draußen und bei natürlichem Licht. Was den Unterschied zwischen den fotografischen Arbeiten beider Künstler ausmacht? Die Zeit. Damals standen Berufsgruppen im Vordergrund. Metzger, Schreiner, Bauern, Handwerker oder Bürger wurden von Sander in schwarz weiß dargestellt. Charaktere zählten. Heute steht die Individualität im Vordergrund, wird aber nicht durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe definiert, sondern durch das tragen individuell gestalteter Looks. Die Menschen auf den Bildern sind echt. Es sind keine Models, die Highfashion tragen oder gestylt durch die Straßen von Paris, New York oder London laufen, wenn sie zwischen den Modenschauen von Hobby-Bloggern abgelichtet werden. Es sind echte Menschen, die eins verbindet: die Liebe zur Mode und zur Individualität. Kleidung ist heute ein Ausdruck der Persönlichkeit. Sie transportiert das nach außen, was man durch eine Uniform nicht sehen könnte: den Charakter. Direkt und auf den ersten Klick.
“Zahnspangen-Generation” und Blogger in den Klatschspalten
Heute in den Klatschspalten der Rheinischen Post (“Stadtgespräch”) ist nicht nur der schöne Satz zu lesen: “Während andere Museen sich sehnsüchtig mehr junge Besucher wünschen, geht im NRW-Forum die Zahnspangen-Generation ein und aus. Die Digital Natives fühlen sich hier wohl”. Sondern inmitten der Promis und derjenigen, die sich dafür dafür halten und sonst diese Seite bevölkern, findet sich auch folgende illustre Aufzählung zum Blogger-Salon am Donnerstagabend: “Mit dabei waren Marlene Burba, ehemalige Studentin der AMD und heute Chefredakteurin von Alley Cat, Ina Köhler und Rosa Kalff (Modekommentar.de), Anja Dobler (Styleranking.de), Claudio Weber (Modedorf.de), Thomas Knüwer (IndiskretionEhrensache.de), Marc Fischer (Modesch Magazin), Sabrina Kauschka (Liebundteuer.org) und Janosch Bösche (fashionalyst.org). Wenn das nicht der Ritterschlag für die Bloggerszene ist, was dann?
Die Redaktion von RP Online hat unterdessen am Donnerstag Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Preview-Führung befragt und daraus eine interessante Bilderstrecke gebastelt:
Das sagen die ersten Besucher zur “Styleclicker City”

“Es gab eine Zeit, da habe ich mich zu sicher gefühlt”
Am Samstag, den 24. Juli eröffnet im NRW Forum Düsseldorf die Ausstellung Styleclicker City – Menschen des 21. Jahrhunderts, die bisher größte Fashion Blogger Einzel-Ausstellung, die jemals präsentiert wurde. Bereits drei Tage vorher haben wir den Styleklicker Gunnar Hämmerle kurz nach seiner Ankunft in Düsseldorf getroffen und mit ihm ein Gespräch über Urheberrecht und Bloggen geführt.
Interview: Rosa Kalff, Katharina Herrmann, Foto: Lena Grossmüller
Mit „Styleclicker“ präsentiert das Düsseldorfer NRW-Forum vielleicht die erste Museumsausstellung mit einem Modeblogger der Welt. Wieso Blogging jetzt schon museumsreif ist, fragten wir Museumsleiter Werner Lippert.
Interview: Lisa Wagner und Mirjam Günther, Fotos: Lena Grossmüller
Modeblog museumsreif
Rechner an, Handy an, Blackberry an. Ständig auf Draht. Browserfenster auf. URL eingeben. Enter. Die Seite baut sich auf und wir sehen Bilder von Menschen aus Berlin, Paris, Malmö und anderen Metropolen. Das Phänomen Style-Blog boomt, in den letzten Jahren haben sich die Seiten der Mode-Weltenbummler rasant entwickelt. Eine Streetfashion-Blog hat es jetzt sogar ins Museum geschafft. Bilder aus Gunnar Hämmerles „Styleclicker“ sind ab sofort im NRW-Forum zu sehen. Doch wie fühlt sich der User eigentlich im Museum – so weit weg vom heimischen PC? Ist die Blog-Szene, ist Streetstyle jetzt schon reif fürs Museum? weiter »
Man möchte diesen Mann auf Anhieb duzen. Verlässlich, ehrlich, konsequent – so beschreibt er sich selbst. Sein Lieblingskleidungsstück: der Hut. Den er gerade trägt, ist nicht sein einziger. Hüte hat er ungefähr 30 bis 40 Stück. Als seine größte Schwäche bezeichnet Gunnar Hämmerle sein mangelndes Selbstbewusstsein. Doch das kommt einem nicht so vor, wenn man ihm gegenüber sitzt. An unterschiedlichen Menschen mag er, “wenn sie so sind wie sie sind”. Authentizität inspiriert ihn, genauso wie Bilder und gute Bücher.
Sartorialist vs. Styleclicker – Wer ist der coolere Blogger?
Kann man Birnen mit Äpfeln vergleichen? München mit New York? Zwei so unterschiedliche Streetstyle-Fotografen mit zwei so unterschiedlichen Ansätzen wie den Styleclicker und den Sartorialist. Der New Yorker Scott Schumann ist in Bezug auf die Besucherzahlen deutlich erfolgreicher: 250.000 Klicks hat sein Blog „The satorialist.blogspot.com“ an einem Tag. Der gelernte Schneider sagt Sätze wie: ,,Menschen so zu fotografieren, wie ich sie sehe, macht meinen Blog besonders.’’ Gunnar Hämmerle aka Styleclicker hingegen hat nur rund 10.000 Klicks an einem guten Tag und sagt: ,,Ich fotografiere die Menschen so, wie sie sind.’’
Die Unterschiede sind klar: Scott Schumann erhebt für sich den Anspruch, seine romantische Idee davon zu fotografieren, wie die Menschen sind. Die Looks sind eher klassisch. Nichts Ausgefallenes. Er fotografiert Momentaufnahmen. Das mache seinen Erfolg aus, sagt er. Gunnar Hämmerle hat einen anderen Anspruch: Die Menschen, die er fotografiert, sollen so sein, wie sie sind. Viele fragen, was sie machen sollen, während sie fotografiert werden. Seine Antwort: ,,Mach einfach nichts! Schau einfach in die Kamera!’’ Das ist authentisch. Sie befreien sich von allen anderen Gedanken, machen dadurch tatsächlich nichts und sind vollkommen sie selbst. Die einzige Vorgabe also: Persönlichkeit. weiter »







