Sie strotzen vor Schönheit und locken mit perfektem Wuchs, sie spreizen ihre zarten Hüllen und zeigen schamlos ihre Reize. Lustvoll recken sie die feuchten Stängel, schieben ihre Zungen aus Schalen und Gefäßen und lauern stolz und schwellend auf unsere Blicke: Tulpen, Lilien, Iris, Orchideen oder Hyazinthen, wie sie Robert Mapplethorpe immer wieder fotografiert hat.

Mit solchen Motiven ließe sich problemlos auch zum Muttertag gratulieren, doch zu Mapplethorpe geht niemand wegen der Blumen, auch wenn sich eines der beiden Ausstellungsplakate mit einem Strauß Papageientulpen in botanischer Unschuld gibt. Das andere Motiv wagt etwas mehr und zeigt den nackten Rücken eines schwarzen Mannes, und in der Ausstellung erst gerät der Hinweis zum ernsten Verbot: Minderjährige haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt zu der Schau.

Die Maßnahme ist reine Prophylaxe, denn selbst in der Weltstadt London nahm die staatlich geförderte Hayward Gallery auf Anraten der Polizei schon mal drei Mapplethorpe-Fotos von der Wand, die durchaus als etwas problematisch einzustufen waren.

In Düsseldorf hat man keine Angst vorm schwarzen Mann und zeigt das Werk des amerikanischen Tabubrechers ohne Zensur: Bilder von überwältigender Schönheit, nicht nur die Blumen.

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Die „Cocks and Flowers” („Schwänze und Blumen”) sind allerdings nur ein Teil der umfassenden Schau – neben wunderbaren Porträts, die Isabella Rossellini wie eine Madonna und Donald Sutherland wie die Figur eines Brecht-Stücks zeigen. Und neben der einstigen Gefährtin Patti Smith erkennen wir einen Fotografen, der die Lust an der Inszenierung, am Rollenspiel ausgelebt hat, auch in den Selbstportraits: ein Mann, der sich in der coolen James-Dean-Pose genauso gefällt wie mit Pelz und falschen Wimpern. Zuletzt, erzählt sein Freund und Anwalt Michael Ward Stout, war Mapplethorpe einer der meistbeschäftigten Porträt-Fotografen New Yorks mit großem Studio. Ein Künstler, der den Menschen bis in die Pofalten schauen wollte, aber nicht ins Herz.

DerWesten bringt die Mapplethorpe-Ausstellung ganz groß – auch mit einer umfassenden Bilderstrecke

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Kurator Werner Lippert zeigt die Arbeiten im NRW-Forum vor weißen Wänden. Nüchtern wirkt das, unaufgeregt, gereiht und einem großen Werk verpflichtet.Dennoch bleiben die Fotografien von Robert Mapple-thorpe ein Gradmesser für Moral und Sitte, so anachronistisch dieses Wortpaar auch klingen mag. Zwei Fotografien mussten weichen, weil der Paragraph zur Kinderpornografie in Deutschland verschärft wurde. “Kinderschänder” im Internet lösten die Gesetzesinitiative aus. Die Gefahr, dass die Ausstellung mit dem Vorwurf der Pädophilie stigmatisiert werden könnte, wollte Kurator Lippert entgehen. Die Robert Mapplethorpe Foundation (New York), von der alle Bilder kommen, schickte Ersatz.

Schöner Artikel im Westfälischen Anzeiger

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Ihren Job setzen die Ausstellungsmacher Petra Wenzel und Werner Lippert kaum mehr aufs Spiel, wenn sie Mapplethorpe würdigen. Zu sehen sind ab Freitag alle Phasen seines künstlerischen Schaffens – auch nie oder kaum je gezeigte Arbeiten aus dem reichen Fundus der New Yorker Robert Mapplethorpe Foundation. Nicht auf fliederfarbenen oder lila getönten Wänden, sondern vor schneeweißem Hintergrund. Das ist bezeichnend für eine seriöse Auseinandersetzung, die nicht mit irreführenden spekulativen Erwartungen kokettiert.

Beim Wettbewerb um die originellste Headline werden die Ruhr Nachrichten nicht punkten. Aber ein freundlicher Bericht – wie eigentlich bisher alle.

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 Perfektion, Form und Schönheit – das klassisch-griechische Idealbild vom männlichen Körper wird in den Fotos Mapplethorpes bis ins Heldenhafte überhöht. Statuengleich posieren seine zumeist schwarzen Modelle, auf der Haut spielen Licht und Schatten, nackte, muskulöse Körper werden zu Landschaften, Bewegungen harmonieren bis ins Detail. Radikal sind die Penis-Fotos, die er häufig strotzenden Blumen wie der Calla gegenüberstellt, und das Selbstporträt mit einer Peitsche im Anus. Gesichter spielen bei den Akt-Aufnahmen keine Rolle, sie sind meist gar nicht zu sehen. Umstritten sind auch Mapplethorpes Kinderfotos, auf denen häufig Haare die Gesichter verdecken. «Die Zeiten, wo man sich aufregen muss, sind vorbei», meint aber Lippert.Trotzdem steht auch am Eingang dieser Schau, deren Bilder alle der Mapplethorpe-Foundation in New York entliehen sind, der Hinweis, dass Jugendliche unter 16 Jahren Zutritt nur in Begleitung Erwachsener haben. Dennoch hat das NRW-Forum Führungen von Teenagern für Teenager im Programm, die auch über den Internetdienst Facebook organisiert werden können.

via fnp.de

 

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Mit seinen Penis-Fotos, der freizügigen Darstellung sexueller Praktiken und homosexuellen Sujets schockierte und verstörte Mapplethorpe die Öffentlichkeit und beschäftigt bis ins 21. Jahrhundert hinein die Zensur. Die Schau in Düsseldorf will den Blick aber von der Fragen der Moral in der Kunst ablenken und sich ganz auf den Künstler konzentrieren. «Unser Ziel ist es, Mapplethorpe zu befreien von allen Klischees», sagte Kurator Werner Lippert. «Mapplethorpe erzählt keine Geschichte, sondern macht eine bildhauerische Fotografie.»

Nach der Pressekonferenz heute morgen beginnt nun die Berichterstattung in den Medien. Die meisten veröffentlichen zunächst die Berichte der Nachrichtenagenturen ddp und dpa – mehr oder minder ausführlich. Wie zum Beispiel ZEIT ONLINE, die den dpa-Bericht in voller Länge bringen. Deshalb dokumentieren wir ihn hier (über den Link unten kommt man auf das Original). Mehr Berichte folgen.

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Düsseldorf (dpa/lnw) – Das Gesamtwerk des umstrittenen US- Fotografen Robert Mapplethorpe beleuchtet eine Ausstellung in Düsseldorf. Im NRW-Forum werden von diesem Samstag an bis 15. August rund 150 Fotografien Mapplethorpes (1946-1989) gezeigt. Mit seinen radikalen Darstellungen von Nacktheit, Sex und homosexuellen Sujets schockierte und verstörte der Amerikaner die Öffentlichkeit und beschäftigte immer wieder die Zensur. Die Auswahl in Düsseldorf zeigt frühe Polaroids von 1971 ebenso wie provokante Aktfotografien, Blumenaufnahmen sowie Bilder seiner Gefährtin Patti Smith und die letzten Selbstporträts kurz vor seinem Tod.

Mapplethorpe-Ausstellung

Akt- und Nacktaufnahmen dominieren das Werk von Robert Mapplethorpe. (Archivbild aus Madrid) Foto: dpa
via bild.de
bild.de war wieder mal am Schnellsten. Und ungewohnt züchtig (vermutlich weil es sich um Männerakte handelt)

 

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Tatsächlich spiegelten eine Menge der Fotos Mapplethorpes exzessives Leben wider. Radikal inszenierte er seine optischen Ausflüge in die New Yorker Subkultur und zeigte der Welt, dass sich auch Sadomaso-Praktiken ästhetisch darstellen lassen. Seine Kamera schreckte vor nichts zurück, nicht vor Homosexualität, nicht vor der Gegenüberstellung von Penissen und Blumen, nicht vor sexuellen Aktaufnahmen und nicht vor einem Selbstporträt, das eine Bullenpeitsche in seinem Anus zeigt.

Durch sein exzessives Leben begleitet wurde Robert Mapplethorpe von der Sängerin Pattie Smith. Er hatte die damals noch unbekannte Musikerin während seines Kunststudiums kennengelernt. Sie stand zu ihm, bis er im Alter von gerade mal 43 Jahren starb. An Aids. Nachdem es bekannt war, dass er daran erkrankt war, schossen die Preise für seine Bilder in die Höhe. In nur einem Monat verkaufte er Fotos im Wert von einer halben Million Dollar.

via max.de

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Der Aufbau läuft mit Hochdruck. Auch wenn heute noch einige Wände weiß sind, wird man morgen zur Preview-Führung schon einiges sehen können.

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Robert Mapplethorpe: SHAPES from Institut für Kunstdokumentation on Vimeo.

Kein anderer Fotograf seiner Zeit wurde derart kontrovers diskutiert und war Kultfigur zugleich. Mit seinen klassizistischen Fotografien strebte Mapplethorpe stets nach formaler Perfektion, egal ob Torso, Penis oder Vase. Der Film wandelt auf den Spuren Mapplethorpes in New York und Malibu, aber auch in München und Düsseldorf. Exklusiv äußern sich u.a. die ehemaligen Modelle Lydia Cheng, Ken Moody und “Lady” Lisa Lyon.

Der Film entstand anlässlich der Retrospektive (6.2.-15.08.2010) und in Zusammenarbeit mit dem NRW-Forum in Düsseldorf und der Mapplethorpe-Foundation New York.

Ein Film von Ralph Goertz
Institut für Kunstdokumentation und Szenografie

Sprache: jeweils Originalsprache: Englisch-Deutsch
Länge: 40 min./ DVD / Regionalcode 2
All Mapplethorpe works copyright © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission.
Der Film enthält Nacktheit und kann Menschen – insbesondere Jugendliche – in ihren Empfindungen stören!
—-
No other photographer of his time was discussed in such a controversial style and – at the same time – a cult figure. With his classic photographs Mapplethorpe always striving for formal perfection. The film follows in the footsteps of Mapplethorpe in New York and Malibu, but also in Munich and Düsseldorf. With exclusive comments on, among others, the former model Lydia Cheng, Ken Moody, and “Lady” Lisa Lyon.

In Cooperation with the NRW-Forum Düssseldorf and the Mapplethorpe-Foundation New York.
language: original languages: english/german
duration: 40 min. / DVD / region code 2
All Mapplethorpe works copyright © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission.

Institut für Kunstdokumentation und Szenografie
ein Film von/a film by Ralph Goertz
© IKS /Ralph Goertz 2010 all rights reserved

 

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