Goodbye Polaroid! Smile, Polaroid is saved!
“Goodbye Polaroid!” oder “Smile! Polaroid is saved”, mit derartigen Aufmachern verfolgt die Presse seit mehr als einem Jahr das wechselhafte Schicksal der angeschlagenen Fotofirma und ihres bekanntesten Produkts, des Polaroidfilms. Vor etwas mehr als einem Jahr kündigte Polaroid an, die Produktion des Films einzustellen. Denn seit sich die Digitalfotografie durchgesetzt hat, ist der Sofortbild-Markt eingebrochen. Zu teuer war das Material und auch die Abbildungsqualität entsprach nicht mehr den Anforderungen der Zeit.
Wie immer, wenn eine Technologie mit Kultstatus von der Bildfläche verschwindet, mischt sich Wehmut in die Berichterstattung, und das nicht ohne Grund. Polaroid hat nicht nur unsere eigenen Fotoalben gefüllt, sondern auch Generationen großer Künstler und Fotografen begleitet. Man denke nur an Andy Warhols coole (Selbst)-Porträts, die Polaroidkollagen eines David Hockney oder die Detailstudien von Walker Evans, und in der Modefotografie an die Polawomen Helmut Newtons.
Zum Abschied wurde dem Sofortbild nun in mehreren Ausstellungen und Projekten auf der ganzen Welt Tribut gezollt: Das Whitney Museum of American Art zeigte im letzten September das Polaroidwerk Robert Mapplethorpes, Daido Moriyamas Arbeiten waren unter dem Titel “bye bye polaroid” in der Taka-Ishii-Galerie in Tokio zu sehen, der Fashionfotograf Rankin fotografierte für die Whiskey-Brennerei Macallan das Firmengut in 1000 Polaroids, und das Hamburger Lifestyle-Magazin Park Avenue bat Künstler und Prominente wie Wladimir Kaminer, Thomas D., Wolfgang Joop oder Jonathan Meese um einen fotografischen Abschiedsgruß.
Nicht alle sind unglücklich über den Verlust: Rankin beispielsweise gestand der New York Times in einer E-Mail, dass er sich nicht vorstellen könne, für seine Arbeit wieder Polaroids zu benutzen. Dennoch scheint die Geschichte des Sofortbilds nicht zu Ende: Der Österreicher Florian Kaps, Gründer der Galerie polanoir.com, hat zusammen mit seinem Geschäftspartner die Produktionsstätten im holländischen Enschede gemietet und will mit einem Teil der alten Belegschaft den Film unter anderem Namen weiterproduzieren. Goodbye Polaroid! Smile! Polaroid is saved!
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Pikantes unterm Weihnachtsbaum

Es raschelt in den Supplementseiten der Fashion- und Lifestyle-Magazine. Zum Jahreswechsel überbieten sich die Blätter mit provokativ-pikanten Zugaben. Hier davon zwei, die für ein wenig Stimmung unterm Weihnachtsbaum sorgen dürften. In ihrer Dezember-/Januarausgabe wartet die Vogue Paris auf mit einem Jahreskalender vom Agent Provocateur der Fashionfotografie, Terry Richardson, bekannt durch seine feucht-fröhlichen Sisley-Kampagnen. Für den Vogue-Kalender hat er nun vierzehn Star-Models in hübscher Pin-Up-Ästhetik abgelichtet – bekleidet mit, nennen wir es einmal, luftigen Dessous von Vuitton. Für Terrys Verhältnisse sieht das zwar fast schon ein wenig zahm aus, aber so kann man es sich wenigstens an die Wand hängen.
Richard Kern, auch nicht unbedingt ein Kind von Traurigkeit, hat für das Berliner Kunst- und Lifestylemagazin Monopol in die Vollen gegriffen. Für alle diejenigen, die ihr Weihnachtsgeschenk noch ein wenig aufpeppen wollen, hat er einen Bogen Geschenkpapier gestaltet, der es in sich in hat. Das Coverbild der Ausgabe, die Eingeweihten werden es sofort erkannt haben, stammt übrigens von Terry Richardson.
Zum Abschluss noch ein paar Weihnachtsmänner: Der britische Guardian hat zehn international renommierte Künstlerinnen und Künstler, darunter den deutschen Fotografen Jürgen Teller gebeten, den Weihnachtsmann neu zu interpretieren (das erinnert irgendwie an Andy Warhols De- und Rekonstruktion von Alltagsmythen, die noch bis vor kurzem im NRW-Forum zu sehen waren). Herausgekommen ist dies hier. Tellers Interpretation knüpft an seine Fotos aus der Serie “Märchenstüberl” an und unterstreicht noch einmal seine Position als ironiefähiger Dokumentar unter den Fashionfotografen: ungeschminkt, bis auf die Pausbäckchen und den Rauschebart.


