Rodarte_SS_2009

Videostill © Rodarte

Was fängt man an als Geschwisterpaar mit Studienabschlüssen in Literatur und Geschichte einer kalifornischen Elliteuniversität? Man zieht zurück ins Elternhaus – und gründet ein Modelabel. So jedenfalls haben es die Schwestern Kate und Laura Mulleavy gehalten, die beiden Köpfe hinter dem amerikanischen Modewunderlabel Rodarte.

Ihre Schneiderkenntnisse haben sie angeblich beim Sezieren eines Dior-Kleides erworben, aber ihre Obsession für Vielschichtiges scheint noch aus Studientagen herzurühren: Die Entwürfe der Mulleavys bestechen durch das Schichten und das ungewohnte Kombinieren von Stoffen, und im übertragenen Sinne gilt das auch für die Inszenierung ihrer Kollektionen. Erzählstoffe sind es hier, die, aus ihrem Kontext gelöst und überraschend wieder zusammengefügt, die Catwalkschau zu einem räumlichen Kunsterlebnis werden lassen.

Besonders intensiv war das zu spüren bei ihrer Frühlings/Sommer-Schau 2009 in der New Yorker Gagosian Gallery, die erste Station in unserer Ausstellung Catwalks. Inspiriert wurden die Mulleavys durch ein Foto von Boris Karloff als Patchworkmonster Frankenstein sowie die Ansicht eines in der Mitte zerteilten Mehrfamilienhauses von dem amerikanischen Konzeptkünstler Gordon Matta-Clark, der mit seinen Gebäude-Dekonstruktionen völlig neue Sichtweisen auf Architektur ermöglichte. Und was sich an den präsentierten Flickenkleidern in Form von faltig eingenähten Lederlappen zeigte, wurde in den Räumen der Star-Galerie durch einen Wanddurchbruch im Stile Matta-Clarks verstärkt. So sah das Publikum durch die Lupe architektonischer Dekonstruktion auf kunstvoll konstruierte Kleider, die eine wunderbare, dabei leicht morbide Eleganz besaßen.

Inszeniert wurde das Spektakel von Alexandre de Betak, der auch das Creative Design unserer Ausstellung besorgte – und dafür den Wanddurchbruch wiederholte: weiter »