Der Tümpel als Laufsteg – “We are animals” von Wrangler und Ryan McGinley

Im Jubiläumsjahr von Darwins “Entstehung der Arten” erinnert uns der Jeanshersteller Wrangler mit seiner (leider nur in Frankreich und auch schon vor ein paar Monaten) lancierten Kampagne “We are animals” an unseren eigenen Ursprung. Der Fotograf der Bilder, Ryan McGinley, sucht die Wurzeln der Menschheit allerdings entgegen Darwins vorsichtiger Spekulation auf einer etwas tieferen Etage im Geäst der Evolution: Bei den Amphibien und Reptilien.

Es muss ein grauer, regnerischer Tag gewesen sein, als der Mensch sich aus dem Krokodil entwickelte. Die ersten Exemplare unserer Art lagen offenbar noch faul im Uferschlamm und lauerten auf Beute, den Oberkörper ins trübe Wasser getaucht, während die Hinterbeine auf festem Boden ruhten, um den Körper dann unerwartet plötzlich ins Wasser schnellen zu lassen.
Aber Spaß beiseite, Ryan McGinleys fantastische Bilder von halb bekleideten schönen Models, aufgenommen wie für McGinley typisch in unspektakulären Landschaften (und diesmal meistens im Wasser), sind die gelungene Visualisierung einer Kampagne, mit der die amerikanische Jeansmarke in Europa Fuß fassen will. Wie ihr Macher Fred Raillard in einem erhellenden Videointerview erklärt, bestand die Aufgabe darin, das in den USA erfolgreiche Cowboy-Image an den Gusto des europäischen Kulturmenschen anzupassen. Und die Lösung war ein einfacher Dreh: nicht der Cowboy soll im Zentrum stehen, sondern das Vehikel seiner Existenz, das Tier. Und so wie McGinley die Idee in seinen Fotos übersetzt, möchte man Wrangler beinahe dankbar sein, dass es damals, an jenem regnerischen Tag, schon feste Jeanshosen gab.
Beim diesjährigen Werbefestival in Cannes wurde die Kampagne mit dem Goldenen Löwen in der Kategorie Print ausgezeichnet.
Nach dem Sprung mehr Fotos und zwei Videos.

