Ist Robert Capas berühmtes Kriegsfoto doch gestellt? Ein spanischer Dokumentarfilm rollt den Fall neu auf

Foto Robert Capa © Cornell Capa / Magnum Photos
Es ist der 5. September im Jahr 1936. Ein namenloser Soldat der spanischen Republikaner rennt in vollem Lauf über ein Stoppelfeld, dem Feind entgegen. An seiner Seite der junge Kriegsfotograf Robert Capa, der unentwegt Fotos schießt. In dem Moment, als er wieder auf den Auslöser drückt, pfeift eine Kugel heran und trifft den Soldaten am Kopf. Das wohl bekannteste Kriegsfoto der Welt ist im Kasten und macht Capa berühmt. Oder war alles doch ganz anders? weiter »
Manche Fotos sind so berühmt, dass man sie gar nicht anschauen muss, um sie präsent zu haben. Man hört nur den Titel, und sofort stellt sich eine mehr oder weniger genaue Vorstellung vom Inhalt des Bildes ein. Wenn man diesen Ikonen noch eine neue Seite abgewinnen will, sollte man sich ihnen auf Umwegen nähern. Etwa indem man sie von jemandem beschreiben lässt und diese Beschreibungen mit den eigenen Bildern im Kopf vergleicht. Oder man baut die Motive mit Legosteinen nach.
Letzeres macht der britische Amateurfotograf Mike Stimpson. Er verwendet als Vorlagen zumeist Dokumentarbilder von Magnumfotografen, zum Beispiel Robert Capas Foto vom tödlich getroffenen Loyalisten aus dem Spanischen Bürgerkrieg (weitere Bilder auf Stimpsons Flickr-Seite). Stimpsons Lego-Versionen sind zunächst einmal humorvolle Kommentare zur Allmacht der Bilder. Aber sie stellen auch die Frage nach der Authenzität dokumentarischer Fotografien, eine Diskussion, die es zu vielen der von Stimpson ausgewählten Vorlagen, auch zum Capa-Bild, gegeben hat. Nachdem der Magnum-Fotograf Alec Soth nun kommentarlos mehrere Spielzeug-Versionen des gefallenen Loyalisten auf dem Magnum-Blog geposted hat, wird auch dort wieder über solche Fragen debattiert.
Che – Geschichte einer Bildikone
Von Albert Watson heißt es, er produziere Fotoikonen am laufenden Band. Was muss ein Bild haben, um so berühmt zu werden wie etwa sein Porträt der rauchenden Christy Turlington, das in der Best-Of-Ausstellung noch bis zum 18. Januar zu sehen ist? Der Künstler hat sich dazu nicht geäußert. Aber dafür gibt es hier die Geschichte von der wohl bekanntesten Ikone, dem Foto Che Guevaras von Alberto Korda. Letzlich läuft wohl alles darauf hinaus, dass ein sprechendes Foto zur rechten Zeit (im Falle Ches waren es die Jahre der Studentenrevolte) an den rechten Ort (damals das Cover einer höchst erfolgreichen Biografie des Revolutionärs) gelangen muss.

Foto Alberto Korda
Schadensersatz für Missbrauch von Aktfoto
Das Aktofoto, das der Schweizer Starfotograf Michel Comte 1993 von Carla Bruni anfertigte, macht erneut Schlagzeilen. Die französische Modefirma Pardon wurde zur Zahlung von 40 000 Euro Schadensersatz an das ehemalige Model verurteilt, weil sie das Bild ohne Erlaubnis auf Einkaufstaschen druckte (hier ein Video dazu, allerdings auf französisch). Bereits im Frühjahr sorgte das Foto für Furore. Bei einer Kunstauktion erzielte es statt der veranschlagten 4 000 Dollar den Rekordpreis von 91 000 Dollar. Wurde damals womöglich eine neue Fotoikone geboren?
Wie auch immer, Originalbilder von Carla Bruni sind demnächst in der großen Michel-Comte-Retrospektive zu sehen, die vom 1. Februar bis zum 23. Mai 2009 im NRW-Forum läuft.
Video: http://video.aol.com/video-detail/runion-le-succs-du-sac-pardon-bruni/2764731069


