Chanel_Resort

© Chanel 2009

Über dreihundert geladene Gäste versammelten sich im Mai diesen Jahres am Lido von Venedig zum Defilee. In Sonnenstühlen machten sie es sich bequem, während ein Streicherduett im Frack sein Spiel begann, untermalt vom Meeresrauschen und beschienen von der untergehenden Sonne, die einen schier endlosen Plankenweg mit goldenem Glanz überzog.

Eine stimmungsvollere Kulisse konnte man sich für eine Chanel-Modenschau kaum wünschen, aber es war ja nicht nur das: Kulisse. Denn Karl Lagerfeld verwob hier die Entwürfe seiner Frühjahr/Sommer-Kollektion 2010 über verschiedenste Bezüge mit dem Ort ihrer Präsentation – und schuf so ein glamouröses Gesamtkunstwerk: Auf Thomas Manns “Tod von Venedig” wurde angespielt, den Karneval, die Gondolieres, das Symbol des goldenen Löwen, aber besonders auf einen wichtigen Abschnitt in der Biographie Coco Chanels, die an dieser Stelle von 1919 an über Jahre hinweg ihre Sommermonate verbrachte und nun an allen Ecken und Enden der Kollektion als Bezugspunkt wieder auftauchte.

Er habe hier kein Kostümfest veranstalten wollen, kommentierte Lagerfeld, vielmehr sei es ihm um die Caféhaus-Atmosphäre der dreißiger Jahre gegangen, und um das Leben, das Coco Chanel an diesem Ort geführt habe und das nun vergangen sei. Von der poetischen Kraft dieser Schau schwärmten am Ende alle Rezensenten, und Karl Lagerfeld hatte wieder einmal bewiesen, dass große Mode heute immer auch große Inszenierung ist.

Der Designer, dessen Modearbeiten noch nie zuvor in einer Ausstellung zu sehen waren, hatte erst zwei Wochen vor Eröffnung von “Catwalks” einer Präsentation der Schau auf großer Leinwand zugestimmt. So kommt nun auch der Ausstellungsbesucher in den Genuss von Lagerfelds Poesie, Meeresrauschen inklusive.