Hier noch ein Nachtrag zu unserem Polaroid-Post. Das eigentlich Revolutionäre an der Erfindung des Firmengründers Edwin Land war der sich selbst entwickelnde Film. Aber auch die Kameras erlangten Ruhm. Die legendäre SX70 aus dem Jahr 1972 etwa machte Polaroid nicht zuletzt wegen ihres eleganten Designs endgültig zum Massenerfolg. Für die Vorstellung der Kamera auf der Aktionärsversammlung ließ Land die Designer Charles und Ray Eames einen Werbefilm produzieren. Das Ergebnis ist ein ästhetisches und rhetorisches Meisterstück:

via lensculture.com

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bye bye polaroid, Foto Daido Moriyama

“Goodbye Polaroid!” oder “Smile! Polaroid is saved”, mit derartigen Aufmachern verfolgt die Presse seit mehr als einem Jahr das wechselhafte Schicksal der angeschlagenen Fotofirma und ihres bekanntesten Produkts, des Polaroidfilms. Vor etwas mehr als einem Jahr kündigte Polaroid an, die Produktion des Films einzustellen. Denn seit sich die Digitalfotografie durchgesetzt hat, ist der Sofortbild-Markt eingebrochen. Zu teuer war das Material und auch die Abbildungsqualität entsprach nicht mehr den Anforderungen der Zeit.

Wie immer, wenn eine Technologie mit Kultstatus von der Bildfläche verschwindet, mischt sich Wehmut in die Berichterstattung, und das nicht ohne Grund. Polaroid hat nicht nur unsere eigenen Fotoalben gefüllt, sondern auch Generationen großer Künstler und Fotografen begleitet. Man denke nur an Andy Warhols coole (Selbst)-Porträts, die Polaroidkollagen eines David Hockney oder die Detailstudien von Walker Evans, und in der Modefotografie an die Polawomen Helmut Newtons.

Zum Abschied wurde dem Sofortbild nun in mehreren Ausstellungen und Projekten auf der ganzen Welt Tribut gezollt: Das Whitney Museum of American Art zeigte im letzten September das Polaroidwerk Robert Mapplethorpes, Daido Moriyamas Arbeiten waren unter dem Titel “bye bye polaroid” in der Taka-Ishii-Galerie in Tokio zu sehen, der Fashionfotograf Rankin fotografierte für die Whiskey-Brennerei Macallan das Firmengut in 1000 Polaroids, und das Hamburger Lifestyle-Magazin Park Avenue bat Künstler und Prominente wie Wladimir Kaminer, Thomas D., Wolfgang Joop oder Jonathan Meese um einen fotografischen Abschiedsgruß.

Nicht alle sind unglücklich über den Verlust: Rankin beispielsweise gestand der New York Times in einer E-Mail, dass er sich nicht vorstellen könne, für seine Arbeit wieder Polaroids zu benutzen. Dennoch scheint die Geschichte des Sofortbilds nicht zu Ende: Der Österreicher Florian Kaps, Gründer der Galerie polanoir.com, hat zusammen mit seinem Geschäftspartner die Produktionsstätten im holländischen Enschede gemietet und will mit einem Teil der alten Belegschaft den Film unter anderem Namen weiterproduzieren. Goodbye Polaroid! Smile! Polaroid is saved!

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