Be Famous in 15 Minutes with Rankin Live!
Der Modefotograf Rankin scheint es mit der Zahl 1000 zu haben. Zum Abschied vom guten alten Polaroid-Film fertigte er für eine Whiskey-Brennerei 1000 Sofortbilder auf dem Firmengut an (hier unser Bericht). Nun sucht er zusammen mit der Modezeitschrift Dazed & Confused dieselbe Anzahl stilbewusster Britinnen und Briten, um sie für “Rankin Live!”, seine erste große Werkschau in Großbritannien, zu porträtieren. Das Besondere: Das Shooting findet während der Ausstellung statt. Projektoren blähen die Bilder auf über Lebensgröße auf, dann werden sie gedruckt und in Rekordzeit an die Galeriewände gehängt. Dabei gilt das Rotationsprinzip; jeder glückliche Gewinner bekommt so einen Platz neben Rankins ikonischen Starporträts von Kate Moss, Vivienne Westwood oder der Königin von England. (Die Ausschreibung gibt es hier.)
Wie es sich anfühlt, für das Projekt des Fotografen Modell zu stehen, hat der Journalist James Anthony für den Guardian ausprobiert. Hier ein Ausschnitt aus seinem Bericht:
I am nervous – to put it mildly – but Rankin is remarkably adept at putting me at ease. His sense of humour is, by all accounts, as quick as his eye for a good shot.
Rankin’s approach seems to be to shoot a flurry of pictures, view the results, get back behind the camera and shoot more. Naively assuming that my shoot would be over in a few clicks, I would have been happy to slink off after the first batch of shots – but he ends four or five of these viewing breaks with an excited “Let’s shoot a few more!”.
My moment in the spotlight is over, but Rankin doesn’t stop, and though I sit in until the end of the day’s shoot, is never off his feet. It’s rather heartwarming to see he doesn’t appear to care about the status of his subject: whether it’s is the Queen, Madonna, Tony Blair or a series of slightly bewildered journalists, you suspect he’d approach photographing them the same way.
Goodbye Polaroid! Smile, Polaroid is saved!
“Goodbye Polaroid!” oder “Smile! Polaroid is saved”, mit derartigen Aufmachern verfolgt die Presse seit mehr als einem Jahr das wechselhafte Schicksal der angeschlagenen Fotofirma und ihres bekanntesten Produkts, des Polaroidfilms. Vor etwas mehr als einem Jahr kündigte Polaroid an, die Produktion des Films einzustellen. Denn seit sich die Digitalfotografie durchgesetzt hat, ist der Sofortbild-Markt eingebrochen. Zu teuer war das Material und auch die Abbildungsqualität entsprach nicht mehr den Anforderungen der Zeit.
Wie immer, wenn eine Technologie mit Kultstatus von der Bildfläche verschwindet, mischt sich Wehmut in die Berichterstattung, und das nicht ohne Grund. Polaroid hat nicht nur unsere eigenen Fotoalben gefüllt, sondern auch Generationen großer Künstler und Fotografen begleitet. Man denke nur an Andy Warhols coole (Selbst)-Porträts, die Polaroidkollagen eines David Hockney oder die Detailstudien von Walker Evans, und in der Modefotografie an die Polawomen Helmut Newtons.
Zum Abschied wurde dem Sofortbild nun in mehreren Ausstellungen und Projekten auf der ganzen Welt Tribut gezollt: Das Whitney Museum of American Art zeigte im letzten September das Polaroidwerk Robert Mapplethorpes, Daido Moriyamas Arbeiten waren unter dem Titel “bye bye polaroid” in der Taka-Ishii-Galerie in Tokio zu sehen, der Fashionfotograf Rankin fotografierte für die Whiskey-Brennerei Macallan das Firmengut in 1000 Polaroids, und das Hamburger Lifestyle-Magazin Park Avenue bat Künstler und Prominente wie Wladimir Kaminer, Thomas D., Wolfgang Joop oder Jonathan Meese um einen fotografischen Abschiedsgruß.
Nicht alle sind unglücklich über den Verlust: Rankin beispielsweise gestand der New York Times in einer E-Mail, dass er sich nicht vorstellen könne, für seine Arbeit wieder Polaroids zu benutzen. Dennoch scheint die Geschichte des Sofortbilds nicht zu Ende: Der Österreicher Florian Kaps, Gründer der Galerie polanoir.com, hat zusammen mit seinem Geschäftspartner die Produktionsstätten im holländischen Enschede gemietet und will mit einem Teil der alten Belegschaft den Film unter anderem Namen weiterproduzieren. Goodbye Polaroid! Smile! Polaroid is saved!
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