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© Jay One (Frankreich)

Graffiti im Museum? Die Frage scheint obsolet, denn Kunst von der Straße wird mittlerweile regelmäßig in Galerien präsentiert, und auch Museen widmen ihr immer häufiger eigene Ausstellungen. So sind kürzlich in Wuppertal Werke von einigen der bekanntesten Streetart-Künstler zu sehen gewesen, darunter STOHEAD aus Berlin oder ZEVS aus Paris, der im vergangenen Jahr auch schon im NRW-Forum beim „Liqudieren“ eines Logos zu sehen war.

Dass die Frage dennoch Sprengstoff birgt, zeigt sich derzeit in Frankreich. Der Grand Palais in Paris beherbergt noch bis zum 26. April die Arbeiten von 300 Graffitikünstlern aus aller Welt. In der Öffentlichkeit macht sich Entrüstung breit. Wie kann es sein, fragen einige, dass der Staat einerseits Sprayer im öffentlichen Raum mit rigoroser Härte verfolgt, ihnen aber dann in der viktorianischen Ausstellungshalle ein Podium bietet und dafür öffentliche Gelder einsetzt. Öl ins Feuer gießt zudem der Geschäftsführer des angesagten Kunstmuseums Palais du Tokio, indem er polemisiert, 99 Prozent aller Graffitis stammten von Dummköpfen.

Dagegen verwehrt sich der Architekt und Graffitisammer Alain-Dominique Gallizia, der die Ausstellung kuratiert hat. Nur die Protagonisten der internationalen Sprayer-Szene hat er eingeladen, eine Arbeit zum Thema Liebe neben ihrem Tag, dem Namenszug als Ursprungsmotiv des Graffiti, im Grand Palais auszustellen.

Damit ist freilich noch nichts über die künstlerische Qualität gesagt. Die muss man wohl selbst einschätzen, wie es bemerkenswert viele Besucher dieser Tage in der Ausstellung tun. Der Sprayer Shuck von den französischen Antillen, berührt allerdings einen wichtigen Punkt in der Diskussion, wenn er sagt, er sei glücklich, mit dieser Ausstellung aus „Illegalität und Marginalisierung“ heraus in die Legalität zu treten. Für ihn widersprechen sich kritische Haltung und öffentliche Anerkennung nicht. Während einige der von Gallizia eingeladenen Sprayer absagten, weil sie weiterhin in der Anonymität arbeiten wollten, bereitet er sich damit auf den Schritt in den Kunstmarkt vor.

Allerdings bleibt offen, ob es neben der ästhetischen nicht auch die subversive Qualität, der Schwebezustand zwischen Illegalität und Legalität ist, der die Graffitikunst als kulturelles Phänomen auch für den Kunstmarkt so interessant macht. Wie es ein Lichtgraffiti-Künstler in einer Arte-Dokumentation ausdrückte: “Ohne den Ruch des Illegalen wäre das, was wir hier machen, nur eine Lichtshow wie jede andere.”

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Der französische Streetart-Künstler ZEVS besitzt nun eine eigene Website im Google-Look. Das Logo des Webdienstleisters wurde selbstverständlich “liquidiert”.

zevsgoogle

via rebelart.net

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Visual Kidnapping by ZEVSVor einigen Jahren erregte der Pariser Streetart-Künstler Zevs Aufsehen durch eine aberwitzige Entführung. Aus einem großflächigen Werbebanner einer Espressomarke schnitt er das Modell heraus und verlangte für die Rückgabe ein Lösegeld von 500 000 Euro, zahlbar an ein Kunstmuseum in Paris. Anstatt gegen dieses “visuelle Kidnapping” vorzugehen, erfüllte die Firma die Forderung und konnte ihr Markenimage damit sogar aufpolieren. Das Verhältnis zwischen markenkritischen Streetart-Künstlern wie Zevs oder Banksy und den Marketingstrategen der großen Unternehmen erinnert bisweilen an einen sportlichen Wettstreit, bei dem es jedoch keinen wirklichen Verlierer gibt. Denn letzlich profitieren beide Seiten von diesem Spiel aus kreativem Angriff auf die Marke und deren gewitztem Konter. Durch mediengerechte Inszenierung steigern schließlich beide das eigene Image und damit ihren Marktwert.

interim-injunction-against-artist-filomeno-fusco Wie leicht die Balance der Kräfte in diesem Spiel gestört wird, zeigte sich jüngst im Hamburger Stadtviertel St. Pauli. Der Künstler Filomeno Fusco brachte über einem leer stehenden Ladengeschäft den Schriftzug der Modemarke Versace an und vernagelte das Schaufenster mit Brettern. Damit wollte er die zunehmende Gentrifizierung des Viertels anprangern. Doch anstatt den Ball aufzunehmen und elegant zurückzuspielen, etwa durch die spontane Eröffnung eines Guerilla-Shops im Stil des japanischen Modelabels Comme des Garcons, erwirkte die Luxusmarke eine einstweilige Verfügung gegen Fusco. Der muss nun alles wieder in den Urzustand zurückführen.

via whats-wrong-with-the-zoo.de

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