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Foto: Robert Mapplethorpe: Parrot Tulips, 1988 © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission

In der Ausstellung im NRW-Forum sind zahlreiche Fotos – so wie dieses “Parrot Tulips” zu sehen. Neben den Blumen selber, fallen sofort die sorgfältig ausgewählten Vasen auf, die Mapplethorpe in großer Vielzahl auf seinen Fotografien arrangiert.

Ein Beitrag in der amerikanischen Zeitschrift House & Garden, 1988 zeigt, über welche unerschöpflichen Sammlungen exquisiter Fotografien, zeitgenössische Kunst, Kunsthandwerk, und eben auch Glas Mapplethorpe verfügte. Sammlungen, die er zusammen mit seinem Liebhaber und Berater Sam Wagstaff zusammengetragen hatte oder, die aus Wagstaffs Sammlung stammten.

Mapplethorpes erstes New Yorker Studio war auf der Bond Street 24, Manhattan. Dort entstanden seine frühen Arbeiten. In den 80ern gab Sam Wagstaff ihm 500.000 Dollar, um das Loft in der obersten Etage in Haus Nummer 35 auf der West 23rd Street zu kaufen, wo er lebte und seine Aufnahmen machte. Das Loft in der Bond Street behielt er als seine Dunkelkammer.

Die Zeitschrift „House & Garden“ portraitierte Robert Mapplethorpe’s neues Loft und verglich dabei seine „ästhetische Herkunft” mit Oscar Wilde, Aubrey Beardsley und Jean Cocteau. Dabei nutzte Mapplethorpe das Loft auch als Präsentation und Selbstdarstellung seiner Tätigkeit als Sammler exquisiter Foto-Pretiosen, natürlich als Ausweis seiner eigenen Bedeutung als Fotograf und umgab sich durchaus auch mit den Insignien seiner Homosexualität.

Am 31. Oktober 1989 wurde die Ausstattung dieses Lofts als Kunst- und Möbelsammlung unter dem Titel „The Robert Mapplethorpe Collection“ im Auktionshaus Christie’s in New York City versteigert. In der Auktion wurden fast 600 Objekte aus dem Nachlass Mapplethorpes angeboten, wobei die Palette von Drucken alter Meister bis zu Möbelstücken im Arts and Crafts-Stil, von afrikanischen Masken bis zu moderner dänischer Keramik reichte. Der Verkaufserlös der Auktion kam der Robert Mapplethorpe Foundation (Robert Mapplethorpe Stiftung) zugute, einer gemeinnützigen Organisation, die der Fotograf kurz vor seinem Tod gegründet hatte, um sowohl die AIDS-Forschung als auch Fotografie-Ausstellungen in Museen zu unterstützen. Die Foundation schützt auch heute noch Mapplethorpes Werk und schafft eine Präsenz durch klug initiierte Ausstellung in aller Welt.

Die Bilder in House & Garden zusammen mit den Abbildungen im Christie’s Katalog zur Versteigerung seines Nachlassen geben Aufschuß darüber, wie Mapplethorpe Objekte seines Lofts in seinen eigenen Arbeiten verwendete: Unter Überschriften wie „Skandinavische Keramik, fotografiert von Robert Mapplethorpe“ und „Europäisches Glas, fotografiert von Robert Mapplethorpe“ wurden Bilder von Blumen mit Titeln wie „Baby’s Breath“ („Schleierkraut“) und „Irises“ („Schwertlilien“) umgedeutet zu Bildern von Glasvasen und keramischen Schalen. Oft, so sagten Zeitzeugen ging Mapplethorpe täglich zu Galerien, die europäische, vor allem skandinavische Glasobjekte anboten, und kaufte Gläser, Schalen, Vasen.

Wie seine Fotografie strebte Mapplethorpes Herangehensweise an das Sammeln und Ausstellen danach, ansonsten unvereinbare Objekte und Themen in Einklang zu bringen. In Mapplethorpes Loft konnte eine Marmorbüste von Antonius neben einer geschnitzten Ahnenfigur der Dogon residieren oder ein Matrose von Tom of Finland es sich unter einer Vielzahl keramischer Vasen und Schalen gemütlich machen.

Dimitri Levas, ein Designer und enger Freund, berichtet: “Wenn Robert beschloss, dass er etwas sammeln wollte, wurde er davon besessen, es zu besitzen. Wenn er nur einen Gegenstand kaufte, der seines Blickes würdig war, war das nicht genug, er musste mehr davon haben. Quantität wurde für Robert so wichtig wie Qualität, zum Teil, weil sein künstlerischer Blick jedes erkorene Objekt einer Sammlung im Verhältnis zu allen anderen sah.”

So gestatten heute die Fotografien, die Mapplethorpe uns hinterlassen hat, einen Blick in sein Leben und seine Sammelleidenschaft.

Alle Abbildungen © Robert Mapplethorpe Foundation, New York.

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