NRW-Forum Düsseldorf

Dan Flavin

Foto: Dan Flavin, »4“ red, red, green fluorescent light (for Konrad Fischer)«, 1968 Foto Markus Meyer courtesy Sammlung Rheingold

Nach Werken von Nam June Paik, Keith Sonnier, Olafur Eliasson und Mischa Kuball hängt jetzt wieder eine neue Lichtkunstarbeit an exponierter Stelle im NRW-Forum. Jedesmal als Dauerleihgabe für mehrer Monate beleuchten, akzentuieren, fokussieren diese Meisterwerke die Rotunde des 1926 erbauten Museums am Ehrehof. Diesmal handelt es sich um Dan Flavin’s »4“ red, red, green fluorescent light (for Konrad Fischer)«, aus dem Jahr 1968.

Drei handelsübliche Leuchtstoff-Röhren, horiziontal, untereinander auf einer weissen Wand angebracht, 2 rote Röhren, 1 grüne. “You see what you get” war Flavins ironischer Kommentar zu seiner Kunst, deren Betrachter er unumwunden dazu aufforderte, sich zu amüsieren. Er wollte schnelle Wahrnehmung erreichen und nicht andachtsvolle “Kontemplation, Psychologie, Symbolismus oder Geheimnis”. Doch so schlicht, wie es scheint, ist Flavins auf den ersten Blick ästhetisch eingängiges Werk nicht aufgebaut. Und so sieht man nicht nur das Strahlen der beiden Farben Rot und Grün, sondern auch das Zusammenspiel der Leuchten, die weitere große farbige Lichthöfe bilden. Es handelt sich um Wahrnehmungstäuschungen, hervorgerufen durch die Vermischung kalter und warmer, intensiver und schwächerer Farben.

“Mein Name ist Dan Flavin. Ich bin 32 Jahre alt, übergewichtig und unterprivilegiert, ein Kaukasier im Jahr des Negers.” Diese eher halb ironisch, halb ernst gemeinte autobiografische Selbstvorstellung notierte der amerikanische Künstler 1965. Da galt er schon seit 2 Jahren als einer der Vorreiter der Minimal Art, wie sie gerade von dem Düsseldorfer Galeristen Konrad Fischer mit Künstlern wie Carl Andre oder Sol LeWitt im Rheinland präsentiert wurde und der Fischer europaweit zu grosser Beachtung und Durchsetzung verhalf.

Flavin’s Ausgangspunkt war ein im Grunde simpler Vorgang, der im Nachhinein zu Recht als eine der einflußreichsten Erfindungen der Avantgarde-Kunst galt: Am 25. Mai 1963 hängte Dan Flavin eine exakt 244 Zentimeter lange handelsübliche sogenannte Neon-Röhre in sein Atelier und schaltete sie an. Er schraubte sie diagonal auf die Wand und nannte das Ergebnis “Diagonale der persönlichen Ekstase”. Durch diesen minimalen Eingriff erzielte Flavin einen enormen Effekt. Hatte er für diese Arbeit doch nicht das kalte, unpersönliche, grellweisse Licht gewählt, das weltweit Millionen von Lagerhallen, Kaufhäusern oder Büroeinheiten erhellt, sondern eine goldene Tönung, die das Werk symbolhaft überhöhte mit einem geradezu spirituellen Glanz versah. In der Folge entwarf er immer wieder überzeugende kleine und große Installationen, die in aller Regel für den Raum, in dem Sie dann erstrahlten, konzipiert waren und diesem eine ganz neue ästhetische Prägung gaben.

Auch wenn Dan Flavin, der 1996 verstarb, als Pionier der Minimal Art gilt, und seine Arbeiten weltweit in den renommiertesten Museen und Sammlungen hängen, hat nun in Brüssel eine EU-Kommission entschieden, bei Flavins Arbeiten handle es sich nicht um Kunstwerke, sondern um “Lampen” und dass für sie vom ersten Januar kommenden Jahres an statt bisher fünf zwanzig Prozent Einfuhrsteuer für jene EU-Galeristen anfallen, die sie ausstellen wollen.

So wurden einst aus Lampen Kunstwerke und jetzt wieder Lampen. Ironie der Geschichte.

Diese Dauerleihgabe der Arbeit von Dan Flavin stammt aus der Sammlung Rheingold, und Werner Lippert vom NRW-Forum freut sich, dass „die Sammlung Rheingold auf Vermittlung von Helge Achenbach uns diese inzwischen fragile, hochkarätige Arbeit für ein halbes Jahr anvertraut.“

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