Der perfekte Moment
Juristische Situation Mapplethorpe
Das geschieht in der Kunst-Szene nicht alle Tage: Das NRW-Forum, einer der bedeutendsten Kultur-Schauplätze Nordrhein-Westfalens, schließt die Ankündigung einer Ausstellung mit dem Hinweis: „Viele Motive in Mapplethorpes Fotografien sind eindeutig sexueller und homoerotischer Natur und können Besucher, insbesondere jugendliche, in ihren Empfindungen verstören.“
So war es beinahe immer in der Lebens- und Schaffenszeit des Fotografen Robert Mapplethorp – wo seine Fotografien ausgestellt wurden gab es heftige Kontroversen darüber, ob man „sowas“ überhaupt zeigen dürfe – und dann noch teils gefördert mit öffentlichen Geldern. Aber den Kritikern, darunter viele Pharisäer, wurde die Munition genommen: Mapplethorps fotografisches Oevre, darunter viele berühmte Porträts namhafter Schauspieler, Musiker und anderer Künstler, ist Kunst und nichts anderes. Zu diesem Urteil kam sogar ein japanisches Gericht, dass im Jahr 2008 das Verkaufsverbot für einen Mapplethorp-Bildband aufhob.
Mapplethorp wurde in New York geboren und studierte Kunst. In den 80er Jahren machte ihn die Szene des Big Apple zum Star, Prominente rissen sich darum, von ihm in Szene gesetzt zu werden, darunter Richard Gere, Andy Warhol und Genesis-Sänger Peter Gabriel. Sein Stil war unverwechselbar: Puristisch, schwarz-weiß. Bei längerem Betrachten wirken diese Porträts wie Röntgenaufnahmen der Persönlichkeiten. Neben diesen Arbeiten reizte Mapplethorp die Provokation. Seine Ausstellung „The perfect Moment“ löste durch die Zurschaustellung eindeutig sexueller Motive einen Skandal aus. Der Hollywood-Film „Dirty Pictures“ (Hauptrolle: James Woods) erzählt diese Geschichte.
Die Aufregung ist vorbei, Mapplethorpe gehört zu den unumstrittenen großen Künstlern unserer Zeit. Wie sehr ihn die Kunst-und Sammlerszene schätzt, zeigt eine makabre Begebenheit: Als 1988 bekannt wurde, dass er an Aids erkrankt war, schossen die Preise für seine Fotos steil in die Höhe, allein in einem Monat verkaufte er Werke im Wert von einer halben Million Dollar. Es war seine letzte große Inszenierung. Im Jahr darauf starb Robert Maplethorp.
Aus: InterContintal Life
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