Robert Mapplethorpe: Udo Kier, 1983 (c) The Robert Mapplethorpe Foundation - used by permission
Robert Mapplethorpe: Baronin von Oppenheim, 1983
Mapplethorpe und Reiner Kaltenbach, 1983 © Reiner Kaltenbach
Mapplethorpe und Lisa Lyon, 1983 © Michael Dannenmann
Werner Lippert und Udo Kier vor dem Mapplethorpe-Portrait (c) NRW-Forum
Mapplethorpe in Düsseldorf
Eine Story zusammengestellt aus Originaltönen von Helge Drafz und Werner Lippert.
Eine kleine Geschichte am Rande: Robert Mapplethorpe war 1983 in Düsseldorf, stellte in einer Galerie aus und schoss mindestens zwei Portraits. Im Rahmen unserer Recherchen konnten wir am Ende ein Portrait (das von Udo Kier) endlich genau zuweisen und ein weiteres, bisher unbekanntes und nicht publiziertes (nämlich das von Baronin von Oppenheim) ausfindig machen.
Zusammen mit einigen Ephemera bilden diese beiden Portraits jetzt eine Ergänzung der großen Retrospektive Mapplethorpes im NRW-Forum Düsseldorf, die noch bis zum 15. August zu sehen ist.
Die Story
Bei den Vorbereitungen zur Retrospektive von Robert Mapplethorpe im NRW-Forum tauchte das Gerücht auf, es gäbe einen Film, der zeige, wie Robert Mapplethorpe in Düsseldorf fotografiere. Die Robert Mapplethorpe Foundation, die den Nachlass verwaltet, konnte uns keinen Hinweis auf diesen Aufenthalt Mapplethorpes in Düsseldorf geben.
Nach einiger Recherche fand sich der Film in den Archiven des WDR. Er zeigte Robert Mapplethorpe in einem kleinen Studio bei Shootings. Das Video stammt von 1983, Autor war Heiner Hepper. Aus rechtlichen Gründen durften wir es nicht in der Ausstellung zeigen.
Als Helge Drafz und ich uns bei der Pressekonferenz darüber unterhielten, gab uns der FAZ Korrespondent Freddy Langer aus seiner Erinnerung die ersten entscheidende Hinweise. Sammler, Galeristen, Museumsleute aus dem Düsseldorf der 1980er Jahre konnten nicht weiterhelfen. Schließlich unterstützte der WDR unsere Recherchen durch Aufrufe in TV und Hörfunk ebenso wie die ortsansässigen Tageszeitungen. Schließlich stiegen Blogger um Thomas Klüwer mit Ihren Medien mit ein.
Das Ergebnis: ein Mosaik aus vielen kleinen Informationen und Kontakten; schließlich persönliche Begegnungen mit Beteiligten wie dem Galeristen Volker Wachs, der Robert Mapplethorpe nach Düsseldorf einlud, und mit den beiden zeitweiligen Assistenten von Mapplethorpe, oder mit dem Verleger Lothar Schirmer. Zahlreiche Telefon- oder E-Mail-Kontakte etwa mit Udo Kier oder mit Manfred Heiting. Dokumente von Fotografen, die Mapplethorpe und Lisa Lyon in Düsseldorf festhielten, Zeitungsausrisse, … und schließlich und endlich mit Baronin von Oppenheim – damit hatten wir die beiden Portraits, von denen inzwischen bekannt war, dass Robert Mapplethorpe sie in Düsseldrof geschossen hatte, zusammen.
Shooting und Zeitpunkt
Das Mapplethorpe-Event in der Galerie war im Jahre 1983 – ausweislich einer Kommissionsrechnung für Lady Lisa Lion Bücher aus dem Schirmer Mosel Verlag. (nebst genauer Firmierung der Galerie und Anschrift). Der Verleger, Lothar Schirmer berichtet: “Am 15.4.1983 ist Herr Mapplethorpe von Düsseldorf nach München geflogen, Lisa Lion und ich am 14.4.1983 von München nach Düsseldorf. Daraus ergibt sich messerscharf, dass die Veranstaltung am 14.4. stattgefunden hat. Mapplethorpe war in Düsseldorf und nicht nur er war dort, sondern auch Lisa Lion und ich. Wir hatten ein Event in einer „Photogalerie“ in Oberkassel, die Photographie-Galerie hieß und etwas mit einer gleichnamigen Photozeitschrift zu tun hatte. Auf jeden Fall haben wir eine Menge Lady Lisa Lion-Bücher signiert. Es kann auch sein, dass sie Portraitaufträge vermitteln wollten. Die einzigen Düsseldorfer, die Mapplethorpe interessierten waren Beuys und die Kraftwerk-Musiker – die aber kamen gerade nicht. Das Ganze war wohl organisiert mit der Buchpremiere.” Die Rechung ging an: Galerie Fotografie, Herrn Volker Wachs, Markgrafenstraße 3, 4000 Düsseldorf.
Wer hat das Event initiiert:
“Die Galerie war ein Off-spring der Schweizer Photozeitschrift “Photographie”. Da ich RM gut kannte, habe ich für diese Galerie die Ausstellung ausgesucht und organisiert und RM nach Düsseldorf geholt (das gleiche ist dann nochmals in Amsterdam für die Galerie Jurka organisiert worden). Ausgangsidee war, dass RM in 1982 meinen Sohn in NY fotografiert hatte. Über den Preis bin ich nicht genau informiert, ich weiss nur dass damals auch Jeane von Oppenheim ihr Portrait machen liess”, erinnert sich der Fotosammler Manfred Heiting. Er vermittelte auch den Kontakt zu Jean Freifrau von Oppenheim. Der Preis für ein Portrait muss bei 4.000 bis 5.000 Deutsche Mark gelegen haben, beschreibt Renate Gruber, die Witwe des Fotosammlers L.Fritz Gruber, das Preisgefüge, das ihr noch sehr gut in Erinnerung ist, weil Robert Mapplethorpe sich weigerte die Grubers auf einem Foto zu portraitieren und unbedingt 2 einzelne Portraits, jedes zum vollen Preis, schiessen wollte.
Wo fand das Shooting statt
“In einer Galerie names PHOTOGRAPHIE. in Düsseldorf Oberkassel. Unsere Galerie musste leider einem Modeladen weichen, der konnte mehr Miete zahlen, die Zeitschrift PHOTOGRAPHIE gibt es immer noch,” so Volker Wachs der Herausgeber der Zeitschrift und damaliger Galerist.
Reiner Kaltenbach – heute selbständiger Fotograf in Düsseldorf – war für den kurzen Moment Assistent von Robert Mapplethorpe in der Photographie Galerie in Oberkassel, ebenso Rudolf Hillebrand, damals Redakteur bei der Zeitschrift Photographie und heute Verleger einer Fotozeitschrift in Neuss.
Wer wurde portraitiert
“Udo Kier ist von Robert Mapplethorpe in Düsseldorf fotografiert worden. Udo Kier, den ich 10 Jahre später für ein Magazin portraitiert habe”, berichtet Reiner Kaltenbach, “erinnerte sich immer noch sehr klar an den Fototermin und war absolut begeistert. Dann erinnere ich mich noch an Frau von Oppenheim, schon deswegen, weil RM so absolut desinteressiert und leidenschaftslos auf sie und ihre Fragen zum Shooting reagiert hat. Sie hatte etwas aristrokratisches und einen großen Kleiderständer mit Designerware, der von ihrem Bodygard zurechtgeschoben wurde.”
Von diesem Portrait gibt es zwei Versionen. Eins befindet sich in der Sammlung mehrerer hundert Fotografien, die Baronin von Oppenheim an das Norton Museum of Art, West Palm Beach, gestiftet hat. Es ist abgebildet in dem Buch FOTOFOKUS – erschienen im Hatje Verlag. und in der amerikanischen Ausgabe, An American in Europe. Das zweite Foto befindet sich in ihrem Privatbesitz.
Zwischen beiden – der Baronin und dem Fotografen – sprang im Vorfeld der Funke wohl nicht über; wie alle Beteiligten berichten, war die Sitzung nicht unproblematisch und Frau von Oppenheim schildert Mapplethorpe als schüchtern und unsicher. Als es zum Shooting kam, hielt er aber absolut charismatische, einmalige Portraits von ihr fest, ohne die Fotos zu inszenieren ohne jede emotionale Regung. So berichtet Reiner Kaltenbach: “Ich habe auf sein kehliges Flüstern mal die Blitze ein wenig nach links mal nach rechts geschoben und ihm den Joint zur Hasselbladt gebracht. Er konzentrierte den Blick in den Lichtschacht, ließ den Joint im Mundwinkel und drückte kommentarlos auf den Auslöser.”
Udo Kier erinnerte sich bei einem Telefonat, das ich vor kurzem mit ihm führte, noch sehr klar an den Fototermin und war absolut begeistert. Die Stern-Journalistin Hilke Rosenboom sollte Mapplethorpe interviewen; Rosenboom, Kier und Mapplethorpe gingen zusammen zum Lunch; danach fragte Mapplethorpe Kier, ob er ihn portraitieren dürfe. So entstand ein Portrait, in dem Udo Kier hinter einem Stuhl aus der Galerie stehend zu sehen ist.
Hilke Rosenboom beschreibt dieses Portraitszene in ihrem Stern-Artikel vom 26. Mai 1983: “Am Nachmittag lässt sich der Schauspieler Udo Kier fotografieren, ein Profi, der nicht wie die Bankiersgattin (die vorher fotografiert worden war – Anmerkung) erstarrt lächelt, wenn es nichts zu lächeln gibt, und der keine Schwierigkeiten hat mit den herunterhängenden Armen, wenn er posieren soll. Der Schauspieler hat wohl gelesen, dass Mapplethorpe kaum einen Menschen zweimal fotografiert, und ist sich der Einmaligkeit der Situation bewusst. Er will nun das Beste geben: Er schminkt sich Schatten ins Gesicht, kämmt sich mit Wasser und zieht ein dunkles Hemd an. Auf dem Bild soll er so auf dem umgedrehten Holzstuhl knien, dass seine Gürtelschnalle durch das Loch in der Lehne blitzt. Ein Dutzend Aufnahmen dauert es, bis die Symmetrie da ist, solange reden beide mit leisen Stimmen, als könnte sonst jeder falsche Ton mit aufs Foto kommen. Der Schauspieler ist auf seine Gürtelschnalle konzentriert und will das Bild schon mit Inhalt füllen, bevor es fertig ist: der Fotograf scheint an der Form interessiert und an sonst garnichts.”
Später am Nachmittag beim Abschied verschenkt Kier wortlos seinen Ledergürtel an Mapplethorpe; der schnallt sich den Gürtel um … Udo Kier holte seinen signierten Abzug einige Zeit später in Mapplethorpes Studio in New York ab. Sein Abzug hängt heute noch in Palm Springs.
Wen hat er nicht portraitiert
“Ein wichtiger Grund für Robert Mapplethorpe nach Düsseldorf zu kommen, ein persönlicher Wunsch war … das hat er mir bei unserem ersten Telefonat von NY aus bereits dargestellt … er wollte die Band “Kraftwerk“portraitieren. Die war damals 1983 in den USA on the Top. 2 Wochen habe ich es versucht. Die Plattenfirma und die Band waren begeistert, nur einer nicht Florian Schneider Essleben, der Leader. Der wollte partout nicht. Auch seine Schwester, die ich damals gut kannte, Tina Schneider Essleben konnte ihn nicht überzeugen”. erinnert sch Reiner Kaltenbach
Fazit
So rundet sich ein Bild von dem Aufenthalt Robert Mapplethorpes in Düsseldorf im Jahr 1983. 1977 waren seine Arbeiten auf der documenta in Kassel präsentiert worden und sein Ruhm hatte sich von New York aus in der Fotocommunity verbreitet. 1992 zeigte die Kunsthalle Düsseldorf seine Arbeiten in der Ausstellung Mapplethorpe vs. Rodin.
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