Porträt

Matthias Schaller: Disportraits, DIS 1, 2010 © Matthias Schaller

Fotografien von Matthias Schaller

11. Februar – 22. Mai 2022

Spiegelnde Visiere von Astronautenhelmen, menschenleere Ateliers und verlassene Arbeitszimmer im Vatikan: Die Abwesenheit ist Grundmotiv im Werk des Fotografen Matthias Schaller. Er porträtiert Menschen, indem er einen direkten Blick auf sie verwehrt. Mit rund 100 Arbeiten präsentiert die Ausstellung die unkonventionellen Porträts des Fotokünstlers, die dessen grenzenlose Neugier gegenüber der Welt, dem Menschen und der Kunst offenbaren.

Matthias Schaller: Purple Desk, Vatican Secret Archives, 2004 © Matthias Schaller
Matthias Schaller: Die Mühle, 2001-2002 © Matthias Schaller
Matthias Schaller: Echokammer, 31.8.1999 - 3.2.2003 © Matthias Schaller
Matthias Schaller: Das Meisterstück, seit 2007, Vincent van Gogh © Matthias Schaller

Anstatt die Kamera auf Personen zu richten, widmet Schaller sich ihren alltäglichen Umgebungen und Gegenständen. Seine fotografischen Arbeiten, die von der Kunstgeschichte des Mittelalters ebenso inspiriert sind wie von der jüngsten Gegenwart, leben von der Abwesenheit. Sie zieht die Betrachtenden in die Bilder hinein und wirft sie zugleich auf sich selbst zurück.

Wie das Spiel mit An- und Abwesenheit die Grenzen des Genres Porträt herausfordert zeigt sich eindrucksvoll in den Disportraits (2008–2009): Schwarze Leere spiegelt sich in den Scheiben von Astronautenhelmen, die den Blick auf ihre Träger*innen verwehren. Obwohl es sich um authentische Raumanzüge handelt, steht im Zentrum nicht die Person, sondern deren leere Hülle.

Auch in der Serie Puple Desk (2004-2008) geht es nicht um das Abbild eines Individuums, sondern, hier um das Porträt einer Institution. Schaller fotografierte die Arbeitszimmer der höchsten Mitarbeiter der Zentralverwaltung der römisch-katholischen Kirche, der Kurienkardinäle des Vatikans, wobei er im Vorfeld alle persönlichen Gegenstände akribisch entfernt hat.

Die Ausstellung umfasst weitere Arbeiten aus den Serien Echokammer, Lagunenwalzer, Antonio Canova, Die Mühle und Das Meisterstück. Es ist Matthias Schallers erste umfassende Einzelausstellung in Deutschland, die ihn zugleich auch nach Düsseldorf zurückführt: Denn hier entstand vor rund zwanzig Jahren die nun erstmalig ausgestellte Serie Die Mühle (2001–2002), in welcher er die Wirkungsstätte von Bernd und Hilla Becher mit seiner Kamera abtastete und indirekte Porträts zweier der einflussreichsten Künstler*innen Düsseldorfs schuf.

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