Hitting Puberty: 15 Jahre Stiftung IMAI

Episode 3 – Selected by Lukas Marxt

June 20 – July 25 2021

Die Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute feiert 2021 ihr 15-jähriges Jubiläum und kommt damit im übertragenen Sinne in die Pubertät. Aus diesem Anlass präsentieren wir 15 Positionen aus unserem Programm, die von den jungen Neuzugängen der letzten Jahre ausgewählt und zusammengestellt wurden. Ale Bachlechner, Ji Su Kang-Gatto, Lukas Marxt, Maki Satake, Hedda Schattanik und Roman Szczesny zeigen eigene Arbeiten in Bezug zu historischen Videos aus dem IMAI-Archiv, die für ihre persönliche Entwicklung anregend, wegweisend oder gar bahnbrechend gewesen sind. Ganz im Sinne der pubertären Selbstfindung lässt sich so die Geschichte des Erwachsenwerdens nachvollziehen, die Künstler*innen und Stiftung gemeinsam durchgemacht haben.

Lukas Marxt Imperial Irrigation 2020 Videostill I Copyright Lukas Marxt

Episode 3 – Selected by Lukas Marxt

Der Kölner Künstler Lukas Marxt beschäftigt sich in seiner Arbeit mit den menschlichen Eingriffen in vermeintlich natürliche Landschaften. Landwirtschaft, Tourismus oder militärische Interventionen hinterlassen Spuren, die der Künstler in seinen Videos nachzeichnet und so eine Art Geografie der Ausbeutung herausarbeitet. Das Screening Programm stellt seine Beobachtungen in Bezug zu globalen Wirtschaftskreisläufen, die vom blinkenden Karussell der kapitalistischen Unterhaltungsindustrie bis zum brutalen Karussell des Kolonialismus reichen.

Die Foto- und Videokünstlerin Gudrun Kemsa (*1961 in Datteln, lebt und arbeitet in Düsseldorf) hat in Zusammenarbeit mit dem Autor und Soundkünstler Marcus Maida (*1964 in Münster, lebt und arbeitet in Graz, AT und Iserlohn) zwischen 1999 und 2002 mehrere Videoarbeiten entwickelt, unter anderem Merry-go-round (2001, 6:17 Min.). Im bunten, grellen Licht wird hier das sich langsam, dann immer schneller drehende Karussell in Szene gesetzt. Die Bilder überlagen sich und der Rhythmus ihrer Bewegung verschmilzt mit dem der Musik.

Lukas Marxt (*1983, lebt und arbeitet in Köln) macht verlassene Landschaften und abgelegene Industrieanlagen zu den Hauptfiguren seiner Videos und Installationen. Imperial Irrigation (2020, 20:04 Min.) ist die vierte Arbeit in seinem Werkzyklus rund um den Salton Sea in Südkalifornien. Darin beschäftigt er sich mit der Rolle der Landschaft im Kontext der vornuklearen Geschichte des Zweiten Weltkrieges und zeichnet die ökologische Zerstörung des Sees nach den Testabwürfen von Atombomben-Attrappen Ende 1944 nach.

Marcel Odenbach (*1953 in Köln, lebt und arbeitet in Köln, Berlin und Ghana) ist einer der bedeutendsten Videokünstler in Deutschland. Seine unverwechselbare Bildsprache entsteht durch die collagenartige Montage von Fernsehmitschnitten, Archivmaterialien, Filmsequenzen und eigenen Aufnahmen. Die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte ist ein wiederkehrendes Thema in seiner Arbeit, so auch in Vorurteile oder die Not macht erfinderisch (1983/84, 8:25 Min.), wo die wirtschaftliche Ausbeutung in Afrika angeprangert wird.

Programm

Gudrun Kemsa und Marcus Maida, Merry-go-round, 2001, 6:17 Min.

Lukas Marxt, Imperial Irrigation, 2020, 20:04 Min.

Marcel Odenbach, Vorurteile oder die Not macht erfinderisch, 1983/84, 8:25 Min

Lukas Marxt Imperial Irrigation 2020 Videostill III Copyright Lukas Marxt

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