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Martin Schoeller

Drag Queen mit pinken Haaren, langen Wimpern, blau glänzenden Lippen, Glitzer-Make Up in einer Jacke aus reflektierendem Stoff vor weißem Hintergrund Martin Schoeller: Drag Queens: Acid Betty, 2019 © Martin Schoeller

28. Februar – 13. September 2020

Martin Schoeller ist einer der bekanntesten und gefragtesten Fotografen der Welt. Vor seiner Kamera standen sie alle: Barack Obama, Angelina Jolie, George Clooney oder Angela Merkel. Auch obdachlose Menschen, Drag Queens oder Bodybuilderinnen porträtierte er. Wir widmen ihm die bisher umfassendste Werkschau in Deutschland: Die Ausstellung präsentiert neben den Serien Close Up und Female Bodybuilders unter anderem erstmals die Serie Drag Queens sowie neue Arbeiten aus einer Reihe über freigesprochene Todeszelleninsassen.

Schoeller, in München geboren, lebt seit 1993 in den USA. Berühmt geworden ist er mit der Serie Close Up, einer Reihe extremer Nahaufnahmen. Für Close Up hat er viele hundert Prominente wie Taylor Swift oder Brad Pitt, Politiker*innen wie Angela Merkel oder Barack Obama, aber auch völlig unbekannte Menschen, alle auf die exakt selbe Art und Weise porträtiert. Er benutzt jedes Mal dieselbe Ausrüstung und identisches Licht, ähnliche Winkel und Entfernungen und widmet sich den Menschen, den unbekannten wie den allzu bekannten, mit der gleichen Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Die Bilder entziehen sich der bewussten Selbstdarstellung der Porträtierten und fokussieren einen Moment von Verletzbarkeit und Integrität.

Ausstellungsansicht der Serie Close Up aus der Ausstellung Martin Schoeller mit gleichgestalteten Kopfporträts von Prominenten nebeneinander hängend Ausstellungsansicht Martin Schoeller © NRW-Forum Düsseldorf, Foto Katja Illner

Die Serie Female Bodybuilders zeigt einige der besten Bodybuilderinnen der Welt. Auf einem Wettkampf 2003 hatte Schoeller sein erstes Polaroid-Bild von einer Bodybuilderin aufgenommen und war so beindruckt von der Komplexität des Bildes, dass er eine ganze Serie begann. Ihn interessieren die Widersprüche in den Bildern der Athletinnen, die mit extrem großem Einsatz an ihrem Sport und an ihren Körpern arbeiten, ohne soziale oder finanzielle Anerkennung dafür zu bekommen. Im Gegenteil, sie stoßen an die Grenzen weitverbreiteter und gnadenloser Schönheits- und Weiblichkeitsnormen. In der genauen Betrachtung dieser Widersprüche und der respektvollen und sorgfältigen Auseinandersetzung mit der Einzelnen liegt die Kraft seiner Bilder.

Halbporträt einer Person in Frontalansicht mit blauen Augen, Sommersprossen, langen, rotgefärbten Haaren und durchsichtigem Oberteil mit rotem BH Martin Schoeller: Hollywood: Kristyna Shields, 2016 © Martin Schoeller
Halbporträt einer Bodybuilderin im Halbprofil mit schwarzen Haaren, glitzernden Ohrringen, rotem Lippenstift und rotem, strassbesetztem Bikinioberteil Martin Schoeller: Female Bodybuilders: Carmella Cureton, 2007 © Martin Schoeller

Hollywood ist eine Werkreihe über wohnungsloselose Menschen und Martin Schoellers sozialpolitischste Arbeit. Die im Studio aufgenommenen Fotografien zeigen Frauen* mit trans* Identität, darunter viele Sexarbeiter*innen, die Schoeller in den Straßen von Hollywood getroffen hat. Für ihn stellen sie die verletzbarste und am meisten verunglimpfte Gruppe in der Amerikanischen Gesellschaft dar. Viele von ihnen bewältigen ein scheinbar unmögliches Zusammenspiel von Obdachlosigkeit, Sucht, psychischen Erkrankungen und Intoleranz gegenüber der Sexarbeit von Frauen*, trans* Identität und Armut.

Die Werkschau ist die bisher umfassendste in Deutschland und gibt Einblick in Schoellers vielschichtiges Werk. So präsentiert die Ausstellung weitere Reihen und Themen, neben humorvollen Prominenten, wie Brad Pitt beim Croquet in der Reihe Portraits, auch die Serie Identical, für die Schoeller Zwillingspaare porträtiert hat, oder die neue Serie Drag Queens.

Für die noch fortlaufende Werkreihe Death Row Exonorees hat er 15 freigesprochene Todeszelleninsassen interviewt und gefilmt. Dafür arbeitet er mit der Organisation Witness to Innocence zusammen, die sich für die Abschaffung der Todesstrafe in den USA einsetzt. In der Ausstellung sind sieben der Interviews in einer Videoinstallation zu sehen. In den kommenden Jahren möchte Schoeller weitere der bis heute 166 Menschen porträtieren, die in den USA zum Tode verurteilt und dann freigesprochen wurden

Ausstellungsansicht der Serie Identical aus der Ausstellung Martin Schoeller mit zwei gleichgestalteten Porträtpaaren mit Zwillingen Ausstellungsansicht Martin Schoeller © NRW-Forum Düsseldorf, Foto Katja Illner

THE DORF ZU BESUCH - MARTIN SCHOELLER @ NRW-FORUM

Gemeinsam mit unseren Freunden von THE DORF, dem Düsseldorfer Online-Magazin, bringen wir unsere aktuellen Ausstellungen zu Euch ins Wohnzimmer. Unsere digitale Führung präsentiert in mehreren Episoden die aktuelle Ausstellung „Martin Schoeller“. Im Gespräch sind NRW-Forum Mitarbeiterin Bernadette Färber, die Studentin Rosa Schulz und die Künstlerin und Kuratorin Pola Sieverding. Danach gibt es Einblicke in die Ausstellung „Bodies That Matter“, kuratiert von Pola Sieverding, die anlässlich des Fotofestivals Düsseldorf Photo+ im NRW-Forum zu sehen war.

LET'S DO DRAG!

In der 3-teiligen Webserie „Let's Do Drag“ führt die Düsseldorfer Drag Queen Lola Lash den künstlerischen Direktor des NRW-Forums, Alain Bieber, durch die Serie „Drag Queens“ in der aktuellen Ausstellung von Martin Schoeller. Lola Lash erklärt „Let's Do Drag“, gibt ein Schmink-Tutorial, zeigt die Kunst des Lip-Sync und bringt Alain Bieber bei, was alles zu einem Catwalk dazugehört.

Die Ausstellung wird realisiert in Kooperation mit Crossover/Anke Degenhard.

Martin Schoeller wird vertreten von der Galerie CAMERA WORK.

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